Handballer bilanziert mit 50 Karriere

Mirko Drescher – in Japan heute noch verehrt

Handballer Mirko Drescher zu Hause mit Verden-Trikot.
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Die runde Zahl hängt noch – sein Lieblingstrikot hält er stolz in den Händen: Mirko Drescher blickt nach dem 50. Geburtstag auf eine ereignisreiche Karriere zurück.

Kurz nach seinem 50. Geburtstag blickt Mirko Drescher auf eine ereignisreiche Handball-Karriere zurück. Sie führte den Verdener zu anderen Drittligisten. Auch ein Japaner erinnert sich an den Mitspieler.

Verden – „Time to say goodbye“ von Andrea Bocelli schallte am 1. April 2017 aus den Lautsprechern der Aller-Weser-Halle. Mit gutem Grund: Das Ende der Handball-Laufbahn für Mirko Drescher war im Trikot der HSG Verden-Aller erreicht. Bei seinem Stammverein in der Reiterstadt (einst TSV Verden) setzte der Linkshänder den Schlusspunkt unter seine eindrucksvolle Karriere.

„Jetzt schau ich nur noch die Handballkonferenz im Bezahlfernsehen. Doch es kribbelt natürlich immer noch“, bekennt der am 12. November 50 gewordene Drescher im Gespräch mit dieser Zeitung. Mit Frau Maike sowie den Töchtern Jule und Lotta lebt er seit vielen Jahren in einem schmucken Eigenheim in Hohenaverbergen. Mittlerweile habe er so viel Abstand vom „schönsten Ballsport der Welt gewonnen, dass ein Trainerjob durchaus denkbar ist“, gibt der 181 Zentimer lange Linkshänder schon mal einen Wink mit dem Zaunpfahl.

Die Karriere nahm der durchtrainierte Ausnahme-Handballer bereits im Alter von vier Jahren auf. Sein unbestrittenes Können stellt er mittlerweile „nur“ noch beim Grün-Weißen Wochenende des TSV Daverden beim Team Hemelinger, Abonnementssieger des Oldieturniers, unter Beweis. Mit einer Sondergenehmigung vom Arzt war Drescher schon mit 16 im Kader des Drittligisten TSV Verden unterwegs.

Verden war für mich schon Herzblut.

Mirko Drescher

Insbesondere das Einlaufen vor 1 500 Zuschauern in der Aller-Weser-Halle ist ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben: „Verden war für mich schon Herzblut. Ab der Saison 1987/1988 zählte ich unter Trainer Michael Schüppel regelmäßig zur ersten Sieben.“ Dort spielte er unter anderem mit Keeper Stefan Kellner zusammen, der als frischgebackener Europapokalsieger der Pokalsieger 1991 aus Milbertshofen kam.

Oder auch mit dem Japaner Goji Ichihara, der in der Saison 1995/1996 für den TSV Verden mit Linkshänder Drescher in Liga Drei um Punkte kämpfte. „Ich war schon beeindruckt von Mirkos Talent. Er konnte super sprinten. Besonders sind mir seine langen Arme und seine Wurfkraft in Erinnerung geblieben“, staunt der Asiate heutzutage noch auf Nachfrage via Mail Bauklötze über Dreschers Vorzüge. Schließlich war Handball damals in Japan längst kein Renner. Bis 2006 spielte Ichihara noch in der dortigen Top League.

Diese Schwärmerei quittiert der Deutsche mit einem Schmunzeln: „Ich hatte schon einen adäquaten Wurf und habe immer das gemacht, womit keiner gerechnet hat.“ Mit dem Namen Ichihara verbindet Drescher unter anderem einen zwölftägigen Trip ins Reich der aufgehenden Sonne mit dem TSV Verden, den Goji und sein Vater organisiert hatten. Dort wurde fünf Mal zum Handball gegriffen, die Kultur großgeschrieben. „Und jeden Abend ist unsere Delegation einer Einladung gefolgt“, wie der Mann aus Hohenaverbergen mit leuchtenden Augen zu Protokoll gibt.

Direkt im Anschluss an sein Engagement an der Aller wechselte der Linkshänder, der lieber Rechtsaußen als halb rechts spielt, an die Weser zur SG Achim/Baden. Dort hielt es ihn allerdings nur drei Monate, weil Drittligist TSV Bremervörde SOS funkte. Stamm-Rechtsaußen Michael Bollhöfer (später als Co-Trainer Champions-League-Sieger mit dem HSV Hamburg) fiel verletzt aus.

Lockruf des neureichen HSV Emden

Aber in Bremervörde dauerte die Zusammenarbeit ebenfalls nicht lange – der seinerzeit neureiche Drittligist HSV Emden klopfte an und lockte unter anderem mit der Perspektive Zweite Liga. Drescher: „Echt eine Wahnsinns-Geschichte, weil aus dem Nichts ein Drittligateam an den Start gebracht wurde.“ Bei den Ostfriesen spielte dann auch der Verdener Björn Fechner – und als Trainer wurde der Morsumer Ingmar Steins installiert. „Am schlimmsten war das Spiel beim PSV Recklinghausen, das bereits um 11.15 Uhr begann. Zur besten Anwurfzeit ever. Und unsere Verdener Fahrgemeinschaft hat die Strecke in den Ruhrpott bereits um 5 Uhr morgens in Angriff genommen“, schüttelt der Linkshänder noch heute den Kopf über dieses Highlight, das auf diesem Niveau nicht eben üblich ist.

Obwohl danach Angebote von höherklassigen Teams vorlagen, entschied sich Mirko Drescher für eine Rückkehr in den Kreis Verden. Der TSV Ottersberg begann in einer unteren Klasse, zusammen mit Dirk Schoof, Andreas Mansch oder auch Shooter Thorben Könemann ging es aufwärts bis in die Verbandsliga. In diese Zeit fiel auch Dreschers Wahl zum Handballer des Jahres im Landkreis Verden – bei der traditionellen Aktion dieser Zeitung von der versammelten Trainerschaft bestimmt.

Nächste höherklassige Station war der TSV Daverden in der Landes- als auch Verbandsliga. Zum krönenden Laufbahnende stand noch die HSG Verden-Aller in der Regionsoberliga mit den alten Weggefährten Jens Wieters, Björn Fechner oder auch Ulfert Dudda in Dreschers Vita. Bis es dann am 1. April 2017 „Time to say goodbye“ hieß.

Von Björn Lakemann

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