Langwedelerin als Pionierin im Fußball / „Meinem Vater den Sohn ersetzt“

Ilona Manske: Frau der ersten Stunde

Stolz beim Shooting: Ilona Manske aus Langwedel hält sich mit Walking fit.
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Stolz beim Shooting: Ilona Manske aus Langwedel hält sich mit Walking fit.

Langwedel – In diesem Jahr feiert der DFB 50 Jahre Frauenfußball. Auch der FC Langwedel würdigt dieses Ereignis am Sonnabend (ab 14 Uhr) am FCL-Vereinsheim mit einer kleinen Feierstunde. Es gibt nicht viele Mannschaften, die Ende der 60er Jahre Anfang der 70er Jahre schon so aktiv waren. Doch nicht nur eine der ersten Teams kamen vom FC Langwedel – sondern auch eine der ersten Schiedsrichterinnen im Kreis Verden und sogar in Niedersachsen. Mit zarten 17 Jahren erwärmte sich Ilona Manske, damals noch unter dem Namen Nolte bekannt, fürs runde Leder. Nicht nur, dass sie Fußball spielte – nein, sie griff auch zur Pfeife. So denkt man dann an den damaligen Schlager von Peggy March: „Mit 17 hat man noch Träume, mit 17 da kann man noch hoffen“. Die Hoffnung war, dem Vater den fehlenden Sohn zu ersetzen.

„Mein Vater Hans Nolte hat in den 50er Jahren den FC Langwedel mitgegründet. Eigentlich hat er sich immer einen Sohn gewünscht und so habe ich ihm zu Liebe versucht, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Ich habe sowieso lieber mit Jungs gespielt, denn die typischen Mädchenspiele waren mir zu langweilig. So kam ich zum Fußball. Habe erst angefangen zu spielen und dann meinen Schiedsrichterschein gemacht. Bei uns zu Hause ging es ohnehin viel um Fußball. Sonntags waren wir auf dem Platz und anschließend im Lindenhof, der damaligen Gaststätte am Fußballplatz“, berichtet die heute 69-jährige Ilona Manske. So ganz erinnern kann sie sich nicht, wie es damals mit dem Schirilehrgang war, welche Fragen gestellt wurden und wo der Lehrgang stattfand. Nur dass er über mehrere Wochen dauerte.

Doch so alles hat sie dann nicht vergessen. Auf die Frage nach dem ersten Spiel und die dabei gemachten Erfahrungen, sprudelte dann noch einiges aus ihr heraus. „Mein erstes Spiel, das ich gepfiffen habe, war Langwedel gegen Brunsbrock. Ich weiß noch, dass ich sehr aufgeregt, zittrig war und Angst hatte, keinen Ton aus der Pfeife herauszubekommen. Dann gab es damals noch kein richtiges Schiedsrichterdress für Frauen und so habe ich in einer langen Turnhose und einer Art schwarzem Poloshirt das Spiel geleitet. Am Ende fehlte aber die Anerkennung von den Männern“, klingt ein wenig Enttäuschung aus der sympathischen zweifachen Mutter heraus.

Wie in allen männergeführten Domänen wird ja oft die Frage gestellt: Was will das Mädchen denn beim Fußball? Letztendlich hat sich aber gezeigt, dass der Frauenfußball auch bei den Männern angekommen ist. Ein bestes Beispiel ist Bibiana Steinhaus, die in der 1. Bundesliga ihren „Mann“ an der Pfeife steht. Und mit der weiblichen Nationalmannschaft hat Deutschland wahrlich schon etliche Triumphe gefeiert. Außerdem gibt es zur Belohnung jetzt auch kein Kaffeeservice mehr.

„Mit mir zusammen hat noch Christa Küsel, jetzt Kupke, ihren Schiedsrichterschein gemacht. Die war zwar kleiner als ich, konnte sich aber dennoch den nötigen Respekt verschaffen. Christa ist dann auch länger dabeigeblieben. Es kommt also nicht nur auf die Größe an“, so die großgewachsene Ex-Schiedsrichterin. Weiter erzählt sie: „Ich habe mit dem Kapitel Fußball abgeschlossen, als ich meinen späteren Mann kennenlernte. Der war Handballer und da wurde Fußball wahrlich zur Nebensache, wie man so schön sagt. Nur, dass es für mich nicht mehr wichtig war und ich neue Interessen hatte. Sport ist für mich immer noch sehr wichtig. Ich walke, mache Gymnastik und Wassergymnastik. Und sonntags nötige ich dann meinen Mann, mit mir Rad zu fahren. Vor allem ist es mir wichtig, auch im Alter fit zu bleiben“.

Als sie dann mit ihren Walkingstöcken fotografiert wurde, war sie doch ein wenig stolz, in dem Alter noch mal an einem Fotoshooting teilnehmen zu dürfen. Und schließlich werden im Fernsehen ja doch nicht die Spiele der deutschen Nationalmannschaften verfolgt, sodass der Fußball nicht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Von Claudia Von Kiedrowski

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