Nicht nur Amateurfußball betroffen / Trainergehälter rücken ins Visier

Mindestlohn stellt Vereine plötzlich vor arge Probleme

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Auch der DFB weiß, dass der seit dem 1. Januar geltende Mindestlohn Amateurvereine vor Probleme stellen könnte.

Verden - Von Frank von Staden. Nicht nur die bedrohliche Tabellensituation dürfte den beiden Verdener Fußball-Klubs TSV Ottersberg und TB Uphusen in den nächsten Wochen leichte Kopfschmerzen bereiten. Gut möglich, dass die Oberligisten noch eine ganz andere Nuss zu knacken haben. Denn seit dem 1. Januar gilt in Deutschland ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Und dass beide Vereine ihre Spieler bezahlen, ist kein Geheimnis. Stellt sich nur die Frage wie.

Nicht nur bei Unternehmen, auch im Amateurfußball herrschen offenbar Ängste, was die Folgen der Lohnuntergrenze angeht. So bestätigte DFB-Vizepräsident Rainer Koch in der „Welt am Sonntag“, dass es „eine gewisse Verunsicherung in der Branche gebe. Es hätten sich bereits „einige Geschäftsführer und Manager“ bei ihm gemeldet, bestätigte Koch, der beim Deutschen Fußball-Bund für die Amateure zuständig ist.

Der Funktionär warnt, dass einige Vereine es „schwer haben werden, die nötigen Budgets für die Bezahlung des Mindestlohns zu finanzieren“. Dabei gehe es um Verträge mit Spielern und Trainern. Denn viele Vertragsspieler im Amateurbereich sind mit einem 250-Euro-Kontrakt ausgestattet. Sie dürften aber laut Mindestlohngesetz nur 29 Stunden im Monat im Auftrag des Vereins aktiv sein. Auf eine solche Stundenzahl aber kommen fast alle Spieler des Turnerbundes als auch des TSV Ottersberg bereits in zwei Woche – mit Training, Spielen, Besprechungen und Fahrten zu Auswärtsspielen.

Fraglich ist aber, für welche Verträge im Amateurfußball der Mindestlohn gilt. Bei vielen Trainern dürfte die Ausnahme für ehrenamtliche Tätigkeiten gelten. Für den Bereich des Ehrenamts ist nämlich eine Ausnahmeregelung vorgesehen. Damit gibt es als zugelassene Abweichung von dieser gesetzgeberischen Grundsatzvorgabe mit Zahlungsverpflichtung von mindestens 8,50 Euro bundesweit für bestimmte Branchen (etwa die Zeitungszusteller und Saisonarbeiter) und unter anderem neben Praktikanten und Auszubildenden auch die sehr wichtige Ausnahmereglung für die vielen ehrenamtlich Tätigen. Auch Aufwandsentschädigungen und Ausbildungsvergütungen fallen nicht unter den Mindestlohn. Er gilt nur, wenn der Lohn tatsächlich eine finanzielle Gegenleistung für die Tätigkeit ist.

Wann greift die Ausnahme „Ehrenamt“?

Damit liegt die Bezahlung vieler Amateurfußballer in einem Graubereich. Die große Frage ist: Bekommen sie eine Aufwandsentschädigung oder erhalten sie als Arbeitnehmer einen Lohn?

Torsten Hass, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des TSV Ottersberg und zuständig für die Finanzen im eigenständigen Fußball-Club, musste gestern eingestehen, „dass wir uns mit dieser Problematik noch nicht wirklich beschäftigt haben. Für unsere Teilzeitbeschäftigten im Verein wie Service- oder auch Reinigungskraft haben wir die Vorgabe des Mindestlohns umgesetzt. Mit der Thematik ,Spieler als Arbeitnehmer‘ werden wir uns jetzt sicher eingehender beschäftigen müssen.“ Hass merkte allerdings an, „dass wir seit dieser Saison über keinen Vertragsamateur mehr verfügen.“

Noch viel interessanter wird es beim Thema Trainer. Denn quasi ab der 1. Kreisklasse vergüten die Vereine ihre 1. Herrenübungsleiter mit einer festen Summe X. Und für einen Oberliga-Coach wie Ottersbergs Axel Sammrey, der in unserer Saisonbeilage von 2010/11 erklärte, er würde pro Jahr rund 30000 Kilometer nur für Spielbeobachtungen mit dem PKW zurücklegen, müsste sich die zukünftige Entlohnung sicher verdoppeln – oder gar vervielfachen?

Eines ist klar: Nicht nur die Verantwortlichen des TB Uphusen und des TSV Ottersberg haben in den kommenden Wochen viele Fragen zu klären. Im Grunde betrifft es jeden Verein auf irgend eine Weise, der Trainer/Spieler mit monatlich festem Salär beschäftigt.

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