Neddenaverberger startet beim Triathlon-Klassiker in Roth / „Hypernervös“

Ironman – für Tietje die ultimative Herausforderung

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Bereit für den Ironman: Harm Tietje aus Neddenaverbergen geht in Roth die ultimative Herausforderung an.

Neddenaverbergen - Von Ulf von der Eltz. Die erste Begegnung mit einem Triathlon vor einem Jahr erschien Harm Tietje alles andere als prickelnd: „In Hamburg bin ich ins Ziel gekommen. Es war ganz nett, aber nicht anstrengend.“ Beim zweiten Versuch wurde er schon etwas mehr gefordert: „Die Mitteldistanz in Wilhelmshaven war knuffiger, aber auch die habe ich gut geschafft.“ Jetzt wagt sich der selbstständige Physiotherapeut aus Neddenaverbergen an einen ausgewachsenen Ironman – am Sonntag, 12. Juli, startet der 46-Jährige beim Klassiker in Roth.

Und siehe da: Aus Gelassenheit wird plötzlich Respekt. „Ich bin hypernervös vor diesem Event, kann es kaum erwarten,“ scharrt Tietje mit den Hufen. Nach 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen in Hamburg lag die Steigerung auf 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer Laufen in Wilhelmshaven schon weit über der Olympischen Distanz (1,5/40/10). Am nächstes Wochenende geht es nun in Franken, wo gleichzeitig die Deutschen Titel in den Altersklassen vergeben werden, endgültig ans Eingemachte. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und abschließend noch ein Marathonlauf über 42,195 Kilometer – das sind die Strecken beim Ironman.

Die Anspannung vor dem größten Langdistanz-Triathlon der Welt wirkt mit einem Blick auf die Gegebenheiten nur allzu verständlich: 5000 Teilnehmer werden von der Begeisterung der 250000 Zuschauer förmlich getragen – 5000 Helfer machen die Mega-Veranstaltung erst möglich. Bayern 3 überträgt live im Fernsehen, unzählige Fans verfolgen den Wettkampf im Internet-Video. „Das alles hat mich angepiekst. Die großartige Stimmung macht Roth aus“, verrät der glühende HSV-Fan.

Dabei ist der seit 15 Jahren beim Laufen beheimatete Tietje – 2012 absolvierte er seinen ersten Marathon und finishte bisher neun Mal – durch den befreundeten Lars Troschka überhaupt erst auf den Triathlon aufmerksam geworden: „Er hat mir von seinem Start in Roth erzählt und mich so für diesen Ausdauer-Wettkampf begeistert. Außerdem war ich gespannt, wie gut ich beim Schwimmen sein kann. Das ist immer noch mein schwächster Teil, ich muss die Zeit bei den anderen Disziplinen wettmachen.“

Der Ehrgeiz und die mentale Stärke, „mich gut quälen zu können und nie zu resignieren wie viele andere“, lässt den Neddener von einer Zeit unter zwölf Stunden träumen. Seine ungefähre Rechnung: 1:30 Stunden fürs Schwimmen, 6 Stunden fürs Radfahren und 4:30 Stunden fürs Laufen. Seine Marathon-Bestzeit liegt bei 3:30 Stunden.

Für den ultimativ härtesten Wettkampf hat sich Harm Tietje in den vergangenen fünf Monaten intensiv vorbereitet. Seither saß er 3000 Kilometer auf dem Sattel, lief 1500 Kilometer und quälte sich 30 Kilometer durchs Wasser. In der heißen Phase absolvierte der Krankengymnast auch ein 14-tägiges Trainingslager auf Mallorca.

Bei den Einheiten zu Hause reißt ihn seit langem der befreundete Marathoni Christian Müller mit. „Und die Kollegen in meiner Praxis in Kirchlinteln betreuen mich dann“, richtet Tietje ein Dankeschön an sein dortiges Team. Zusätzlich übernimmt Malte Mittermeier, Chiropraktiker aus Verden, das „Justieren“ – hier wird aus der gekrümmten Körperhaltung nach langem Radfahren wieder eine aufrechte. „All das hat mich bisher von Verletzungen verschont“, freut sich der Roth-Novize.

So kurz vorm Ironman, bei dem er in der AK 45 startet, befindet sich Tietje in der „Tapering Phase“, um den Körper herunterzufahren und zu regenerieren. Ganz auf der faulen Haut liegt er aber natürlich nicht, das Training umfasst je einmal pro Woche 4 Kilometer Laufen, 30 Kilometer Radfahren und 3 Kilometer Schwimmen.

Die Vielfältigkeit macht die Faszination des Triathlons für den Neddener aus: „Bei jeder der drei Disziplinen musst du an dein Limit gehen.“ Die intensive Vorbereitung auf die Wettbewerbe habe aber auch ihre

„In der Vorbereitung

isoliert man sich sozial“

Nebenwirkungen: „Man kann schon sagen, dass man sich sozial isoliert. Ich meide Großveranstaltungen wie Schützenfeste, weil man sich dort immer rechtfertigen muss, wenn man ablehnt.“ So hat Tietje seit November keinen Alkohol mehr getrunken. In dieser Hinsicht dürfte sich der in acht Tagen überstandene Ironman fast schon wie eine Erlösung anfühlen: „Danach kann ich mal wieder ein wenig mitfeiern.“

Ob sich der 46-Jährige all die Strapazen im nächsten Jahr erneut antut, steht noch in den Sternen. Zumal es schon ein Erfolg gewesen ist, überhaupt eine Startnummer für Roth ergattert zu haben: „3000 Plätze konnte man im August 2014 im Internet buchen. Die waren innerhalb von drei Minuten vergriffen.“ Die Möglichkeit, am Morgen nach dem Ironman anzustehen und sich ein Ticket für 2016 zu sichern, schließt Tietje nahezu aus. Auch wenn ihn Roth über alle Maßen elektrisieren wird – es gibt dann halt keine Steigerung mehr.

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