Formationstänzer Hildebrand und Kohmüller geben in Corona-Krise nicht auf

Die Leidenschaft ist ungebrochen

Dieser Skype-Screenshot beweist: Tanzen kann man überall – auch in den eigenen vier Wänden. Der Verdener Jakob Kohmüller und die Etelserin Joyce Hildebrand machen es vor. Foto: Kjara von Staden

Verden - Von Kjara Von Staden. Dezember 2019: Verdens Jakob Kohmüller und Etelsens Joyce Hildebrand jubeln zusammen mit ihrem Team des Grün-Gold-Clubs Bremen bei der WM der Latein-Formation in der ÖVB Arena über ihren Sieg. Sie können ihren Erfolg kaum fassen, sind aber keineswegs titelmüde, fiebern den nächsten Meisterschaften wie der DM und der EM entgegen.

April 2020: Sowohl die Bundesliga als auch die Deutsche und die Europameisterschaft sind abgesagt oder verschoben, Training gibt es nur noch in Form von Fitnessübungen per Zoom und Tanzen mit dem Tanzpartner ist ebenso komplett gestrichen. Ja, auch dem Tanzsport hat der liebe Covid-19 ordentlich die Stimmung verhagelt. Der Höhenflug des erfolgreichen Latein-A-Teams des GGC ist unweigerlich gestoppt worden. Für Hildebrand und Kohmüller ist die ganze Situation immer noch ein wenig surreal. Beide sitzen zu Hause, haben ihr Team schon seit Mitte März nicht mehr gesehen. „Das ist schon ein sehr komisches Gefühl, so etwas in der Form gab es ja noch nie“, sagt Hildebrand. „Wir haben unser Team ja zum Teil öfter gesehen als unsere Familie und dann hieß es kurz vor einem Turnier im nordrheinwestfälischen Velbert Mitte März: Das war’s. Zack. Vorbei.“ Die Gefahr der Ansteckung war gerade im Krisengebiet NRW zu groß, die Gesundheit wichtiger. Zwar herrsche noch reger Austausch der Lateintänzer über eine Whatsapp-Gruppe des GGC-Teams, der direkte Kontakt und vor allem auch das Tanztraining selbst fehlten aber unheimlich, da sind sich beide einig.

Wieder in voller Montur auf dem Parekett stehen ist das große Ziel von Joyce Hildebrand und Jakob Kohmüller.

Wochenlange Tanzpause und wenig motivierende Aussagen der Regierung – droht da schon der Sofablues? Von wegen! „Wir als Team haben uns sofort darüber verständigt, dass wir uns selbst so fit wie möglich halten, ich jogge zum Beispiel viel“, verrät Kohmüller. „Zusätzlich halten wir alle zusammen zwei- bis dreimal die Woche ein Fitnesstraining über Zoom ab. Das geht dann so eine bis anderthalb Stunden.“ Die Umstellung sei natürlich groß, sagen beide. „Vor allem, sich vor der Kamera im eigenen Zimmer warmzumachen und dann richtig loszulegen, war schon erst mal merkwürdig“, lacht Kohmüller. Auf der anderen Seite sei es aber auch eine wirklich gute Sache, weil man so das Team, das beide stark vermissen, nicht aus den Augen verliert und sich untereinander motivieren kann. Und: Ob man nun in der Halle trainiert oder zu Hause, der Effekt bleibt derselbe, finden die ambitionierten Tänzer. „Außerdem werden wir genauso von unserem Fitnesstrainer beobachtet und angeschrien wie sonst auch. Einen großen Unterschied gibt es also nicht“, grinst Hildebrand und muss lachen. Im Großen und Ganzen achten der 19- und die 22-Jährige sogar noch stärker auf ihre Fitness, weil sie unbedingt nach Corona so gut wie möglich an ihre Erfolge anknüpfen wollen. Von gebremster Motivation ist bei beiden also keine Spur. Die Leidenschaft für das Tanzen, das Team, ihre Choreographie, ist ungebrochen. „Wir werden sehen, wie wir in die Vorbereitung zur EM kommen, die erst einmal auf Oktober verschoben wurde“, sagt Kohmüller trotz allem mit Hoffnung in der Stimme. „Man muss aber sagen, dass uns das Training mit dem Tanzpartner schon sehr fehlt. Da kann man noch so Fitness powern, das ersetzt nicht das Trainieren der Schritte und das Miteinander.“

Dass beide aber nach wie vor bestrebt sind, Corona nicht zu sehr die Macht über ihre Ziele und Träume zu geben, spürt man deutlich. „Ich weiß nicht, wie es dir geht, Joyce, aber manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich im Wohnzimmer einfach völlig unbewusst eine Reihe von Samba-Walks oder Lock-Steps mache“, lächelt Kohmüller. Hildebrand geht es ganz genauso: „Ich habe mir schon so oft die Aufzeichnung unserer WM-Kür angesehen und war immer wieder kurz vor dem Heulen. Ich könnte mich direkt umziehen und auf die Fläche stürzen. Ich glaube, momentan könnte man uns noch mitten in der Nacht wecken und wir würden aufstehen und die Choreo fehlerfrei hinlegen. Das ist alles so in unseren Herzen und Köpfen, das vergisst man nicht.“

Alle im GGC-Team sitzen nun auf heißen Kohlen, hoffen auf die ersehnte Botschaft der Regierung: Es kann weitergehen! Ein bisschen Ungerechtigkeit verspüren sie vor allem in Hinblick darauf, dass die Fußball-Bundesliga wieder trainieren darf, sogar Geisterspiele ab Mai wieder angesetzt sind. „Auch für viele Tanztrainer sind Turniere und Tanztraining die Haupteinnahmequelle und die S-Klasse-Tänzer leben auch nur davon. Diese finanziellen Misslagen gibt es nicht nur im Fußball, deshalb verstehe ich diese Differenzierung nicht“, bemängelt Kohmüller die unverhältnismäßige Entscheidung.

Letztlich empfinden Hildebrand und Kohmüller die Absagen der Turniere allerdings als vernünftig. Immerhin gehe es hier um Menschenleben, betonen beide. Während es nun also an der Bundesregierung liegt, Entscheidungen zu treffen, die der Situation und der Fairness gerecht werden, geben Kohmüller und Hildebrand den Glauben daran, dass sie demnächst wieder auf der Tanzfläche stehen, nicht auf. Sie halten es wie Gloria Gaynor in einem ihrer berühmtesten Songs, der zur aktuellen Choreographie des GGC A-Teams gehört: „I Will Survive“.

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