FIFA-Referee vermisst aufgeheizte Arenen / Länderspiel-Einsatz / Dankbar für Berufsausübung

Osmers: „Dieser ganze Rabatz fehlt einfach“

Zum „positiven Stress“, wie ihn Harm Osmers nennt, trug für den aus Baden stammenden FIFA-Referee in den vollgepackten Profifußball-Wochen zuletzt auch noch ein Länderspiel-Einsatz in Griechenland bei.
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Zum „positiven Stress“, wie ihn Harm Osmers nennt, trug für den aus Baden stammenden FIFA-Referee in den vollgepackten Profifußball-Wochen zuletzt auch noch ein Länderspiel-Einsatz in Griechenland bei.

Hannover/Baden – Während die Amateurfußballer und ihre Schiedsrichter momentan höchstens einsam ihre Runden durch Wald, Wiesen oder über den Asphalt drehen, um sich mit Joggen fit zu halten, befindet sich Harm Osmers auf ganz anderen Touren. Der Profi-Unparteiische des SV Baden ist derzeit in leichtem Dauerstress, ist auf fast allen Sportkanälen im TV in der Bundesliga, im DFB-Pokal, der Champions League und auch beim Pfeifen von Länderspielen zu sehen.

„Stimmt, im Herbst sind die Einsätze etwas zahlreicher, weil da alle Wettbewerbe in vollem Gange sind. Das ändert sich aber natürlich zwischen Frühling und Sommer. Stress würde ich das in diesen Tagen deshalb auch nicht nennen wollen. Und wenn, dann höchstens positiver Stress“, klärt Osmers leicht grinsend auf, wird dann aber ganz schnell wieder ernst. Denn er weiß genau um seine derzeit privilegierte Stellung im Sport. „Das wissen wir alle im Profi-Fußball. Und wir sind alle ungemein dankbar dafür, dass wir unsere Tätigkeit als Schiedsrichter weiter ausüben dürfen. Das ist keine Selbstverständlichkeit!“

Als der Ball ab März während des ersten Lockdowns ruhte, war natürlich auch für den 35-Jährigen „Kurzarbeit“ angesagt. Um seine Existenz allerdings musste Osmers, der seit diesem Jahr FIFA-Referee ist, nicht fürchten. „Wir werden als Unparteiische pro Spiel entlohnt. Neben den Einsatzprämien erhalten wir jährlich ein Grundhonorar für die Nutzung unserer Persönlichkeitsrechte.“

Am vergangenen Mittwoch ging es für der gebürtigen Badener, der seit vielen Jahren in Hannover lebt und Vater eines zweieinhalbjährigen Sohnes ist, mit dem Flieger nach Athen, um dort die Begegnung zwischen Griechenland und Zypern zu leiten. Auch dort waren, wie fast überall in Europa, keine Zuschauer zugelassen. Auch für Osmers ist das eine Situation, die ungewohnt, zum Teil gar etwas unbehaglich ist. „Wir als Bundesliga-Schiedsrichter sind ja besonders verwöhnt von der Atmosphäre voller Stadien. Und es ist schon so, dass wir die Energie, die die Fans rüberbringen, aufsaugen. Nicht nur die Spieler pusht es, wenn 50 000 Fans und mehr die Arenen aufheizen. Auch bei uns Schiedsrichtern steigt dann das Adrenalin, das uns zu Höchstleistungen treibt“, so Osmers. Und so gibt er auch sofort zu: „Ja, dieser ganze Rabatz fehlt einfach. Es wäre schön, wenn wir irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren könnten!“

Dass sich auf dem Spielfeld etwas verändert hat, seit jeder Schrei der Spieler, Trainer und Assistenten im weiten Rund zu vernehmen ist, kann Osmers, der bisher 52 Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse gepfiffen hat, nicht bestätigen: „Natürlich ist der Austausch des Unparteiischen mit den Spielern etwas intensiver geworden. Aber natürlich nur dann, wenn der Ball auch ruht. Was sonst im großen Stimmengewirr der Zuschauer nur sehr bedingt möglich war.“ Und auch die Vermutung, dass die Akteure ihre Aussprache etwas zügeln würden, seit die Sitzschalen und Stehkurven verwaist sind, verneint der DFB-Schiedsrichter (seit 2009). „Wenn ich die Partie anpfeife, dann ist es auf dem Platz wie immer. Dann haben die Emotionen freien Lauf. Ich habe ja selbst lange aktiv gespielt. Während der 90 Minuten kann man diese nicht unterdrücken. Die müssen dann auch mal rausgeschrien werden!“ Osmers macht aber schnell deutlich, dass er bei normalen verbalen Zweikämpfen unter Spielern seine Ohren zumeist auf Durchzug geschaltet hat. Und zitiert da den gängigen Spruch unter Unparteiischen: „Ein guter Schiedsrichter sieht besser mehr, als dass er hört!“

Von Frank Von Staden

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