Bei „Three Peaks Bike Race“ Opfer des Wetters

Moral gebrochen – Stefan Moritz steigt aus

Stefan Moritz, Rennradfahrer aus Kirchlinteln, vor dem Mangart Pass.
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Als noch eitel Sonnenschein herrschte: Stefan Moritz vor dem Mangart Pass.

Kirchlinteln – Dauerregen, Sturm und Kälte forderten ihren Tribut – sehr zum Leidwesen von Stefan Moritz. Der Radrennfahrer aus Kirchlinteln war mit vielen Hoffnungen ins „Three Peaks Bike Race“, einem Ultrarennen von Wien nach Barcelona, gestartet – und stieg nach knapp der Hälfte vom Rad.

„Einerseits sehr schmerzlich, da die Vorbereitung unglaublich viel Mühe und Zeit in Anspruch genommen hat und mein persönlicher Antrieb ein Aufgeben eigentlich nicht zulässt“, hadert der 48-Jährige. Andererseits plagen nun nicht die körperlichen Folgeschäden. Die hatten ihn nach der letztjährigen Auflage von Wien nach Nizza, als Moritz stolzer 41. geworden war, fast sechs Monate lang begleitet.

Wie schwierig die Bedingungen dieses Mal gewesen sind, zeigen allein folgende Ergebnisse: 54 weitere männliche und nur zwei weibliche Ausdauersportler haben das Rennen vorzeitig beendet oder nach Unfällen beenden müssen. Lediglich 53 haben das Ziel innerhalb des Limits von 270 Stunden erreicht, 23 kamen erst später an.

Nach Platz 41 im Vorjahr Routenplanung verbessert

Beim ohne personenbezogener Hilfe zu absolvierenden Non-Stop-Rennen, bei dem es außer einem Ankunftsbier nichts zu gewinnen gibt, waren als vorgegebene Gipfel und Parcours der Mangart Pass in Slowenien mit 2072 Höhenmetern, die Große Scheidegg (1962) und der Männlichen (2304) in der Zentral-Schweiz am Dreigestirn Jungfrauenjoch-Mönch-Eiger, der Mythos der Tour de France in den Pyrenäen, der Col de Tourmalet (2115) sowie der Montserrat vor den Toren Barcelonas zu fahren.

Stefan Moritz hatte nach den Erfahrungen aus 2020 diesmal besonders an der exakten Routenplanung und der Ausrüstung einiges korrigiert und verbessert. Auch der Trainingsumfang wurde nochmals gesteigert, 15 bis 20 Stunden Training in der Woche waren eher Regel als Ausnahme: „So ging ich gut gerüstet mit einer gewissen Erwartungshaltung ins Rennen, nicht nur irgendwie und irgendwann das Ziel zu erreichen, sondern auch eine konkrete persönliche Zeitvorgabe unterbieten zu wollen. Schlussendlich war dies aber wohl die entscheidende Ursache für mein Scheitern.“

Die geplante Route umfasste ursprünglich 2742 Kilometer und 30.686 Höhenmeter und hätte durch sieben Länder führen sollen (Österreich, Slowenien, Italien, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich, Spanien). Im Vertrauen auf sommerliches Wetter hatte Moritz die Ausrüstung extrem leicht und knapp gehalten.

Stefan Moritz mit persönlichem Rekord auf erstem Gipfel

Der Kirchlintler erwischte auch nahezu perfekte erste 24 Stunden. Nach vier überquerten Pässen in Österreich und Slowenien erreichte Moritz den Mangart Pass in Slowenien nach knapp 460 Kilometern und 6000 Höhenmetern in 24:12 Stunden (Netto-Fahrzeit rund 20 Stunden). „Für mich persönlicher Rekord und Platz 37 in der Zwischenwertung“, war die Freude groß. Der angekündigte Wetterumbruch hatte sich jedoch bereits bei der Abfahrt im strömenden Regen bemerkbar gemacht.

Auf dem Weg zum Gipfel Nummer zwei ins Berner Oberland entschied sich der ehemalige Fußball-Trainer für die Route quer durch die Alpen von Slowenien zurück nach Österreich über Italien und Liechtenstein in die Schweiz: „Die schien mir deutlich mehr Abwechslung zu bieten als die zweite Option.“ Abgesehen von einem Reifenplatzer auf der Abfahrt vom Brenner nach Innsbruck verlief die Weiterfahrt bis zum Erreichen der Passhöhe des Arlbergs bei St. Anton (1793 hm) ganz nach den Vorstellungen. Doch innerhalb weniger Minuten fiel die Temperatur drastisch, der angekündigte „Wintereinbruch“ in der Schweiz sollte das Rennen nahezu sämtlicher Teilnehmer dramatisch beeinflussen.

„Entlang überfluteter Straßen, Seen und Flüsse quälte ich mich pitschnass und durchgefroren zu den vorgegebenen Gipfeln der Großen Scheidegg und dem Männlichen“, hatte Stefan Moritz ja aus Gewichtsgründen auf entsprechende Kleidung verzichtet. Die Bergform stimmte in jedem Fall, nach 99:08 Stunden erreichte er als 34. durchweicht den Männlichen: „Damit war am Fuß des Berges in Grindelwald eigentlich der allerschwerste Teil des Rennens erledigt.“

Stefan Moritz verzichtet auf Teilnahme in 2022

Das anhaltende katastrophale Wetter und die düsteren Aussichten hatten jedoch bereits die Moral gebrochen: „Ab dem zweiten Tag ist man mangels Regeneration körperlich und mental am äußersten Limit und teils darüber. Dauerhafte Schmerzen an den Kontaktpunkten zum Rad hat definitiv jeder Teilnehmer, aber bei dem Wetter reagiert der Kopf bei allen anders. Ich hasse leider dauerhaften Regen und Kälte, erst recht unverhofft im Hochsommer.“ Trotz guter Voraussetzungen zum Weiterfahren, insbesondere die sehr guten Bergbeine, gab es viel mehr bessere Gründe, das Rennen abzubrechen – und das tat Moritz dann auch.

Kurioserweise war der Schlussteil in Südfrankreich und in Spanien von einer extremen Hitzewelle geprägt, der man aufgrund einer Corona-Ausgangssperre in Spanien auch nicht durch Fahrten in der Nacht entgehen konnte. „Letztlich ein unglaublich hartes Ultra-Rennen. Da musste der Veranstalter einiges an Bier unverbraucht wieder mitnehmen“, so der Kirchlintler.

Auch wenn das frühzeitige Aus zusätzliche Motivation für das Rennen im Jahr 2022 mit noch unbekanntem Ziel bietet, „so schließe ich aktuell eine Teilnahme aus, da der ganze Aufwand sich nicht jedes Jahr wiederholen lässt und ich meiner treuen Trainingspartnerin und Gattin Angelika dies auch nicht dauerhaft zumuten kann.“ Daher möchte es Stefan Moritz erst einmal mit kleineren Rennen, wie der Teilnahme am „Normandicat 2022“ in Frankreich, wo „nur“ 900 Kilometer in 72 Stunden zu bewältigen sind.  vde

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