68-Jähriger kehrt Achim/Baden nach 15 Jahren den Rücken / Katz: „Seele der Mannschaft“

Handball: Werner Kihsing – der etwas andere Typ Betreuer bei der SG Achim/Baden

Nach 15 gemeinsamen Jahren bei der SG Achim/Baden ist nun die Zeit des Abschieds gekommen: Seit dieser Saison muss Cord Katz, sportlicher Leiter des Oberligisten SG Achim/Baden, schweren Herzens auf die Dienste von Betreuer und Masseur Werner Kihsing (rechts) verzichten.
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Nach 15 gemeinsamen Jahren bei der SG Achim/Baden ist nun die Zeit des Abschieds gekommen: Seit dieser Saison muss Cord Katz, sportlicher Leiter des Oberligisten SG Achim/Baden, schweren Herzens auf die Dienste von Betreuer und Masseur Werner Kihsing (rechts) verzichten.

Eher zufällig ist Werner Kihsing bei der SG Achim/Baden gelandet. Doch erst einmal angekommen, war er sofort mittendrin und vom Virus Handball infiziert. Nach 15 Jahren beendet der 68-Jährige nun jedoch seine Tätigkeit bei der SG als Betreuer und Masseur und hinterlässt eine große Lücke.

  • Gesundheitliche Gründe ausschlaggebend für den Rücktritt
  • Katz: „Er war die Seele der Mannschaft“
  • Pokalspiele gegen Bad Schwartau und Magdeburg unvergessen

Achim/Baden – Der Zufall – er spielt im Leben mitunter eine große Rolle. Das gilt auch für Werner Kihsing. War der 68-Jährige im Grunde genommen seit der Jugend mit Leib und Seele Fußballer, wurde er 2006 von einem anderen Virus infiziert – dem Handball. „Da mein Sohn der ersten Herren der SG Achim/Baden etwas beim Training zugucken wollte, bin ich ihm zuliebe etwas länger in der Halle geblieben.

Das reißt schon eine richtig große Lücke. Zumal Werner auf den Auswärtsfahrten auch immer dafür gesorgt hat, dass die Busfahrer ihre vorgegebenen Ruhephasen einhalten

SG-Kapitän Florian Block-Osmers über den einen oder anderen zusätzlichen Boxenstopp

Als sich dann aber ein Spieler verletzte, bin ich kurzerhand über die Bande gesprungen und habe sofort geholfen“, erklärt der Inhaber einer Massagepraxis. Mit Folgen. „Als ich abends nach Hause kam, hatte ich nicht nur die verschwitzten Trikots der Spieler im Gepäck, sondern war auch sofort Betreuer“, erinnert sich Kihsing.

Der erste Spielbericht von Werner Kihsing endete für die SG mit einem bitteren 30:31 gegen Burgdorf.

Auch wenn sein Engagement etwas übers Knie gebrochen wurde und am nächsten Tag noch abgesegnet werden musste, hat der 68-Jährige seine Entscheidung bis heute nicht bereut. „Es wurde mir ja einfach gemacht, denn ich war sofort mittendrin. Natürlich habe ich da auch jede Menge Zeit investiert. Aber es kam ja auch etwas zurück, da über den Sport auch das Geschäft gelaufen ist. Die Spieler haben mich ebenfalls unterstützt“, denkt Kihsing da beispielsweise an Ariel Panzer und Aljoscha Schmidt, die seinerzeit in seiner neuen Praxis den Boden verlegt und gestrichen haben. „Das zeigt doch, dass ich einiges richtig gemacht habe. Denn ich bin immer mit allen klar gekommen und war oftmals auch das Bindeglied zwischen Trainer und Spieler.“

An guter Laune hat es nie gemangelt: Auch Mario Allendörfer (l.) genoss die Feiern mit Werner Kihsing.

Eine Aussage, die Cord Katz nur bestätigen konnte. „Werner hatte immer gute Laune und ist selbst bei Niederlagen vorangegangen. Auch für die Spieler hatte er immer ein offenes Ohr, sodass man sich bei ihm auch mal auskotzen konnte. Er hat den Posten des Masseurs definitiv mit Leben gefüllt und war irgendwo die Seele der Mannschaft. Daher wird es sehr schwer werden, so eine Type wiederzufinden“, lässt Katz den 68-Jährigen nach 15 gemeinsamen Jahren auch nur schweren Herzens ziehen. Gleichwohl hat der sportliche Leiter der SG natürlich Verständnis für Kihsings Entscheidung. „Aus gesundheitlichen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, dass ich aufhöre. Denn es kostet viel Kraft. Und wenn ich früher bei einer Verletzung sofort auf dem Parkett war, könnte es heute gut sein, dass der Spieler schon gestorben ist, bis ich ihn endlich erreicht habe“, macht der 68-Jährige deutlich. „Das reißt schon eine richtig große Lücke. Zumal Werner auf den Auswärtsfahrten auch immer dafür gesorgt hat, dass die Busfahrer ihre vorgegebenen Ruhephasen einhalten“, gibt Florian Block-Osmers mit einem Augenzwinkern zu verstehen und verweist auf den einen oder anderen zusätzlichen Boxenstopp. „Daher wird es auch schwer, ihn zu ersetzen. Aber wir hoffen natürlich, dass er auch weiterhin in die Halle kommt und nach den Spielen das eine oder andere Lied am Tresen anstimmt“, so Achim/Badens Kapitän.

Immer vorneweg: Nach der Meisterschaft läutete Werner Kihsing als Einheizer am Megafon die folgende Partynacht der SG Achim/Baden ein. Archivfoto: Hägermann

Für Kihsing war sein Posten bei der SG schon ein extrem wichtiger Teil in seinem Leben. „Ich war dreimal in der Woche in der Halle und habe auch nur zwei Pflichtspiele verpasst, da mein Sohn Fabian Geburtstag hatte. Da aber beide verloren gingen, hatte sich das danach auch erledigt“, erinnert sich der Mann mit den magischen Händen. Apropos Hände: Die sorgten auch bei den SG-Spielern mitunter für Schrecken. „Wenn der eine oder andere Gegner in die Halle kam, habe ich bei einigen unserer Jungs ab und an schon mal ein bisschen Angst in den Augen gesehen. Aber das hatte sich dann auch relativ schnell erledigt, nachdem ich sie gefragt habe, ob der Gegner schlimmer als eine gefühlvolle Massage bei mir sein kann“, schmunzelt der Masseur.

In diesem einteiligen Badeanzug sorgte Werner Kihsing 2011 gegen Varel II für eine Showeinlage.

Denkt Kihsing an seine Zeit bei der SG, muss er hinsichtlich der Höhepunkte nicht lange überlegen. „Der Pokaltriumph beim Zweitligisten in Bad Schwartau sowie das Duell gegen Bundesligist SC Magdeburg zählen definitiv dazu. Denn in der Pause wurde es damals richtig laut“, erinnert sich der 68-Jährige an eine Kabinenpredigt von Stefan Kretzschmar, die sich gewaschen hatte. Auch die Duelle in Emsdetten, die immer von einer grandiosen Stimmung begleitet waren, möchte er nicht missen. Unvergessen auch sein Auftritt im letzten Saisonspiel 2011 gegen die HSG Varel II, als Kihsing zwei Minuten vor dem Abpfiff urplötzlich im einteiligen Badeanzug als Wischer aufs Parkett lief. „Das hatte ich im Vorfeld aber sowohl mit Varels Trainer als auch mit den Schiedsrichtern abgeklärt“, läutete die SG-Stimmungskanone mit seiner Einlage die anschließende Meisterfeier der SG ein. Doch bei allem Spaß und den vielen Feierlichkeiten hat Werner Kihsing auch nie das Wesentliche aus den Augen verloren und den Verein stets im Blick gehabt. „In meiner Praxis habe ich schon den einen oder anderen späteren Sponsor behandelt und im Anschluss die Kontakte hergestellt. Aktuell ist das natürlich nicht so einfach. Dennoch hoffe ich, dass uns die Sponsoren treu bleiben.“

Und wenn ich früher bei einer Verletzung sofort auf dem Parkett war, könnte es heute gut sein, dass der Spieler schon gestorben ist, bis ich ihn endlich erreicht habe

Werner Kihsing

Doch auch wenn Werner Kihsing künftig mehr Freizeit hat – Langeweile kommt bei ihm nicht auf: „Dafür arbeite ich noch zu gerne!“

Von Kai Caspers

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