Luttumerin bei Desert Dash als Vierte auf dem Podium – dank Lokomotive Lars

Katja Troschka: „Es war der Hammer!“

Immer hinterher: Katja Troschka wurde bei Desert Dash vom Ehemann, Lokomotive Lars, gezogen.
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Immer hinterher: Katja Troschka wurde bei Desert Dash vom Ehemann, Lokomotive Lars, gezogen.

Luttum – Katja Troschka sank Ehemann Lars in die Arme. Es waren Tränen des Glücks und der Erlösung – bei beiden. Mit dem vierten Platz in der Frauen-Gesamtwertung hat sich die Luttumerin bei Desert Dash ihren großen Traum vom Podium erfüllt. Nach 393 Kilometern durch die Wüste Namibias fiel die ganze Anspannung ab: „Es war der Hammer! Die Torturen haben gezeigt, warum Desert Dash als härtestes Ein-Tages-Mountainbikerennen der Welt gilt.

Aber alle Qualen haben sich gelohnt, ich bin einfach unfassbar stolz.“

Bei ihrer Premiere vor zwei Jahren war Katja Troschka noch Sechste geworden – seit diesem Zeitpunkt hatte sie den sehnlichen Wunsch vom Siegertreppchen mit sich herumgetragen. Dass sich der Traum in 21:38 Stunden erfüllte, nur drei einheimische Frauen waren schneller, hat die 41-Jährige in erster Linie dem Gatten zu verdanken: „Lars hat seine Platzierung hinten angestellt und mich als Lokomotive und großer Motivator durchs Rennen begleitet – einfach toll.“

Die Organisatoren in Afrika hatten Desert Dash diesmal um 20 Kilometer verlängert, damit ein Rennen in Australien ihnen nicht den Rang des härtesten Mountainbikerennens der Welt abgelaufen hätte. Von der Hauptstadt Windhuk führte die Route über das Khomas Hochland durch die Namib-Wüste bis in die Küstenstadt Swakopmund am Atlantik. Es standen 3.458 Höhenmeter auf Schotterpisten an.

Trotz Lampen kaum Sicht in der Nacht

Nachdem erst sieben Tage vor dem Startschuss klar gewesen war, dass die Troschkas trotz der Pandemie tatsächlich anreisen und als Solisten teilnehmen konnten, gab Lars von Beginn an den Anfahrer. Seine Aufgabe war es, Katja auf schwierigen und langen Passagen Windschatten zu bieten. Auch der moralische Zuspruch während der „gefühlten Unendlichkeit des Rennens war für mich wichtig und bitter nötig, wie sich herausstellen sollte“, lobte die Fitness- und Personaltrainerin den Edelmut des Ehegatten.

Nach rund zehn Kilometern auf motivierender Teerstraße folgte hinter einer Senke mit der Bezwingung des Kupferberg-Passes, die erste große Herausforderung. Auf 2.000 Metern Höhe angekommen, erwartete ein sonnenklarer Himmel mit Temperaturen um 40 Grad die Luttumer. Diesen Anblick konnten sie jedoch nur kurz genießen, es begann eine 180 Kilometer lange Tortur durch das Khomas Hochland. Über Schotterpisten und weitere knackige Berganstiege waren insgesamt 3.000 Höhenmeter zu bewältigen.

Wir sind uns nicht sicher, ob wir nochmals teilnehmen wollen. Aber das hatten wir 2019 auch schon gedacht.

Katja Troschka

„Ich spürte, wie meine mentale Verfassung litt. Jetzt zeigte sich, wie wichtig mir in dieser langen Phase der Zuspruch von Lars war, während er gleichzeitig seine Führungsarbeit leistete“, so Katja Troschka. Als die sengende Sonne endlich unterging und die Temperaturen angenehmer wurden, brachte die Nacht jedoch andere Unannehmlichkeiten. Die Begleitfahrzeuge der Teams überholten die Biker immer wieder und nebelten sie mit atemlähmenden Staub ein. Mit knappen 70 Sachen preschten die Troschkas die kurzen und steilen Abfahrten hinunter. Selbst mit starken Lampen war in den dichten Staubwolken eine Voraussicht unmöglich. Die Luttumerin: „Die Staubpartikel reflektierten so stark, dass wir nur zehn Meter weit gucken konnten. Es war für mich eine reine Qual!“

Der Lohn aller Qualen: Katja Troschka mit der Medaille für Platz vier der Frauen-Gesamtwertung.

Kurz nach Mitternacht beschränkte sich der Stopp beim Support Team am ersten Checkpoint auf den Tausch der Akkus für die Lampen, einen schnellen Imbiss und das Befüllen der Trinkrucksäcke. Es wartete nun die Zentralnamib ohne nennenswerte Steigungen, jedoch mit teilweise tiefsandigen Abschnitten, die immer wieder bremsten. Den nächsten Checkpoint nach 70 Kilometern erreichten Katja und Lars Troschka erst zum Sonnenaufgang.

„Ich fühlte mich ganz und gar nicht mehr auf der Siegerstraße. Meine Hoffnung auf einen guten Platz schwand“, so die 41-Jährige: „Aber beim Tempomachen ertappte ich mich, wie die Weite der Wüste meine Seele berührte und ich mental wieder erstarkte.“ Während der 84 Kilometer fuhr das Duo einige Plätze vor. Beim letzten Stopp fehlte plötzlich die Support Crew. So wurde die letzte Phase ohne frisches Wasser, ohne Verpflegung und ohne die wichtige Ansprache absolviert.

Durch den tiefsandigen Trockenfluss Swakop, die Sonne im Zenit und am Ende ihrer Kräfte, gaben die Extremsportler aus dem Kreis Verden ihr Letztes. „Wie in Trance legten wir diese finale Etappe zurück. Das Küstenstädtchen Swakopmund empfing uns mit fünf Kilometern fester Straße. Jetzt wussten wir, dass wir es geschafft haben. Die Zieleinfahrt in Sichtweite des Atlantiks löste in uns ein Feuerwerk der Gefühle aus“, so Katja Troschka.

Die Gefühle spielen weiter Achterbahn: „Wir sind uns nicht sicher, ob wir nochmals teilnehmen wollen. Aber das hatten wir 2019 auch schon gedacht.“ Ein großer Dank gilt Ina und Olli Carstens von Buschmann Safaris in Windhuk für die Organisation.

Marko Preuß – 21. Platz in der Männer-Gesamtwertung macht den Desert-Dash-Debütanten aus Dauelsen glücklich

Für Marko Preuß war die erstmalige Teilnahme am Mountainbikerennen Desert Dash ein Erfolg. Nach 19:22 Stunden erreichte der Dauelser als 21. der Männer-Gesamtwertung und als drittbester Deutscher das Ziel. Die erste Streckenhälfte auf Schotterpisten über 3.458 Höhenmeter waren schon eine Herausforderung für Preuß: „Gefühlt ging es mehr bergauf als bergab, mit knackigen Anstiegen, die es in sich hatten und das gesamte Leistungsvermögen aller Fahrer abverlangten, gefolgt von ebenso häufigen Abfahrten, auf denen keine Zeit zur Erholung blieb.“

Mit Einbruch der Dunkelheit und dem Checkpoint zwei bei Kilometer 175 im Visier nahmen die Temperaturen bis zu einer Tiefsttemperatur von 12 Grad in der Namib Wüste ab. Am Chekpoint wurde dem Debütanten dann spätestens klar, „dass diesen Rennen den Namen härtestes Mountainbikerennen der Welt mehr als verdient hat.“ Weiter durch die Dunkelheit in der Namibwüste angekommen, wurde es nicht besser, hier warteten zahllose Tiefsandpassagen sowie eine berüchtigte Pipeline und eine Mondlandschaft als nächste Schmankerl auf die Fahrer.

„Bei Sonnenaufgang und 320 Kilometer in den Beinen frischte auch der Wind wieder auf und die letzten 75 Kilometer wurden ein Kampf gegen Ermüdung und die Uhr. Völlig erschöpft in Swakopmund am Platz am Meer die Zielanfahrt ansteuernd, war es ein Gefühl von Glück, diese Strapazen hinter sich zu lassen und Platz 21 der Einzelstarter zu erreichen. Unglaublich!“

Hinter zwei 15 Jahre jüngeren Elitefahrern als drittbester Deutscher (Hobby-)Fahrer ins Ziel gekommen zu sein, machte auch den 47-jährigen Marko Preuß stolz. Von den 211 angetretenen Solostartern und Solostarterinnen über die gesamte Strecke, erreichten 108 von 187 gestarteten Männern und 10 von 24 gestarteten Frauen überhaupt das Ziel in Swakopmund, was für sich schon die Härte dieses Rennens widerspiegelt.

Nachdem der Dauelser im Anschluss ans Rennen eine weitere Teilnahme zunächst aufgrund völliger Erschöpfung noch ausgeschlossen hatte, sah es am nächsten Tag durchaus anders aus: „Ich kann mir einen Start bei diesem oder einem ähnlichen Wettbewerb vorstellen.“ Neben der Familie Carstens dankte Marko Preuß auch Katja und Lars Troschka, „die mich letztlich durch ihre Erfahrungsberichte erst zur Teilnahme motiviert haben.“ vde

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