Osnabrück Sprungbrett für Verdener / Aktuell Co bei Werders U16

Jan Sievers – bei den „Lilien“ aufgeblüht

Der Verdener Jan Sievers als Co-Trainer der U16 von Werder Bremen
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Aktuell bei Werder Bremen: Jan Sievers bereitet die Arbeit als Co-Trainer der U16 viel Freude.

Er zog 1992 von Verden aus in den großen Profifußball: Jan Sievers feierte Erfolge bei den Zweitligisten VfL Osnabrück und SV Meppen. Nach der Karriere ging es als Coach in den Jugendbereich, aktuell ist Sievers Co-Trainer bei Werders U16.

  • Jan Sievers wurde einst bei Verdener Spiel in Lingen für die „Lilien“ entdeckt
  • Die drei Jahre beim SV Meppen bezeichnet Jan Sievers als seine schönste Zeit
  • Im Lockdown macht sich Werders U16-Co-Trainer große Sorgen um die Talente

Verden – Es war ein Verbandsliga-Spiel mit dem TSV Verden in der Saison 1991/92 beim TuS Lingen – es sollte Jan Sievers den Weg in die 2. Liga ebnen und damit sein Fußballer-Leben gründlich ändern. Der 53-Jährige erinnert sich: „Hubert Hüring, damals sportlicher Leiter beim VfL Osnabrück, wohnte in Meppen und hat sich im benachbarten Lingen unser Match angeschaut.

Danach hat er meine Eltern angesprochen, ob ich nicht mal Lust auf zwei oder drei Probetrainings in Osnabrück hätte.“

Es sollten ab der darauffolgenden Spielzeit 125 Einsätze im Bundesliga-Unterhaus sowie sechs im DFB-Pokal in die Vita des Allerstädters einziehen – und ihn später als Coach bis in die Nachwuchsabteilung des großen SV Werder Bremen führen. Dort geht der Schlaks bis heute seiner sportlichen Leidenschaft nach, aktuell als Co-Trainer der U16.

Jubel über ein Tor während der schönsten Spieler-Zeit: Jan Sievers als Profi beim Zweitligisten SV Meppen.

Zurück zu Hubert Hüring und den „Lilien“: Nach zwei Einheiten lotste er Sievers als Vertragsamateur zum VfL Osnabrück. „Diese Chance wollte ich nicht verstreichen lassen und es einfach ausprobieren. Denn ich war sehr ehrgeizig“, denkt der Key-Account-Manager einer Verdener Firma gerne an die ersten Schritte im bezahlten Fußball. 20 Einsätze in der Serie 92/93 wandelten den Amateur-Kontrakt in einen Lizenzspielervertrag um – Jan Sievers durfte sich mit 25 Fußball-Profi nennen.

Gänsehaut-Momente prägen Meppener Zeit

Im Premieren-Jahr pflasterten schon riesige Erfolge den Weg an der Seite von Kickern wie Pele Wollitz, im DFB-Pokal wurden Borussia Mönchengladbach sowie der 1. FC Kaiserslautern aus dem Wettbewerb gekegelt. „Diese Dinge vergisst du nie, gerade weil sie am Anfang der Karriere standen“, frohlockt Sievers. Und es kam noch emotionaler, als nach nur einer Saison der Wechsel zum SV Meppen vollzogen war. Platz fünf in der 2. Liga nicht weit weg vom Bundesliga-Aufstieg 1994/95, Spiele in ausverkauften Stadien wie vor 40 000 Zuschauern auf dem Lauterer „Betze“ – diese Gänsehaut-Momente auf der Lieblingsposition im Angriff ließen die drei Jahre beim SVM „zu meiner schönsten und beeindruckendsten Zeit werden.“

Über den VfB Oldenburg kommend klang die Spieler-Laufbahn des Jan Sievers 2001 beim Oberligisten Rotenburger SV aus. Als Trainer folgte zehn Jahre später der Einstieg in der Jugendabteilung des FC Verden 04, ein dritter Platz bei der U15-Niedersachsenmeisterschaft war im Juni 2015 der krönende Abschluss. Und weil in Cem Teifel und Finn Friedrichs zwei seiner Talente in den Fokus von Werder Bremen geraten waren, wurden die Kontakte zu den Grün-Weißen so intensiv, dass Sievers der Sprung ins Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Bundesligisten gelang.

Schiere fand es toll, dass ich vielerlei Erfahrungen mitbringen konnte.

Jan Sievers über das Interesse von Werders NLZ-Leiters Björn Schierenbeck an einer Zusammenarbeit

Bei dessen Leiter Björn Schierenbeck hatte der Domstädter richtig Eindruck hinterlassen: „Schiere fand es toll, dass ich vielerlei Erfahrungen mitbringen konnte.“ Nicht nur Erfahrungen als Zweitliga-Profi und Coach im Jugendbereich dienten als Faustpfand – vor allem die gesammelte Lebenserfahrung in der freien Wirtschaft machten das Bild vom idealen Nachwuchstrainer für Schierenbeck komplett.

Die Entscheidung zum Wechsel in den Dunstkreis des Weserstadions war bei Jan Sievers schnell gefallen: „Eine riesige Herausforderung für mich. Ich wollte mit engagierten Spielern zusammenarbeiten. Auch für meine persönliche Weiterentwicklung sah ich darin eine große Chance.“ Dass er bis heute „nur“ Co-Trainer geblieben ist, hat einen triftigen Grund: „Die Cheftrainer der U-Teams bei Werder arbeiten hauptamtlich, ich wollte es immer beim Hobby belassen und meinem Beruf nachgehen. Von der Firma bekomme ich die nötige Unterstützung.“

Sechs Jahre bei Werder: Dienstältester Trainer im A-, B- und C-Junioren-Bereich

Wobei das Engagement beim SVW durchaus noch einige Zeit andauern könnte. „Es gibt schon andere Funktionen, die man im Kopf hat. Der Verein sendet durchaus Signale, dass er länger mit mir plant. Ich weiß also noch nicht, wann die sportliche Beziehung beendet sein wird.“ Ungewöhnlich ist die Dauer jetzt schon, Sievers befindet sich im sechsten Werder-Jahr, womit er im A-, B- und C-Junioren-Bereich aktuell der dienstälteste Coach bei den Grün-Weißen ist.

Der Verdener nennt den Hauptgrund: „Viele junge Trainer studieren in Bremen, verändern sich danach. Und meist geht es ihnen nicht schnell genug auf der Karriereleiter.“ Ein Florian Kohfeldt darf da gerne als rühmliche Ausnahme gelten.

Lange her: Jan Sievers für den TSV Verden.

Eine rühmliche Ausnahme in Sachen Arbeit auf dem Trainingsplatz gibt es für Werders U16, die wie alle NLZ-Teams in der U17-Regionalliga spielt, indes nicht. Sehr zum Leidwesen von Sievers, dem zweiten Co-Trainer Danilo Kupke und Chefcoach Cédric Makiadi ruht der Spielbetrieb ohne Aussicht auf Fortführung der Saison. „Bis Juni wird bei den Corona-Verordnungen kaum etwas möglich sein. Da sollte man die Saison abbrechen und annullieren, so wäre es am fairsten“, steht für den Verdener die Eindämmung der Pandemie an erster Stelle.

Gerade mal drei Partien hat Werders U16 in der geplanten Einfach-Runde absolviert, bis zum November durfte ein Trainer mit einem Spieler 45 Minuten in einer Platzhälfte üben. „Nicht die Welt, aber immerhin etwas“, stöhnt Jan Sievers. Dass seitdem überhaupt nichts mehr auf dem Gelände des NLZ erlaubt ist, mache es nicht nur für die Trainer schwierig, „viel schlimmer ist, dass es für die Spieler so langsam zu einem verlorenen Jahr wird. Sowohl spielerisch, als auch taktisch und in Sachen Zweikämpfe.“ Athletisch können sich die Talente zu Hause beschäftigen, aber was für einen Kicker das A und O bedeutet, bleibt auf der Strecke. Sievers: „Wenn du nicht als Team mit dem Ball arbeiten kannst, geht dir in diesem Alter fast alles ab.“

Es fehlt der Spaß, im Trainerteam die Talente hautnah zu begleiten und zu entwickeln

Was jedoch einen unheimlich wichtigen Platz einnimmt, können die Übungsleiter in der Pandemie überhaupt nicht leisten – die Pflege der persönlichen Kontakte zu den Nachwuchskickern. „Es gehört einfach dazu, sie auf ihrem Lebensweg vernünftig zu begleiten. Da geht es um schulische Leistungen, da müssen Rückschläge verarbeitet werden, da musst du sie bestens darauf vorbereiten, vielleicht mal vor 40 000 Zuschauern zu spielen und dem gewissen Druck standzuhalten. Das alles ist virtuell natürlich nicht einfach zu vermitteln“, nennt der U16-Co-Trainer die Krux.

Und auch den Spaß, die Spieler gemeinsam mit den Kollegen zu entwickeln, vermisst Sievers unglaublich: „Das macht doch eigentlich den Reiz dieser Arbeit aus, dafür bin ich doch zu Werder gegangen.“ Da müssen alle viel, viel Geduld aufbringen, bis diese Zeiten wiederkommen. Und angesichts der Tatsache, dass ohnehin die wenigsten den Sprung in die Bundesliga schaffen, könne es noch lange dauern, bis einer wie Nick Woltemade dort andockt. Den Neu-Profi hat Sievers in der U15 und in der U17 jeweils zwei Jahre lang mitangeleitet: „So einen dann ganz oben zu sehen, macht die eigene Arbeit umso wertvoller und bereitet unheimlich viel Freude.“

Das ist zurzeit ganz weit weg. Ich möchte die Sache in Bremen ungern aufgeben.

Jan Sievers über ein mögliches Trainer-Engagement im Kreis Verden

Apropos Woltemade: Mit dem Shooting-Star verbindet Sievers eine Gemeinsamkeit – beide kamen vom Handball zum Fußball. Auch da feierte der Verdener einige Erfolge, so heimste er in der A-Jugend des TV Baden zusammen mit Größen wie Matthias Brandt, Jürgen Mildner oder Matthias Reiprich einst den Norddeutschen Meistertitel ein. Nachdem ihn Kumpels mit zum Fußball genommen hatten, spielte Sievers lange Zeit beides parallel – morgens stand er auf dem Parkett, um dann nachmittags auf den grünen Rasen zu wechseln. „Irgendwann wurde es dann zu stressig und ich bin beim Fußball hängen geblieben.“

Viel Lob für Verdener Landesliga-Coach Frank Neubarth

Zum eigenen Glück, denn sonst hätte es den Verbandsliga-Spieler, den Zweitliga-Profi sowie den Jugendcoach Jan Sievers in dieser Form gar nicht gegeben. Den Trainer Jan Sievers, dessen Sohn Ole gerade von der FC-Reserve zum SVV Hülsen wechselte, wird es im Kreis Verden zumindest demnächst tatsächlich nicht geben: „Das ist zurzeit ganz weit weg. Ich möchte die Sache in Bremen ungern aufgeben.“ Später kann es sich der 53-Jährige aber durchaus vorstellen, „wenn ich dann noch fit genug bin.“

Bis dahin beobachtet er seine Allerstädter: „Ich bin Ur-Verdener. Die Zeit dort hat mich geprägt. Umso erfreuter bin ich, dass Frank Neubarth den Talenten wie Jonas Austermann oder Jan-Ole Müller viele Einsätze gibt, ihnen vertraut und Perspektiven aufzeigt. Das ist äußerst wichtig, wenn man schon gute Nachwuchsspieler im Verein hat.“

Von Ulf Von Der Eltz

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