Kirchlintler 43. nach Start in Wien

Moritz – über die Dächer nach Nizza

Abgekämpft, aber glücklich: Stefan Moritz nach der Zielankunft in Nizza.
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Abgekämpft, aber glücklich: Stefan Moritz nach der Zielankunft in Nizza.

Kirchlinteln – Start in Wien, Ziel in Nizza. Dazwischen lagen für Stefan Moritz sieben Tage, 18 Stunden und 42 Minuten. Der Kirchlintler stieg beim Langstreckenrennen „Three Peak Bike Race“ als 43. unter 110 Startern aus dem Sattel. Doch der Platz blieb zweitrangig. Wichtig war für den Ausdauersportler, dass er die Herausforderung der vorgeschriebenen drei Alpengipfel gemeistert und wohlbehalten die französische Großstadt erreicht hat – über die Dächer nach Nizza.

„Die steten Schmerzen am Gesäß sind rasch vergessen, das Glücksgefühl ist riesig“, blickt der 48-Jährige voller Zufriedenheit auf das Event zurück. Denn letztlich wurde er genauso belohnt wie Sieger Ulrich Bartholmös, der deutsche Radprofi benötigte nur drei Tage und 23 Stunden: „Jeder bekam als Preis direkt im Ziel ein Renn-Cap und eine Dose kühles Bier.“

Das „Three Peak Bike Race“ ist kein klassisches Etappenrennen, sondern ein reines Selbstversorger-Rennen. Beim sogenannten „Brevet“ bleibt jegliche Hilfe untersagt, egal ob von den Organisatoren, Familie, Freunden oder Mitfahrern. Auch Windschattenfahren ist strengstens verboten. Es darf 24 Stunden, also Tag und Nacht gefahren, werden. Mittels eines Tracking-Systems werden die Fahrer überwacht.

Nur knapp 14 Stunden Schlaf in acht Tagen

Einzige Bedingung für die Streckenführung: Drei Gipfel („Peaks“) mussten überquert werden – die Edelweißspitze am Großglockner (2 571 Höhenmeter) in Österreich, der Schweizer Col du Sanetsch (2 252) sowie der Mount Ventoux (1 909) in Frankreich. Hinzu kam der Finisher-Parcours nach Nizza über 455 Kilometer mit 9 000 Höhenmetern. „Innerhalb dieser Vorgaben war die Route von Wien nach Nizza durch die Alpenregion für jeden Teilnehmer frei navigierbar“, berichtet der Altherren-Kicker des FC Verden 04.

Schlussendlich umfasste seine Route etwa 2 200 Kilometer mit rund 30 000 Höhenmetern. Neben den vorgenannten Gipfeln hat Moritz weitere neun Bergpässe über 1 000 Höhenmetern passiert, so den Furkapass, den höchsten Schweizer Bergpass (2 436 Höhenmeter): „Mein Rennen, wie auch das bei allen anderen, bestand eigentlich nur aus Radfahren (circa 18 bis 22 Stunden täglich mit Pausen), Essen und Trinken zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Ich hatte ganz wenig Schlaf im Biwak mit knapp 14 Stunden in acht Tagen.“

Zwischen Unwettern und großer Hitze

Neben einer neunmonatigen, intensiven physischen Vorbereitung waren insbesondere die Planung der Route und die Wahl der Ausrüstung von elementarer Bedeutung. „Letzteres ist mir leider eher suboptimal gelungen, sodass ich einige Umwege und Standzeiten in Kauf nehmen musste“, bedauert der ehemalige Fußball-Trainer des TSV Dörverden.

Das Rennen der Extreme war besonders geprägt von den Unwägbarkeiten des Wetters in den jeweiligen Alpenregionen. Zwischen Unwettern um den Gefrierpunkt und Hitze um die 40 Grad lagen oft nur wenige Stunden. Moritz: „Neben den Aufstiegen zu den Gipfeln waren die Highlights der Tour sicherlich die nächtlichen Fahrten durch menschen- und verkehrsleere Städte und Landschaften sowie die Umrundung der Gorges du Verdun in Frankreich, der größten Schlucht Europas.“ Der Kirchlintler musste täglich ungefähr 300 Kilometer und rund 4 000 Höhenmeter fahren. Zum Vergleich: Sieger Bartholmös schaffte täglich rund 550 Kilometer. Knapp ein Viertel aller Fahrerinnen und Fahrer hat das Rennen abgebrochen oder das Zeitlimit von neun Tagen überschritten.

„Nach ein paar Tagen Abstand wächst doch wieder die Lust“

Da aufgrund der Corona-Pandemie nur wenige Rennen in diesem Jahr stattfanden, war sowohl die deutsche als auch französische Rad-Langstrecken-Elite am Start. Angesichts der Strapazen konnte sich Moritz eine Neuauflage eigentlich nicht vorstellen: „Unmittelbar nach dem Rennen hätte ich eine Teilnahme 2021, dann von Wien nach Barcelona, ausgeschlossen. Aber mit ein paar Tagen Abstand wächst dann doch wieder die Lust.“  vde

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