Was macht eigentlich . . . ? Stefan Mattern über Höhen und Tiefen seiner Karriere

Irgendwann kam der Wendepunkt

Auch das gehört mittlerweile zum Fitnessprogramm von Ex-Hürdensprinter Stefan Mattern: Gemeinsame Spaziergänge mit Hündin Grace.
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Auch das gehört mittlerweile zum Fitnessprogramm von Ex-Hürdensprinter Stefan Mattern: Gemeinsame Spaziergänge mit Hündin Grace.

Der gebürtige Achimer Stefan Mattern ist immer noch zahlreich in den Rekordlisten der LG Kreis Verden zu finden. Kein Wunder. Schließlich zählte der mittlerweile 55-Jährige lange Jahre über die 110 Meter Hürden zur nationalen Spitze und startete nicht nur bei der Europameisterschaft 1991 in Split, sondern war auch bei zwei Hallen-Weltmeisterschaften am Start. Neben zwei Titeln bei Deutschen Meisterschaften hatte Mattern zudem einen kurzen und schmerzhaften Ausflug in den Bobsport. Heute lebt er in Ahlten und beschränkt seine sportlichen Aktivitäten in erster Linie aufs Radfahren und Spaziergänge mit Hündin Grace.

  • Jugendtrainer Hans-Joachim Kruse hat einen großen Anteil an der Karriere
  • Der erste DM-Titel 1983 war für Stefan Mattern ein Türöffner
  • EM 1991 sportlich eine Enttäuschung, aber privat ein großes Glück

Ahlten – Der Dezember – er ist für Stefan Mattern immer ein ganz besonderer Monat. Und das nicht zwingend nur wegen Weihnachten. Nein, verantwortlich dafür ist eine andere Tradition. „Seit mittlerweile 35 Jahren treffen wir uns immer mit den ehemaligen Weggefährten in der Pizzeria Bella Italia in Hannover. Dort wird dann bei dem einen oder anderen Getränk ausgiebig über alte Zeiten gequatscht. Aber dieses Jahr hat uns Corona ja einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht“, ärgert sich der 55-Jährige. „Denn ich hätte die Jungs schon gerne alle wiedergesehen“, sagt der ehemalige deutsche Spitzenathlet über die 110 Meter Hürden.

Seit mittlerweile 35 Jahren treffen wir uns immer mit den ehemaligen Weggefährten in der Pizzeria Bella Italia in Hannover. Aber dieses Jahr hat uns Corona ja einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht“

Stefan Mattern über das entgangene Wiedersehen mit vielen ehemaligen Weggefährten

Obwohl der gebürtige Achimer zunächst mit dem Turnen begonnen hatte und sich dort auch relativ schnell die ersten Erfolge einstellen sollten, war schnell klar, dass er irgendwann bei der Leichtathletik landen würde. „Mein Vater war Trainer beim TSV Achim. Damit war ich schon irgendwie vorbelastet“, klärt Mattern auf. „Angefangen habe ich dann mit acht Jahren. Zunächst bin ich zwar noch zweigleisig gefahren, doch in der Pubertät bin ich ziemlich schnell gewachsen und war dann auch einfach zu groß für das Turnen. Daher bin ich dann bei der Leichtathletik geblieben, zumal wir dort eine super Truppe hatten.“

Erste Schritte in der Leichtathletik mit acht Jahren

Einen großen Anteil daran hatte unter anderem Trainer Hans-Joachim Kruse. „Er ist immer zu den Bundesjugendspielen gekommen. Danach hat er uns dann angesprochen“, spricht Mattern von einer gewissen Art des Scoutings. „Darüber hinaus hat im Training der Spaß nie gefehlt. Und gefeiert wurde natürlich auch“, erinnert sich der gebürtige Achimer gerne an die Zeiten zurück. Eine Herangehensweise, die sich auszahlen sollte. Obwohl Stefan Mattern als Schüler im Sprint relativ langsam war, verfügte er über eine gute Hürdentechnik und hatte damit seine Spezialdisziplin gefunden. Nachdem er 1981/82 jeweils Landesmeister über die 110 Meter Hürden geworden war, folgte 1983 der bis dato größte sportliche Erfolg. Mit einer Zeit von 14,13 Sekunden sicherte sich der Achimer den Titel des Deutschen Jugendmeisters über diese Distanz. Für den Achimer eine gewisse Art von Türöffner, denn die Berufung in den C-Bundeskader ließ nicht lange auf sich warten. „Damit konnte ich fortan an internationalen Länderkämpfen der Junioren teilnehmen. Außerdem habe ich eine Förderung in Form von Klamotten erhalten“, erinnert sich Mattern.

An der Spitze: Der gebürtige Achimer Stefan Mattern war für seinen schnellen Start bekannt.

Nicht ganz so gerne erinnert sich der 55-Jährige dafür an einen Ausflug in eine andere Sportart zurück. Da im Bobsport bekanntlich immer schnelle Anschieber gesucht werden, absolvierte der Achimer im Herbst zwei Anschub-Trainingseinheiten und startete anschließend bei Deutschen Juniorenmeisterschaften in Winterberg. Das ging jedoch nach hinten los. Denn bereits die Pflicht-Trainingsläufe verlangten dem Hürdensprinter alles ab und verliefen alles andere als plangemäß. „Die erste Fahrt endete gleich mit einem Kipper in Kurve 9. Nach einer nächtlichen Bobreparatur sind wir am nächsten Tag wieder zum Training an den Start gegangen. Verliefen die nächsten beiden Fahrten noch sehr vorsichtig, haben wir in der letzten Fahrt wieder Gas gegeben. Dabei lagen wir zunächst mit Bestzeit vorne, ehe es uns in Kurve 9 wieder zerrissen hat und wir auf der Seite fast komplett bis ins Ziel gerutscht sind. Ich hatte eine geprellte Schulter und eine riesige Brandblase. Auch mein Helm hatte eine große Schramme. Danach habe ich beschlossen, dass ich das Bobfahren lasse“, so Mattern.

In Kurve 9 hat es uns wieder zerrissen. Danach sind wir auf der Seite fast komplett ins Ziel gerutscht. Ich hatte eine geprellte Schulter und eine riesige Brandblase. Auch mein Helm hatte eine große Schramme. Danach habe ich beschlossen, dass ich das Bobfahren lasse.

Stefan Mattern über einen kurzen und schmerzhaften Ausflug in den Wintersport

Dafür machte der Achimer in der Leichtathletik den nächsten Schritt. Nachdem er seine Bundeswehrzeit in der Sportförderkompanie absolviert hatte, ging es zum Studium nach Hannover. „Dort habe ich mich dem TK Hannover angeschlossen, der eine sehr starke Mannschaft hatte. Allerdings hat mich das Studium auch sehr schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Denn neben dem überaus intensiven Training hatte ich ja quasi zwei Vollzeitjobs. Das habe ich auch gemerkt, da ich mich nur halbherzig auf Olympia 1988 vorbereitet habe und die Teilnahme in Seoul folgerichtig auch verpasst habe“, klärt Mattern auf. Davon ließ sich der damals 23-Jährige jedoch nicht beindrucken, sondern setzte sich mit der WM in Tokio (91) sowie Olympia 1992 in Barcelona schnell die nächsten Ziele. Zunächst hatte es auch den Anschein, als sollte Mattern diese erreichen können. Denn 1990 folgte sein bis dato stärkstes Jahr. Mit einer neuen Bestzeit von 13,60 Sekunden, noch immer niedersächsischer Landesrekord, reiste der Hürdensprinter guter Dinge zur Europameisterschaft nach Split. Das Aus – es kam jedoch schon im Vorlauf. „Mein Lauf war schon relativ früh am Morgen. Das war scheinbar nicht meine Zeit“, gesteht der 55-Jährige ein. Gleichwohl hatte die EM dennoch etwas Gutes. „Dort habe ich meine jetzige Frau Karin kennengelernt. Sie war auch die deutlich erfolgreichere von uns beiden“, erinnert Mattern an den Titel seiner Frau unter dem Mädchennamen Janke über die 400 Meter bei den ersten gesamtdeutschen Meisterschaften. Zudem holte sie Bronze mit der 4x400 Meter-Staffel bei der EM in Helsinki und qualifizierte sich für eine WM und zwei Olympische Spiele.

Bei der EM 1991 in Split die spätere Ehefrau Karin kennengelernt

Die nächste Hürde fest im Blick: Stefan Mattern (Mitte) bei einem seiner unzähligen Wettkämpfe.

Für Stefan Mattern blieben die gesteckten Ziele indes ein Traum. „1991 hatte ich einen kleinen Hänger und war zum Teil auch übertrainiert. Und irgendwie hat mir auch ein persönlicher Trainer gefehlt. Daher ist 1992 auch alles andere als gut verlaufen, sodass die Zeiten indiskutabel waren“, verweist der heutige Produktionsingenieur auf einen gewissen Wendepunkt in seinem Leben. „Nach vier Jahren habe ich mir schon so langsam die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. Daher habe ich meinen Hauptfokus ab dem Zeitpunkt auf das Studium gelegt und es 1994/1995 nach elf Semestern auch beendet. Letztlich hat es mir aber gar nicht so viel geschadet. Denn zwei Jahre früher hat es kaum Jobs gegeben“, kann Mattern dem noch etwas Gutes abgewinnen. Auch sportlich war 1995 noch einmal ein gutes Jahr, denn bei seiner letzten DM-Teilnahme sicherte sich der gebürtige Achimer in seiner Paradedisziplin in der Altersklasse M30 in Bremen noch einmal den Titel. In der Folge ließ es Mattern, der unter anderem gegen Ex-Olympiasieger Roger Kingdom und Ex-Weltrekordler Colin Jackson gelaufen ist, etwas ruhiger angehen. Da beide Menisken kaputt sind, geht er nur noch ab und an laufen. „Dafür fahre ich viel Rad oder Inliner. Und sofern es möglich ist, fahre ich Ski. Das ist für mich ein toller Ausgleich. Außerdem haben wir seit sechs Jahren einen Hund. Und der zwingt uns natürlich, dass wir mit ihm herausgehen“, beschreibt Mattern sein aktuelles Fitnessprogramm. Die Leichtathletik – sie ist natürlich trotzdem immer ein Thema im Hause Mattern. Schließlich werden die langjährigen Kontakte weiterhin gepflegt. Und nächstes Jahr hoffentlich wieder in großer Runde bei Bella Italia.

Von Kai Caspers

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