Eine ungleiche Familien-Challenge

Pamela Reif, meine Tochter und ich

Vater und Tochter in einer echten Familien-Challenge unter den wachen Augen des Haushundes Damon: Wird das alte Eisen am Ende dem herausfordernden jungen Gemüse das Wasser beim Fitnesstest reichen können?
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Vater und Tochter in einer echten Familien-Challenge unter den wachen Augen des Haushundes Damon: Wird das alte Eisen am Ende dem herausfordernden jungen Gemüse das Wasser beim Fitnesstest reichen können?

Wenn der Vater sich auf einen sportlichen Wettkampf mit seinem Nachwuchs einlässt, hinterlässt das meistens (bleibende) Spuren.

  • Familien-Challenge mit Pamela Reif.
  • Die Tochter fordert den Vater zu einem sportlichen Wettkampf.
  • Ein amüsanter Selbsterfahrungsbericht.

Verden/Bassen – „Komm alter Mann, beweg’ deine rostigen Knochen endlich mal wieder und mach’ heute mit mir mein übliches Workout, statt immer nur über deinen aufkommenden Waschbärbauch zu jammern!“ Es ist dieser gänzlich abschätzige Unterton meiner Tochter, der mich kurz aus der Fasssung bringt und mich tatsächlich zu dem völlig durchgeknallten sowie unüberlegten Satz verleiten lässt: „Okay, wirst schon sehen, was du davon hast, ,the old godfather of fitness’ herauszufordern!“

Cross Crunch für ein Sixpack. Bei Sternchen Pamela Reif sieht alles so einfach aus.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Später sollte ich mir gedanklich eine schallende Ohrfeige nach der anderen verpassen. Wie konnte ich mich bloß trotz meines besseren Wissens von einer durchtrainierten, 25-Jährigen zu dieser ungleichen Challenge verleiten lassen, bei der ich – hätte diese fünf Minuten länger gedauert – nur hauchzart einem sportlichen Offenbarungseid entgehen sollte? Vielleicht aus dem Grund, um es mir selbst noch einmal zu beweisen (ich eitler Blödmann). Oder auch nur, um das Gesicht nicht vor meiner Tochter – und meiner Frau – zu verlieren (Blödmann, Blödmann, nochmals Blödmann).

Zwei gegen einen . . . wie unfair

Am Ende konnte ich die Challenge aber auch nicht gewinnen. Denn sie heißt zwei gegen einen. So werde ich erst einmal einer zweiten jungen Dame vorgestellt, die aus dem Laptop grüßt: Pamela Reif. Scheinbar der Mega-Star im virtuellen Workout und quasi die Vorturnerin auf Youtube und sonstigen Kanälen. Die, die alle Übungen absolut korrekt vormacht. Ich atme erleichtert etwas durch. Eine Frau. So schlimm kann es also nicht werden.

„Wir beginnen mit ein paar Bauchmuskelübungen.“ Ich nicke lautlos, ohne zu wissen, was mein Nachwuchs da gerade am Laptop einstellt. Fang’ schon an, ich bin bereit! Meine Muskeln sind schon jetzt angespannt wie wilde Tiere, die aus dem Käfig gelassen werden wollen.

„Da, schau genau hin. Die gute Pamela macht es anders!“ Doch ich weiß, wer hier etwas falsch macht – ich!

Kurze Begrüßung von Pamela auf dem Bildschirm. Zehn Minuten „Abs Workout – mit Gewichten“. Also direkt für Profis. Kein Problem für mich. Dann tickt die Uhr am oberen Bildschirmrand im 30-Sekunden-Takt herunter. Die ersten Bauchaufgaben, die die blonde Strahledame mir dann stellt, sind genau die, die ich auch sonst im Fitnessstudio abgeliefert habe, bevor mich der Lockdown im Oktober zum zweiten Mal in die Zwangspause geschickt hat. Ich hab’ es noch drauf, grinse ich. Während beim Blondchen beim Brücke-machen, genannt planks, aber nur die langen Haare auf dem Boden hängen, spüre ich doch tatsächlich einen Widerstand, der meine kleine Plauze berührt – die Bodenmatte.

Nachdem ich in den Folgeminuten bei Klappmessern wie ein Maikäfer ochse, der strampelnd versucht, sich irgendwie aus der Rückenlage zu befreien, und dann wild fuchtelnd die Arme nach vorne werfe, meldet sich nach fünf Minuten plötzlich ein kräftiges Ziehen im unteren Rumpfbereich. Magenverstimmung? Nierensteine – oder gar Milzriss? Ich drücke heimlich auf die schmerzenden Stellen und bekomme eine feurige Rückmeldung vom Musculus rectus abdominis – die Bauchmuskel übersäuern gerade! Doch ich lasse mir nichts anmerken. Was sagte meine Tochter noch gleich? „Wir beginnen mit einer paar Bauchübungen.“ Nur – was sind ein paar? Ein dehnbarer Begriff, wie ich schnell merke. Denn in der Folge scheint es so, als ob die gute Pamela immer langsamer wird, jede Übung in Zeitlupe ausführt. Die Uhr am oberen Rand wirkt wie absichtlich angehalten, wenn ich gerade nicht auf den Schirm schaue, weil ich aufpassen muss, nicht die Balance bei der nächsten Übung zu verlieren. Dann hat die Tortur ein Ende. Pamela steht auf, klatscht in die Hände, ein „well done“ flimmert groß über die Mattscheibe. Geschafft. Geschafft ohne zu jaulen.

Jetzt werde ich gequält

„Na, das war doch ein Klacks! Habe ich dir doch gesagt, dass der alte Herr durchhalten wird.“ Meine Tochter blickt kurz auf, während sie am Laptop spielt: „Ja, jetzt sind wir warm, jetzt kann es losgehen. Jetzt folgt ein ,Untere-Bauchmuskeln-Training’. Danach geht’s rüber zum Booty Workout und schließlich zu 20 Minuten HIIT.“ Nur noch undeutlich kommen die letzten Worte bei mir an. Ich nicke, entledige mich meiner Jacke, die schon erste Schweißtropfen aufweist. Irgendwann bekommt jeder ein Gummiband – den speziellen Namen habe ich vergessen – für die Beine, dann tickt schon wieder die Uhr gnadenlos herunter. „Nun wird vor allem der Po gequält“, lächelt mir meine Tochter zu.

Einen Anblick, den man nach einem Workout mit Pamela Reif gerne sieht. Applaus, Applaus, es ist geschafft.

Falsch! Jetzt werde ich gequält. Und du weidest dich an meinen Verrenkungen, die meistens so aussehen, als ob ich Stromschläge bekommen würde! Sie spürt meine Blitze aus den Augen nicht.

Im Anschluss folgt mit HIIT noch eine intensive „Ganzkörperschlacht“, wie ich es später titulieren werde. Je länger die Strapazen dauern, desto öfter korrigiert mich die, die ich eventuell enterben werde. Aber genau diese Korrekturen nutze ich, um künstliche Pausen einzubauen, die Pamela so eigentlich nicht vorgesehen hat. „Das musst du mir erklären. Sie macht es doch auch so“, raunze ich zurück. Wohl wissend, dass meine Tochter absolut Recht hat. Doch jetzt bin ich clever wie ein Bundesliga-Fußballer, der auf der letzten Rille läuft und bei der kleinsten Berührung zu Boden geht – nur, um liegen zu bleiben und eine lebensbedrohliche Verletzung vorzutäuschen, damit die Sekunden bis zum Abpfiff tatenlos herunterlaufen.

Du bist jetzt durch. 50 Minuten Workout. Meinen Respekt. Für mich ist das aber zu wenig. Ich ziehe noch ,Brutal Abs’ durch.

Meine Tochter

Als dann endlich erneut die gute Pamela Reif in die Hände klatscht, mir das Wasser von der hohen Stirn läuft und der Daumen bei meiner Tochter kurz hochgeht, bin ich völlig erledigt – aber auch erleichtert. Durchgehalten!

„Du bist jetzt durch. 50 Minuten Workout. Meinen Respekt. Für mich ist das aber zu wenig. Ich ziehe noch ,Brutal Abs’ durch.“

Ich drehe mich wortlos um. Die Po-Backen und die Bauchmuskeln signalisieren bei mir höchste Alarmstufe . . . Krampfgefahr! Würde Pamela mich jetzt sehen, ihr Daumen ginge wahrscheinlich, wie einst bei Cäsar für eine schwache Vorstellung eines Gladiators in der Arena, ganz, ganz langsam nach unten.

Doch die Krämpfe werden gehen. Und dann werde ich das Training wieder aufnehmen. Diesmal altersgerecht.

Von Frank Von Staden

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