Verdens Sechser äußerst bescheiden / Keine zu großen Ziele und Wünsche für 2020

Jan-Ole Müller: „Wer hoch fliegt...“

Technisch beschlagen: Jan-Ole Müller, Sechser-Talent des FC Verden 04. Archiv-Foto: Wächter

Verden - Von Ulf Von Der Eltz. Die besinnliche Zeit um Weihnachten und Neujahr ist nicht nur die Zeit für ein Resümee der vergangenen zwölf Monate – meist ist es auch die Zeit für Wünsche und Ziele, die man im anstehenden Jahr hat. Oft sind es große Ziele, manchmal sogar Ziele, die dem Betrachter von Außen viel zu unrealistisch erscheinen.

Das alles ist die Sache des Jan-Ole Müller nicht: Der Ahausener, gerade erst den Junioren entwachsen und dennoch schon so etwas wie der Shooting-Star beim Fußball-Landesligisten FC Verden 04, gibt sich eher bescheiden: „Über hohe Ziele habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich kann auch nicht sagen, dass ich irgendwann einmal in der Oberliga oder höher spielen will.“

Da ist einer mit dem zufrieden, wie es sich derzeit darstellt. Auf dem Boden geblieben – wie es ohnehin die Art des 19-Jährigen zu sein scheint. „Wer hoch fliegt, der fällt tief.“ Mit diesem geflügelten Wort – beim „Doppelpass“ ein absoluter Fall fürs Phrasenschwein – demonstriert das Talent seine Bescheidenheit, macht sie zum Lebensmotto und hofft, dass man auch mit dieser Zier weiter kommen kann.

Dass Müller so viele Anteile bei Coach Frank Neubarth bekommen hat, zollt der Sechser in erster Linie der Tatsache, dass der FC im vergangenen Halbjahr reichlich mit Verletzungssorgen zu kämpfen gehabt hatte: „Vor allem in der Abwehr drückte so oft der Schuh, dass Mirco Temp in die Innenverteidigung rücken musste und der Trainer mich dann ins kalte Wasser geworfen hat.“

Zwar spürt der junge Mann, der in Sottrum das Abitur gebaut hat, seinen gesteigerten Wert für die Mannschaft – als richtiger Stammspieler sieht sich Müller indes nicht: „Sicher hatte ich mehr Anteile als vor Saisonbeginn erwartet. Aber als Leistungsträger möchte ich mich nicht bezeichnen. Vielmehr gilt es, weiterhin so viel zu spielen wie möglich und das bisher Gezeigte zu bestätigen. Ich muss doch erst noch ein anständiger Herrenspieler werden.“

Und dass er bei den Allerstädtern, zu denen er im Jahre 2012 von der JSG Kawu auch wegen des damaligen D-Junioren-Trainers Jan Sievers gestoßen war und nicht etwas zum JFV A/O/Hesslingen, in den Erwachsenenbereich einstieg, war im Sommer keine Selbstverständlichkeit. Müller: „Es gab schon einige Anfragen, beim Rotenburger SV habe ich sogar mittrainiert.“ Aber die Aussicht, am Hubertushain den Sprung aus der Jugend besser zu bewältigen als in der Fremde, veranlasste den Werder-Fan zum Bleiben: „Ich kannte die Mannschaft schon. Außerdem bin ich gleich mit mehreren A-Junioren hochgerückt. Und wenn man weiter mit seinen Freunden kicken kann, erleichtert das den Einstieg natürlich.“

Was sich bestätigte. Die Saison in der A-Junioren-Niedersachsenliga hatte den Ahausener noch ein Stückchen weiter vorangebracht, davon profitierte er von Beginn an im Landesliga-Kader. Zwar könne sich Müller auch die Position des Zehners vorstellen, auf der Sechs findet er sich indes am besten aufgehoben. Ein direktes Vorbild hat der Ahausener nicht, zeigt sich aber von der Einstellung und von der Mentalität her vom 2014er-Weltmeister Bastian Schweinsteiger angetan. Im gleichen Moment zuckt Müller. Denn „Schweini“ ist natürlich eine unerreichbare Kategorie, der Bescheidene schießt hinterher, dass er sich von den erfahrenen Verdener Kollegen im defensiven Mittelfeld, Jonathan Schmude und Mirco Temp, viel abschauen könne. Über eigene Stärken und Schwächen möchte der 19-Jährige nicht so gerne sprechen: „Das klingt dann so eingebildet, also überlasse ich es lieber anderen.“

Über die Aussichten der Reiterstädter für den Rest der Landesliga-Saison macht sich Müller natürlich trotzdem Gedanken: „Wir haben schon oft gezeigt, dass die Qualität da ist. Leider fehlt noch etwas die Konstanz, sodass wir wohl nicht unbedingt einen Platz in der Spitzengruppe belegen werden.“ Auf jeden Fall sieht Müller in Ex-Profi Frank Neubarth einen wichtigen Faktor für die mannschaftliche und auch die eigene Weiterentwicklung: „Er ist sehr ehrgeizig, will so weit oben stehen wie möglich. Aber gleichzeitig auch äußerst abgeklärt. Und dennoch bringt er richtig Feuer in jede Übung rein. Wenn sie sehr schwierig sind, wiederholt er sie auch drei- oder viermal.“ Das bringe jeden ein gehöriges Stück weiter.

Bis zum Beginn der Vorbereitung auf den Rest der Saison nimmt der Fußball bei Jan-Ole Müller aber erst einmal eine untergeordnete Rolle ein. Der Ahausener fliegt zunächst über den großen Teich, besucht Freundin Janina, die gerade ein Jahr als Au-pair in den USA arbeitet. In 2020 beginnt Verdens Shooting-Star dann selbst eine Ausbildung und muss dann versuchen, Berufliches mit dem Sportlichen zu verbinden. Vielleicht stellt Müller auch deshalb hohe Fußball-Ziele hinten an – im Bewusstsein, ohnehin schon vor einer großen Herausforderung zu stehen. Da ist einer halt so richtig geerdet.

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