Reitsportler kämpfen um ihre Lieblinge

Pferde-Sterben in Valencia: Nach Deutschland gebrachtes Tier tot

Ein Pferd wird mit einem Kran aufrecht gehalten.
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Wegen des aggressiven EHV 1-Virus können sich viele Pferde in den provisorischen Stallungen in Valencia kaum noch auf den Beinen halten.

Im spanischen Valencia kämpft Hilmar Meyer mit zahlreichen anderen Mitstreitern um das Leben vieler Pferde, die während der dortigen Turnier-Serie plötzlich an Herpes EHV 1 erkrankt sind. Nun ist in Deutschland ein Pferd gestorben.

  • Reitsportler kämpfen in Valencia um das Leben vieler Pferde.
  • Ausbruch der Pferdeseuche Herpes EHV 1 bei Turnier-Serie.
  • Auch in anderen Ländern wurden bereits Herpes-Ausbrüche bekannt.

Update vom 4. März: In Deutschland ist das erste Pferd nach einer Infektion mit einer neuen Herpes-Variante gestorben. Das Tier ist laut Reitsport-Weltverband FEI zuvor bei einem Turnier in Valencia am Start gewesen, wo vor rund zwei Wochen die aggressive Variante erstmals festgestellt worden war. Damit erhöht sich die Zahl der gestorbenen Vierbeiner nach FEI-Angaben auf sechs. Teilnehmer des Turniers hatten zuvor von noch mehr toten Pferden berichtet.

Insgesamt 83 Pferde vor Ort zeigten klinische Anzeichen und werden behandelt, aber keines dieser Pferde ist liegend und benötigt Schlingen zur Unterstützung, teilte der Weltverband weiter mit. Fünfzehn Pferde wurden demnach am MIttwoch in externen Kliniken behandelt, 13 davon in Valencia und zwei in Barcelona.

Auf dem Turniergelände in Valencia erfolgte mittlerweile eine Trennung der Pferde, nachdem Athleten und Besitzer darum gebeten hatten, dass ihre Pferde in Gruppen untergebracht werden, ohne dabei die Biosicherheitsprotokolle zu verletzen. Um die Unterbringung der Pferde sicherzustellen, sollten am Donnerstag größere Boxen auf das Gelände geliefert werden.

Virusvariante aus Valencia mittlerweile auch in den USA festgestellt

Die Virusvariante aus Valencia ist inzwischen auch in den USA festgestellt worden. Nach Angaben eines Turnierveranstalters gibt es in Florida einen positiven Test. Auf dem eigenen Gelände des World Equestrian Center in Ocala, wo seit mehreren Wochen eine Turnierserie läuft, gebe es kein infiziertes Pferd, hieß es in einer Mitteilung. Bei der Veranstaltungsreihe hatte zuletzt der deutsche Reiter Andre Thieme mehrere Erfolge verbucht.

Nachdem die Virusvariante vor rund zwei Wochen erstmals aufgetaucht war, gab es bereits auch erste bestätigte Fälle in Deutschland. In Doha, wo an diesem Wochenende die Global-Champions-Tour starten soll, waren am Montag die beiden Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg positiv getestet worden. Der 39-Jährige aus dem baden-württembergischen Ilsfeld war wie ein kolumbianischer Reiter mehrere Tage vor der Reise nach Katar in Valencia am Start. (kom, mit Material der dpa)

Update vom 2. März, 12.15 Uhr: Am Dienstag reagierte nun auch der Weltreiterverband FEI auf den Ausbruch des Equines Herpes Virus (EHV 1) beim internationalen Groß-Turnier in Valencia (siehe Ursprungsmeldung weiter unten). So beschloss er alle Pferdeveranstaltungen bis einschließlich 28. März in zehn europäischen Ländern abzusetzen.

„Ich befürchte eine Pandemie, die sich europaweit ausbreiten könnte“, erklärte der Morsumer Trainer und Ausbilder Hilmar Meyer zuletzt. Er selbst musste bereits den Verlust von zwei von ihm betreuten Pferden beklagen. Die Bilder und Nachrichten, die er dabei vom Veranstaltungsgelände in Valencia unserer Zeitung zukommen ließ, sind schockierend und dürften auch die Pferde-Szene in großem Maße beängstigen.

Für immer getrennt: Tim Uwe Hoffmann und Casta Lee FRH.

Bei einer Erkrankung mit dem Herpes-Virus treten zuerst hohes Fieber und ein kränklicher Allgemeinzustand auf. Hinzu kommen oft Augen- und Nasenausfluss oder Husten. In besonders schweren Fällen kann die Infektion zum Tod führen, berichtet costanachrichten.com*.

Wie der Weltverband jetzt am Dienstag in einem offiziellen Schreiben mitteilte, gibt es bereits weitere EHV 1-Ausbrüche nachweislich in bisher drei weiteren europäischen Ländern, „die ihren Ursprung in Valencia haben“, bestätigte die FEI in ihrem Brief. Deshalb sei es unumgänglich, sofort alle laufenden Turniere in den meisten Ländern Europas stark einzuschränken und zukünftige bis erst einmal 28. März zu canceln. Es handelt sich dabei um Veranstaltungen in Spanien, Portugal, Belgien, Italien, Österreich, Polen, Holland, Frankreich, Deutschland und in der Slowakei.

Turniergelände in Valencia darf nur mit „Freifahrtschein“ verlassen werden

Fragwürdig dann aber der Abschnitt im Schreiben, indem laufende Turniere fortgesetzt werden können, weil man verhindern will, dass die Pferde, die bei den Reitsport-Events in Spanien, Italien und Belgien am Start waren, alle auf einmal die Turnierplätze verlassen. Allerdings dürfen diese Turniere nur so lange weiterlaufen, wie es keine Herpes-Auffälligkeiten während des Turniers gibt.

Wie und wann Hilmar Meyer seine Pferde von der Iberischen Halbinsel holen kann, ist fraglich. Das Turniergelände verlassen dürfen nur Vierbeiner, die ein Attest besitzen, das sie absolut virenfrei bestätigt. Besitzern, Trainern oder auch Reitern ist es dabei strikt untersagt, Turniere in den auffälligen Ländern ohne einen „Freifahrtschein“ zu verlassen.

Eine Szene, die sich durchgehend in Valencia zeigt.

Doch das soll bereits geschehen sein, was die FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibanez im Schreiben bestätigte: „Wir wissen, dass eine große Anzahl Pferde das Turniergelände in Valencia ohne ärztliches Attest verlassen hat.“ Im Klartext: Ihr Gesundheitszustand war nicht geklärt. „Doch einige Pferde waren bereits krank, das Ansteckungsrisiko groß. Dieser Ausbruch ist wahrscheinlich der schlimmste seit vielen Jahrzehnten in Europa!“ Deshalb sei eine Absage großer, internationaler Turniere unumgänglich gewesen. Und sie rät auch den nationalen Verbänden dringend dazu, ihre Turniere abzusagen.

Auch der 57-jährige Meyer versucht die Antennen aller Reitsportfreunde und Turnierveranstalter zu sensibilisieren, sagt: „Wer die Bilder hier gesehen hat, der weiß, wie ernst die Lage ist. Es muss alles Menschenmögliche getan werden, damit es nicht europaweit zu einer völligen Katastrophe kommt. Das hier in Valencia ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Es geht über das Vorstellbare hinaus!“ * costanachrichten.com ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Ursprungsmeldung vom 1. März: Morsum/Valencia – Als aktiver Springreiter war der Morsumer Hilmar Meyer als echter Kämpfer bekannt. Als einer, der im Parcours mit seinen Pferden erst dann aufgab, wenn auch die letzte Chance dahin war. Doch erst jetzt, gut zwei Jahre nach seinem Ausstieg aus dem aktiven Sport und nun als reiner Ausbilder und Trainer unterwegs, muss der 57-Jährige seinen härtesten Kampf bestreiten. Meyer bangt nämlich um seine Pferde, mit denen er momentan in Valencia weilt – und wo seit einigen Tagen das Herpes-Virus grassiert. Zwei Vierbeiner, die Meyer betreut, erlagen bereits der tückischen Krankheit.

„Ich habe das Weinen längst eingestellt! Es sind unfassbare Szenen, die sich hier abspielen. Ich funktioniere nur noch. Es ist ein Bild des Grauens, das wir hier an jeder Ecke auf dem Gelände vor Augen haben“, gab sich der Morsumer am Montag am Telefon völlig fassungslos.

Ich habe das Weinen längst eingestellt! Es sind unfassbare Szenen, die sich hier abspielen. Ich funktioniere nur noch. Es ist ein Bild des Grauens, das wir hier an jeder Ecke auf dem Gelände vor Augen haben.

Hilmar Meyer

Die tödliche Spur, die das Equine Herpes Virus in den Ställen der abgebrochenen CES Tour in Valencia zieht, wird dabei täglich länger. Nach Tim-Uwe Hoffmanns Casta Lee FRH (v. Cassus) verendete am Wochenende auch die zwölfjährige Stute 3Q Quadira (v. Arpeggio), die kongeniale Partnerin der Nachwuchsreiterin Tessa Leni Thillmann, an der hochinfektiösen Krankheit. Thillmann und die Stute wurden 2019 in den Nachwuchskader der FN berufen und mischten danach die Europameisterschaften für Children auf, holten mit der Mannschaft Silber.

Beide Reiter, Thillmann als auch Hoffmann, die seit geraumer Zeit unter den Fittichen von Hilmar Meyer stehen, „sind völlig neben der Spur. Ihre besten Freunde sind ja in grausamer Art von ihnen gegangen“, versuchte Meyer nur ansatzweise die Trauer der beiden Reiter wiederzugeben. „Run free my little best Quaddi”, schickte die junge Reiterin ihrer Partnerin als letzten Gruß hinterher. Und ihr großes Vorbild, Alexa Stais, die in den vergangenen Wochen so erfolgreich auf der Valencia-Tour unterwegs war und nun wieder auf dem Meyerschen Hof in Morsum weilt, ergänzte mit einem Instagram-Post: „Ein weiterer Superstar ist von uns genommen worden.“

In provisorischen Ställen werden den Pferden Infusionen gelegt.

Mit seinen Schülern und Bereitern, unter anderem eben Stais, Thillmann und Hoffmann, sowie insgesamt 24 Pferden, war Hilmar Meyer nach Spanien aufgebrochen. Jetzt ist er vor Ort, um den Pferden im Kampf gegen das Virus zu helfen. Doch der Ausbilder und Trainer weiß im Innersten, dass er sicher noch weiter loslassen muss. Wie auch viele andere deutsche sowie internationale Reiter, Trainer und Besitzer aus aller Welt.

„Hier packt jeder mit an. Doch es ist zum Verzweifeln. Denn sämtliche Kliniken platzen aus allen Nähten. Aus allen Städten Spaniens von Valencia über Barcelona bis Madrid sind Tierärzte angereist, werden Pferde in Kliniken transportiert, „doch der Platz reicht nicht mehr aus. So werden hier schon Vorort alle Maßnahmen eingeleitet, die eingeleitet werden können. Doch oft kommen sie einfach zu spät“, so Meyer.

Stais hält den Hof in Morsum am Laufen

Während Stais derzeit den Hof in Morsum am Laufen hält, „werde ich so lange hier in Spanien bleiben, bis auch das letzte Pferd, von wem auch immer, gerettet ist. Aber das werden sie alle hier machen“, versprach der Morsumer am Montag.

Auch Alexa Stais bekommt derzeit die grausamen Bilder verendender Pferde nicht aus dem Kopf. „Ich befürchte, dass sich das Ganze zu einer Pandemie entwickeln könnte“, orakelte die Reiterin und fügte an: „Auf dem Gelände sieht es mit den provisorischen Zelten wie in einem Kriegsgebiet aus!“

Schockiert: Alexa Stais, hier auf Lucato Mad Jo.

Natürlich hält die Südafrikanerin so gut es geht die Stellung in Morsum, mit den Gedanken aber ist sie fast ausschließlich in Valencia. „Ich wünsche mir so sehr, dass wir unsere Pferde so schnell wie möglich wieder nach Hause bekommen. Und ich bete, dass es so viele wie möglich gesund schaffen!“ Von den 24 Vierbeinern, die der Meyer-Tross mit nach Spanien nahm, zeigten Sonntag nur neun keine typischen Symptome. Auch Meyer glaubt, „dass das einschneidende Konsequenzen für ganz Europa haben wird. Denn es scheint, als würde sich die Krankheit wie ein Lauffeuer verbreiten.“

Meyer erhebt Vorwürfe: „Es wurden unglaubliche Fehler gemacht“

Immer wieder sieht man derzeit Traktoren mit toten Pferden über das Gelände fahren, Hilmar Meyer dokumentierte mit seinem Handy einige Szenen, machte Bilder und Videos, die als neutraler Betrachter kaum zu ertragen sind und die nicht nur jeden Tierliebhaber bis ins Mark erschüttern.

In seiner Trauer und Wut erhob er dann auch Vorwürfe, will aber noch nicht deutlich werden. „Hier gehen Dinge ab, die so nie hätten passieren dürfen! Es wurden unglaubliche Fehler gemacht. Aber ich denke, das wird die FEI erkennen und hoffentlich dann die richtigen Schritte einleiten.“

WAS IST HERPES BEIM PFERD?

Herpes ist ein hoch ansteckendes Virus, das bei ca. 90 Prozent der Pferde latent schlummert. Die Viren ziehen sich in die Nervenzellen zurück. Das Immunsystem erreicht sie nicht. Das Virus kann nicht eliminiert werden. Ein einmal erkranktes Pferd bleibt lebenslang Virusträger.

In Stresssituationen (Transporte, andere Erkrankungen, seelischer Kummer) kann das Herpesvirus aktiviert werden. Das muss aber nicht mit klinischen Symptomen einhergehen. Im Blut befinden sich Antikörper, die ungewünschte Eindringlinge abwehren. So lange sich die Herpes-Viren also im Blutkreislauf befinden und der Antikörperspiegel hoch genug ist, schützt das Immunsystem den Organismus.

Was bewirkt Herpes? Es gibt vier Typen des Equinen Herpes-Virus. Relevant sind aktuell insbesondere EHV 1 und 4. Vor allem EHV 1 führt zu Virusabort (Verfohlen) oder der Geburt lebensschwacher Fohlen. Die Stuten zeigt meist keine Krankheitssymptome, verliert aber zwischen dem siebten Trächtigkeitsmonat und dem Geburtstermin ihr Fohlen. Kommen die Fohlen lebend zur Welt, sterben sie meistens wenige Tage nach der Geburt.

EHV 4 (aber auch 1) verursacht fieberhafte Atemwegserkrankungen (Rhinopneumonitis). Die Pferde haben Fieber, oft auch über 39° Celsius. Es gesellen sich wässriger Nasen- und Augenausfluss sowie Husten hinzu. Der zunächst harmlose Verlauf kann schwerwiegende Folgen haben, wenn etwa eine bakterielle Infektion hinzukommt.

Vor allem EHV 1 kann das Nervensystem schädigen (paretisch-paralytischer Verlauf). Die Folge: Lähmungserscheinungen und Koordinationsstörungen. Anfangs macht sich die Krankheit nur durch leichtes Fieber bemerkbar. Einige Tage später zeigen die Pferde einen schwankenden, unkoordinierten Gang oder gleich Lähmungserscheinungen, insbesondere der Hinterhand. Der Grund: Es kommt zu Einblutungen ins Rückenmark und dadurch zu Funktionsstörungen bis hin zum Absterben bestimmter Nervenbereiche. Manche Pferde verhalten auch Kot und Urin (Penislähmung). Unter Umständen kann der Tierarzt hier nur noch eine erlösende Spritze geben. (Infos aus st-georg.de)

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