Absprung vom Turniersport

Springreiter Hilmar Meyer: „Ohne Pferde wäre ich nichts“

Am vergangenen Wochenende sagte Hilmar Meyer auf dem Galaabend in Verden offiziell als Springreiter Servus.
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Am vergangenen Wochenende sagte Hilmar Meyer auf dem Galaabend in Verden offiziell als Springreiter Servus.

Morsum - Von Frank von Staden. Das Reiterstübchen von Hilmar Meyer ist voll. Voll mit Präsenten. Blumen, Bilder, Fresskörbe mit Wurst, Süßigkeiten und sonstiger Genussware. Alle haben sie den 55-jährigen Morsumer Springreiter bedacht, als er am vergangenen Wochenende auf dem Galaabend in der Verdener Niedersachsenhalle seinen offiziellen Rücktritt als Springreiter bekannt gab.

Im folgenden Interview lässt der ehrgeizige Sportler, Geschäftsmann, Ehemann und Vater einer Tochter, der 618 Platzierungen auf 110 Pferden erritt, darunter allein 286 S-Siege, seine sportliche Karriere im Zeitraffer noch einmal Revue passieren. Spricht unter anderem über Erfolge – aber auch Misserfolge. Und das vorweg: Er hat viel gelacht dabei.

Was ist denn das? Zwischen all den Geschenken liegt ja ein Bademantel.

Hilmar Meyer: Ja, ist das nicht geil? Habe ich von meinem Kollegen und Freund Hans-Jörn Ottens bekommen. Hinten drauf sind all die Namen von den Pferden gestickt, mit denen ich ein S-Springen gewonnen habe. 73 an der Zahl. Was für eine schöne und originelle Idee.

Anziehen werden Sie den sicher nicht.

Meyer: Natürlich nicht. Der bekommt einen Ehrenplatz.

Was hat Sie bewogen, so abrupt Ihre sportliche Karriere zu beenden?

Meyer: So abrupt war das gar nicht. Mit dem Gedanken habe ich schon länger gespielt. Nur den richtigen Zeitpunkt hatte ich noch nicht gefunden. Auf der Rückfahrt vom Dobrock-Turnier Mitte August wusste ich dann urplötzlich, dass er jetzt gekommen war. Ich hatte gerade vier S-Springen gewonnen. Einen besseren Zeitpunkt konnte es einfach nicht geben.

Auf Coverlady feierte der Morsumer Springreiter Hilmar Meyer beim Hamburger Derby 2013 einen seiner größten Erfolge, wurde am Ende Dritter.

Also ist Ihnen der Entschluss am Ende relativ einfach gefallen?

Meyer: Von wegen! Ich bin schon ganz schön traurig. Denn ich habe das alles immer gerne gemacht. Ich habe den Entschluss im Grunde nur gefasst, um nicht irgendwann derjenige zu sein, der den Absprung verpasst hat. Ich wollte nicht der sein, der auf den Turnieren nur noch hinterher reitet und der dafür ein verständnisloses Lächeln erntet. Für meinen weiteren beruflichen Weg ist es besser so. Ich kenne viele, die diesen Zeitpunkt verpasst haben. Wichtig war mir, dass nur ich bestimmt habe, wann Schluss ist.

Bereuen Sie irgendwas in Ihrer Karriere?

Meyer: Kaum. Vielleicht, dass ich nie Aachen geritten habe. Und dass ich meine guten Pferde verkaufen musste, mit denen ich sicher noch größere Erfolge hätte feiern können. Aber das ist nun mal das Geschäft.

Schmerzt es nicht manchmal, dass Sie als Berufsreiter auf vieles verzichten mussten? Quasi jedes Wochenende auf Turnieren . . .

Meyer: . . . halt, halt, halt. Um das gleich klarzustellen: Ich hatte das große Glück, früh mein Hobby zum Beruf machen zu können. Ohne die Pferde wäre ich nichts. Und könnte ich auch gar nicht leben. Ich habe durch die Reiterei die ganze Welt gesehen – und sehe sie weiter. Wer kann das schon von sich behaupten?

Heißt, im Leben des Hilmar Meyer wird sich so viel gar nicht verändern?

Meyer: Im Grunde nicht. Ich stehe weiter morgens früh auf, werde weiter bei mir in der Halle arbeiten und auf den Turnierplätzen stehen. Aber eben nicht mehr in der Mitte, sondern nur noch als Trainer und Ausbilder. An Arbeit wird es mir weiß Gott nicht fehlen.

Was waren die sportlichen Highlights in Ihrer Laufbahn?

Meyer: 2013 der dritte Platz mit Coverlady beim Hamburger Derby war schon ein Erlebnis. 2015 London in der Olympia Hall, als ich mit Continuo, mit dem ich in Verden ja gemeinsam verabschiedet wurde, das Mächtigkeitsspringen über 2,20 Meter dominieren konnte. Der Sieg von Nörten Hardenberg im Championat bleibt sicher auch unvergessen.

Und was war Ihr schlimmster Moment?

Meyer: Als ich mir mit 36 Jahren in Etelsen auf dem Turnier das Becken gebrochen habe. Da habe ich gedacht, das war es jetzt. Aus mit dem Reiten, kein Geld in der Tasche. Da hatte ich große Existenzängste!

Mal so nebenbei: Warum sind eigentlich alle professionellen Reiter so schlank? Im Turniersport sieht man nie übergewichtige Aktive.

Meyer: Unser Sport lässt uns keine Zeit zum Essen . . . nein, Spaß beiseite. Ein stabiler Reiter ist immer gefangen in der Sorte Pferd, das ihn auch tragen kann. Leichtgewichte aber sind flexibel. Sie können jedes Pferd reiten. In unserem Beruf und für den Erfolg ist das ganz wichtig.

Viele Berufssportler haben Rituale, bevor sie einen Wettkampf bestreiten. Hatten Sie auch welche?

Meyer: Na klar. Ich bin nie mit neuen Stiefeln, neuem Jackett oder neuer Kappe in große Parcours geritten. Da war ich abergläubisch. Wenn es neue Kleidung gab, wurde die erst auf kleineren Turnieren quasi getestet.

Sie galten in Ihren Anfangsjahren als der Wirbelwind im Parcours, der nur Vollgas kannte. Ihr Stil hat sich in den Jahren verändert. War das dem Lerneffekt geschuldet?

Meyer: Ja, kann man so sagen. Das ist das Schöne im Reiten. Egal, wie lange du auch auf einem Pferd sitzt, du lernst nie aus.

Wenn Sie nicht Reiter geworden wären . . .

Meyer: . . . dann hätte ich wohl die Landwirtschaft meiner Eltern fortgeführt – oder wäre Forstwirt geworden. Aber ich wusste ja schon ab meinem 14. Lebensjahr, wohin mich mein Weg führen sollte.

Aha. Bitte eine kurze Fahrt in die Vergangenheit.

Meyer: „Ich habe mit zwölf Jahren angefangen zu reiten. Dann hat mich Gerd Wiltfang 1983 entdeckt und sechs Jahre lang gefördert, ehe ich 1990 nach Oyten als Betriebsleiter auf die Reitanlage Theißen wechselte. 1992 habe ich mich dann auf dem elterlichen Hof selbstständig gemacht. Wie gesagt, das war immer mein Ziel.

Hatten Sie eigentlich sportliche Vorbilder?

Meyer: Habe ich immer noch. Vom Kämpfen, Reiten und auch vom Geschäftlichen her Tjark Nagel und Helena Stormanns. Sie ist meine beste Freundin, mit ihr mache ich auch viele Geschäfte. Mit Tjark habe ich heute einige Pferde zusammen. Auch er hat übrigens nach einem Sieg im S-Springen aufgehört. Ohne Vorankündigung.

Ist die Reiterei eine große Familie oder gibt es auch gehörig Konkurrenz?

Meyer: Aber so was von Konkurrenz! Viele im Landesverband werden regelrecht froh sein, dass der Meyer aufgehört hat. Jetzt können sie auch mal S-Springen gewinnen. Und Konkurrenz gab es ja schon immer im eigenen Stall. Zuletzt war es Alexa Stais – eine Mordsreiterin!

Jetzt mal ehrlich: Wie wird denn nun das Leben des Reitrentners Hilmar Meyer aussehen? Mal ausschlafen, mal das machen, was einfach nur Spaß macht?

Meyer: Von wegen! Die Arbeit scheint regelrecht zuzunehmen. Ich fahre mit meinen Reitern und Pferden weiter zu allen Turnieren, führe in der ganzen Welt Verkaufsgespräche. Ich stehe eben sportlich gesehen nur nicht mehr im Mittelpunkt. Und das ist auch gut so.

Gar keine Gedanken, einmal ganz entspannt für 14 Tage am Meer im Sand zu liegen?

Meyer: Ohne Pferde? Dann könnte man mich auch in SantaFu einsperren! Das geht gar nicht. Das ist Horror. Wenn ich geschäftlich in Südafrika oder Mecklenburg unterwegs bin und fahre mit den Züchtern rum, kann mich voll und ganz auf die Pferde konzentrieren, dann ist das für mich Urlaub.

Na, dann mal raus damit: Welche großen Ziele haben Sie sich denn dann für die Zukunft gesteckt?

Meyer: Einige. Zum Beispiel arbeite ich jetzt offiziell in der Horst-Gebers-Stiftung mit, die talentierten jungen Reitern im Landesverband Hannover mit nur bedingten finanziellen Möglichkeiten gute Pferde zur Verfügung stellt. Eine neue Arbeit ganz nach meinen Geschmack.

Wann werden wir denn Hilmar Meyer nicht mehr auf Reitturnieren sehen?

Meyer: Nochmals, ohne Pferde wäre ich nichts. Die Reiterei wird mich erst loswerden, wenn ich tot aus dem Sattel kippe. Und diesen Gefallen werde ich Euch mit Sicherheit noch lange nicht tun!

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