Vorwurf der Tierquälerei / Veterinäramt wirft Hilmar Meyer „Irreführung“ vor

Linn Zakariasson im Visier der Staatsanwaltschaft

Von Frank von StadenVERDEN/MORSUM · Das Finalspringen beim Reitturnier des RV Aller-Weser am 13. Mai 2012 – es hatte für die Morsumer Springreiterin Linn Zakariasson ein übles Nachspiel, nachdem sie ihre Stute Graf Magna auf und auch noch abseits des Platzes traktiert haben soll (wir berichteten exklusiv). Ihr „Chef“ Hilmar Meyer sprach später von einer Maßregelung, nicht aber von Tierquälerei mit blutigen Folgen. Kurz darauf entschuldigte sich die schwedische Reiterin für diesen Vorfall offiziell auf der Homepage des RV Aller-Weser. Jetzt scheint aus diesem unangenehmen Vorfall aber ein regelrechter Kriminalfall zu werden, soll sich neben dem weiter ermittelnden Veterinäramt nun auch die Staatsanwaltschaft Verden eingeschaltet haben.

Das bestätigte gestern Veterinäramtsleiter Dr. Peter Rojem: „Wir haben diese Vorkommnisse der Staatsanwaltschaft gemeldet. Ob sie auch gegen Linn Zakariasson ermittelt, wird sich zeigen!“ Was im ersten Moment verwundert. Denn nach einer offiziellen Anzeige des Turnierzuschauers Daniel Ludorf beim Verdener Veterinäramt reagierte dieses umgehend, schickte Dr. Martina Gouverneur zum Morsumer Verkaufs- und Ausbildungsstall von Hilmar Meyer, um dem Vorwurf auf den Grund zu gehen. Am 15. Mai verkündete die Tierärztin dann offiziell in der Kreiszeitung: „Ich habe keine Verletzungen festgestellt. Weder gab es Löcher von Sporen noch Hautabschürfungen. Allerdings werde ich der Sache weiterhin nachgehen!“

Eine Woche später erhielt das Veterinäramt dann einen anonymen Tipp, dass die Stute, die die Doktorin untersuchte, gar nicht Graf Magna gewesen wäre, die gesuchte Stute sich aber nur 500 Meter weiter auf dem Hof von Karsten Asendorf in Beppen befinden würde. Erneut reagierte das Veterinäramt sofort – und ist der Überzeugung, nun das richtige Pferd gefunden zu haben. Davon ist zumindest Dr. Peter Rojem überzeugt: „Dort haben wir die echte Stute vorgefunden. Auch nach einer Woche waren noch Veränderungen und Abschürfungen festzustellen!“ Deshalb das Einschalten der Staatsanwaltschaft. Und deshalb nun auch ein Verfahren des Veterinäramtes gegen Hilmar Meyer, das eine Ordnungswidrigkeit aufgrund „fehlender Mitwirkung“ in diesem Fall vermutet.

Kämpferisch und auch zornig zeigte sich gestern der Beschuldigte Hilmar Meyer, der glaubt, „dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird und jetzt alles getan wird, um Linn in Misskredit zu bringen.“ Der Morsumer konterte dann auch gleich mit einer brisanten Anschuldigung: „Die Doktorin hat sich Graf Magna beim ersten Mal genau angesehen, hat sich dafür den offiziellen Pass geben lassen, den

„Es wird mit Kanonen

auf Spatzen geschossen“

Hannoveraner sowie Nummern-Brand als auch die unverkennbaren Merkmale verglichen. Alles hat überein gestimmt. Die zweite Untersuchung auf dem Asendorf-Hof wurde indes ohne Pass vorgenommen. Dafür habe ich Zeugen. Außerdem lag dieser zu diesem Zeitpunkt bei mir im Schreibtisch! Fakt ist, dass ich die Zuchtstute Graf Magna erst nach der ersten Untersuchung zur Besamung nach Beppen gebracht habe. Ich habe also niemals eine Täuschung versucht. Allerdings habe ich jetzt unseren Rechtsanwalt Kai Bemmann eingeschaltet, der bereits Akteneinsicht eingefordert hat. Wir wollen unter anderem wissen, wer uns da so verleumdet!“

Dem RV Aller-Weser, dem er Jahrzehnte angehörte, hat Hilmar Meyer übrigens seine Kündigung geschickt. Zudem auch die all seiner Bereiter sowie seiner Ehefrau Sabine Jäkel-Meyer, die bisher 2. Vorsitzende des Vereins war. Offizielle Begründung: Der Morsumer Stall hat die Rückendeckung des Clubs in diesem Fall vermisst. „Hauptsächlich ist es aber eine persönliche Sache zwischen mir sowie meinen Leuten und dem 1. Vorsitzenden Jörg Clasen“, so der erfolgreiche Springreiter, der auch schon einem neuen Verein beigetreten ist, nämlich dem RRV Schwarme. Eines aber versprach Meyer schon einmal mit scharfer Zunge: „In der Angelegenheit meiner Stute Graf Magna müssen alle ganz vorsichtig sein. Wenn man uns verleumden will, werden wir uns schon zu wehren wissen. Denn es ist alles gelogen!“

Der Pressesprecher der Verdener Staatsanwaltschaft, Lutz Gaebel, bestätigte gestern Nachmittag den Eingang eines Verfahrens gegen Linn Zakariasson, betonte aber auch: „Wer welche Ermittlungen führen wird und ob wir letztlich tatsächlich ermitteln werden, steht noch nicht fest. Fakt ist aber, dass wir am 12. Juni einen Eingang wegen des Verdachts einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz hatten.“

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