Liebesgrüße aus Barsinghausen 

NFV hofft auf ein positives Feedback auf Vorschlag der Saisonverlängerung

Ein Bild, das schon bald der Vergangenheit angehören könnte. Foto: Kjara von Staden
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Ein Bild, das schon bald der Vergangenheit angehören könnte.

Verden - Eiszeit statt Abbruch – unterbrechen statt absagen: Das sind die Liebesgrüße des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) an seine 2600 Fußball-Vereine, die die Kreisvorsitzenden am vergangenen Freitagabend einstimmig abgenickt haben sollen (wir berichteten) und nun ihren Klubs am Dienstagabend überbringen müssen. Ab 19.30 Uhr bittet so Verdens Fußball-Chef Kurt Thies Vertreter der 33 Kreisvereine (plus die der Jugendspiel- und Fördervereine) zu einer Video-Konferenz.

Die Verantwortlichen in Barsinghausen und in allen anderen Landesverbänden (O-Ton Thies: „Dieses Modell soll, wenn es von den Vereinen angenommen wird, für alle Verbände im DFB gelten“) dürften lange an diesem Plan A getüftelt haben, ehe sie ihn den Kreis-Chefs vorlegten. Kurze Auffrischung: Ab September soll die laufende Spielzeit von der Oberliga bis runter in die niedersten Klassen bei den Herren, Damen und Junioren fortgeführt werden, „sollten die Klubs in Niedersachsen zustimmen“, macht da Thies noch einmal deutlich, „dass die bisherige Vorlage nur ein Antrag ist, den man mit einem Ja oder Nein absegnen kann!“ Dabei gilt der September als frühestmöglicher Termin, für den die zuständigen Behörden auch ihr Okay geben müssten.

Wie diese Idee dann in der Dienstagskonferenz mit sämtlichen Vereinsvertretern des Kreises Verden aufgenommen wird, bleibt abzuwarten. Denn bisher mehrten sich die Stimmen, die für einen sauberen Schlussstrich wie in vielen anderen Sportarten zuvor plädierten.

„So stellt sich mir die Frage, warum wir noch als Verein befragt werden, wenn die Kreisvorstände doch schon einstimmig diesen Plan abgenickt haben. Ich denke, das wird nur eine Info-Veranstaltung“, mutmaßt da Detlef Meyer, Vorsitzender des Fußball-Bezirksligisten TV Oyten. Was nicht heißt, dass er den NFV-Vorschlag nicht akzeptieren würde. „Dieser bringt sicherlich die wenigsten Verlierer hervor, sieht auf den ersten Blick fair aus. Und sollte der September nicht machbar sein, hätten wir genügend Zeit, um später einzusteigen. Wenn dann die kommende Saison ausfallen und wir gleich mit der übernächsten weitermachen müssten – na und?“, fährt Meyer fort.

Unterstützung erhält er da von Langwedels Bezirksliga-Trainer Emrah Tavan als auch von Bassens Fußball-Boss Adrian Liegmann, die unisono eine Fortsetzung der Serie begrüßen: „Es ist die fairste Lösung. Gegebenenfalls könnte man den Rest der jetzigen Saison bis Mai 2021 ausdehnen, hätte damit genügend Spielraum für die restlichen Punktspiele, Pokalspiele und auch noch für die Relegation!“ Tavan fügt an: „Es wäre allerdings wünschenswert, wenn wir genügend Vorlaufzeit bekämen und schon im Mai in kleinen Gruppen wieder mit dem Training anfangen könnten.“ Diesen Wunsch haben natürlich auch alle anderen Aktiven.

Jan Fitschen, Coach des Landesligisten TSV Ottersberg, gibt sich da aber derzeit nur wenig Illusionen hin: „Ich denke, alles ist noch in sehr, sehr weiter Ferne.“ Der Re-Start in rund sechs Monaten ist für den Übungsleiter Utopie, seine Gedanken schweifen da eher Richtung 2021. Deshalb ist es ihm eigentlich auch egal, wie es letztlich weitergeht: „Wir nehmen es, wie es kommt!“

So sieht es auch André Koopmann, sportliche Leiter des derzeitigen Bezirksliga-Spitzenreiters TSV Etelsen: „Wir werden jede Entscheidung akzeptieren, auch wenn ich selbst mit einer Fortsetzung nicht gerechnet habe. Ich hatte da andere Szenarien im Kopf. Doch je mehr ich über diese Lösung nachdenke, desto fairer erscheint sie mir. So werden Entscheidungen im sportlichen Wettkampf fallen. Wie es sich dann bei Wechselmodalitäten verhält – ich bin gespannt. Dass die dann erst nach der Saison anlaufen können, ist ein Muss!“

Genau aber das moniert Koopmanns Pendant vom FC Verden 04, Nico Brunken: „Das geht so gar nicht! Wir haben bereits viele gute Gespräche für den Juli geführt. Was ist zum Beispiel mit Spielern, die es beruflich hierher verschlagen hat? Wird es in gewissen speziellen Fällen Ausnahmen geben? Und was ist mit den Jugendspielern, die wir bereits fest eingeplant haben und die auch schon in Herren-Teams aktiv waren? Ehrlich, für mich wäre ein Abbruch der Saison ohne Absteiger und mit jeweils zwei Aufsteigern – also Tabellenerster als auch Tabellenzweiter – die sauberste Lösung gewesen.“

Auch Riedes Fußball-Boss Frank Lindenberg kann sich mit einem Re-Start nicht anfreunden, wird am Dienstag eher zu den Kritikern des NFV-Vorschlags gehören. Seine Anmerkungen dazu: „Ich stelle mir diesbezüglich doch einige Fragen. Auch mich beschäftigt die Wechselfrist. Und wie sieht es mit einer JSG aus, bei möglichen neuen Kooperationen? In einigen Vereinen wird es sicherlich zum Wintersemester neue Studenten geben, die auswärts studieren. Das führt aus meiner Sicht zur Wettbewerbsverzerrung. Nein, diese Lösung ist für mich nicht praktikabel!“ So fragt sich der Chef des momentanen Bezirksliga-Schlusslichts auch: „Warum wird nicht wie in anderen Sportarten reagiert? Braucht der Fußball eine besondere Regelung?“

Scheint er schon. Dabei geht es vor allem darum, gerichtliche Klagen abzuwenden. So finanzieren sich längst nicht mehr nur höherklassigen Klubs nur durch Vereinsbeiträge, sondern sind von Sponsoren abhängig. Welche geldlichen Rückforderungsrechte aber hätten Insolvenzverwalter derer Sponsoren, die aufgrund der Corona-Krise in die Pleite getrieben wurden?

Thies: „Ich will nur so viel sagen, dass enorm viel an einer Weiterführung der Saison dranhängt. Alles ist besser als Abbruch. Doch letztlich müssen das die Vereine entscheiden!“

Kommentar zum Thema

Es besteht Redebedarf

Von Frank von Staden

Es besteht Redebedarf – großer Redebedarf. Denn die Vertreter der 33 Verdener Fußballvereine als auch die der Jugendspiel- und -Fördervereine werden viele Fragen haben. Sehr viele.

Die meisten wird der Vorsitzende des NFV Kreis Verden, Kurt Thies, sicherlich in der kurzfristig einberufenen Video-Konferenz beantworten können, andere wiederum wohl nicht. Darunter die Kardinalsfrage, warum nicht erst ein Stimmungsbarometer bei den Amateurvereinen angelegt und danach dann in der Barsinghauser Küche die wohlschmeckenste Suppe gekocht wurde. Dann aber mit Zutaten, die die Vereine ausgesucht hätten.

So aber muss Thies ein NFV-Rezept verkaufen, auf dem Drei-Sterne-Menü steht und das bei näherer Betrachtung auch eines ist, einigen aber wie Currywurst mit labbrigen Pommes schmecken wird. Gut möglich also, dass die Vorstandsriege des Niedersächsischen Fußball-Verbandes am Ende des Abends nicht das bekommt, was sie sich vorgestellt hat: Breite Zustimmung für die Lösung, die da Saisonverlängerung heißt.

Oder haben die Fußball-Großkopferten nach dem Motto gehandelt: Viele Köche verderben den Brei? Haben sie deshalb eine Lösung präsentiert, bevor ihnen ihr Gefolge eine Aufgabe nach seinem Gusto stellen konnte?

Allerdings ist hier letztlich nur die Vorgehensweise zu kritisieren. Denn die Entscheidung – und die ist sicher längst gefallen, ob mit oder ohne Abstimmung – ist bei genauer Betrachtung eine gute, eine faire, eine machbare. Und vor allem eine zeitbringende. In dieser Corona-Krise ein ganz wichtiger Faktor.

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