Trainer verraten die skurrilsten Spieler-Ausreden, warum sie nicht trainieren können

„Ich kann mich heute nicht multivieren“

Verden – Waldlauf mit der Mannschaft oder Schwimmbad? Testspiel am Sonntag oder doch lieber mit den Kumpels am Samstagabend grillen? Krafttraining oder kuschelig mit der Freundin auf dem Sofa? Nicht nur im Fußball fällt kaum etwas so schwer wie die Saisonvorbereitung. Und die steht definitiv an – wann immer auch die Corona-Pandemie den Amateursport aus ihrer Umklammerung loslassen wird.

  • Die kuriosesten Notlügen der Fußballer aus dem Kreis Verden
  • Trainer wie Axel Sammrey oder auch Sven Zavelberg könnten ein Buch schreiben
  • Je höher die Liga, desto geringer die Ausreden und Trainingsabsagen
Per WhatsApp bekommen die Übungsleiter teilweise die skurrilsten Trainingsabsagen.

Wer in dieser Phase strikt auf der Matte steht, wenn der Trainingsplan ruft, ist entweder eine Disziplinfanatiker oder aber hat einfach keine anderen Hobbys. Um sich vor schweißtreibenden Einheiten zu drücken, liegen Notlügen im Trend. Ausreden haben Konjunktur.

Absagen fürs Training oder für das Testspiel sind Klassiker im Amateursport

Was dabei immer wieder auffällt: Absagen fürs Training oder für das Testspiel sind Klassiker im Amateursport. Vor allem im Fußball. Und dort nicht nur in den untersten Ligen. „Auch wenn ich ganz ehrlich sagen muss, dass mir Notlügen noch nicht untergekommen sind. Doch ich denke, wir als Zweitligist sind da sicherlich in einer anderen Dimension. Die Jungs nehmen es da sehr professionell“, winkt da Badens Volleyball-Coach Werner Kernebeck ab.

Und auch Uphusens Fußball-Trainer Christian Ahlers-Ceglarek ist der Meinung, „dass solche Ausreden in den oberen Ligen kaum vorkommen.“ Allerdings: Eine kuriose Trainingsabsage hatte er in seiner kurzen Amtszeit als Oberliga-Coach dann doch schon vernehmen müssen. Der Ex-Keeper erinnert sich: „Ein Spieler hat mir drei Minuten vor Trainingsbeginn mal geschrieben, dass er ganz vergessen hätte mir mitzuteilen, dass jetzt gleich im Zug eine Polizeikontrolle stattfinden würde und der Zug deshalb nicht mehr weiterfährt!“

Mal überraschend, mal vorhersehbar, mal ärgerlich, mal skurril, manchmal ehrlich

Mal überraschend, mal vorhersehbar, mal ärgerlich, mal skurril, manchmal ehrlich, manchmal fragwürdig – aber im Nachhinein oft lustig. Und: Schuld an der Absage haben zumeist alle – der Vorgesetzte, die Oma, die Eltern, die Freundin, das Haustier oder das Fortbewegungsmittel. Wir haben also mal einige Trainer aus dem Kreis Verden befragt und die schönsten Ausreden, darunter doch einige Schenkelklopfer, entsprechend aufgelistet. Und wer als Amateursportler jetzt sagt, dass es das so bei ihm noch nie gegeben hat oder nie geben wird, dem dürfte aber mal sofort eine Pinocchio-Nase wachsen.

Ein Buch über Ausreden könnte da sicher ohne Zweifel Oytens Bezirksliga-Coach Axel Sammrey (63) schreiben, dessen lange Laufbahn in der Saison 1992/’93 als Spielertrainer beim SVV Hülsen begann. Hier sein skurrilsten Ausreden: • „Ich muss am Wochenende zur Hochzeit meines Onkels. Und dafür muss ich heute mit meiner Mutter eine Hose kaufen und kann deshalb nicht zum Training kommen.“ • „Ich habe Druck im Kopf und kann deshalb heute nicht trainieren.“ • „Ich komme diese Woche nicht zum Training, damit ich am Wochenende fit bin.“ • „Ich konnte gestern nicht zum Training kommen, weil ich auf dem Sofa eingeschlafen bin.“ • „Ich kann mich heute nicht multivieren.“ • „Meine Oma, oder Opa, oder Tante oder sonstiger Verwandter hat heute Geburtstag.“ • „Mein Auto springt nicht an.“ (Anm. Sammrey: Der wohnte aber 500 Meter vom Sportplatz entfernt!) • „Mich hat keiner abgeholt.“ (Der hatte es auch nur fünf Minuten zu Fuß zum Platz.) • „Meine Mutter ist mit dem Auto weg gefahren.“ • „Ich wollte das schöne Wetter ausnutzen und bin zur Ostsee gefahren.“

Auch nicht schlecht war ein Spieler, der behauptete, dass seine Freundin ihn zu Hause eingesperrt hätte.

Sascha Lindhorst (FSV Langwedel-Völkersen II)

Nicht tief in die Kiste muss da auch Sven Zavelberg vom Fußball-Bezirksligisten TSV Achim greifen. „Ich habe mich bei so mancher Ausrede gefragt, ob die Spieler wirklich glaubten, dass ich ein kompletter Trottel bin“, grinste da der Übungsleiter. Hier seine Top-3: • „Trainer, ich kann leider nicht kommen, da ich um 19 Uhr eine Couch schleppen muss, sagt meine Freundin!“ • „Ich muss meine Eltern nach Hannover zum Flughafen bringen.“ Ich darauf: Hast du die nicht vor zwei Wochen schon mal da hingebracht? Er: „Ja ne, das waren meine anderen . . .“ • Morgens um 2:30 Uhr per Sprachnachricht: „Trainer, ich habe Magen-Darm. Seit Stunden bin ich schon auf der Toilette!“ Postet aber auf Instagram fleißig zahlreiche Bilder von einer Feier . . . was für ein Idiot.

Ebenfalls schon einiges erlebt hat da Sascha Lindhorst, der unter anderem beim TSV Brunsbrock und FC Verden 04 trainierte, derzeit beim FSV Langwedel-Völkersen II in der Kreisliga das Kommando hat. „Eine Sache werde ich sicher nie vergessen. Ein Spieler sagte das Training wegen kalter Füße ab. Mit kalten Füßen könne er einfach nicht gegen den Ball treten. Schade nur für ihn, dass am Wochenende die Temperatur unverändert war! Er tauchte also entsprechend nicht im Kader auf. Der hatte danach nie wieder kälte Füße. Auch nicht schlecht war ein Spieler, der behauptete, dass seine Freundin ihn zu Hause eingesperrt hätte. Er könnte die Wohnung auch nicht durch das Fenster verlassen, da die junge Dame sehr impulsiv sei und er sich nicht sicher sei, wie das dann enden würde! Ich konnte ihm zumindest sagen, wie sein Wochenende ohne Fußball aussieht.“

Hi COTR, bin noch in Bremen, warte seit über einer Stunde am Bahnhof auf meinen Zug.

WhatsApp an Verdens Co-Trainer Andreas Dressler

Die Freundin war auch bei einem Spieler des FC Verden 04 schuld, dass das Training für ihn ausfallen müsste. Co-Trainer Andreas Dressler erinnert sich an folgende Aussage: „Meine Freundin hat mir einen Kurzurlaub nach Barcelona geschenkt. Da kann ich leider nicht zum Training kommen.“ Ein anderer Akteur schrieb der rechten Hand von Frank Neubarth: „Hi COTR, bin noch in Bremen, warte seit über einer Stunde am Bahnhof auf meinen Zug.“

Doch nicht nur die Herren der Schöpfung sind um Ausreden nicht verlegen, auch die Frauen geben sich da mitunter kreativ. Fischerhudes Jörg Evers: „Wir hatten nur eine, für uns Trainer, lustige Trainingsabsage. Eine Spielerin hat uns mitgeteilt, dass sie nicht teilnehmen könnte, weil sie am Tag zuvor eine Beauty-Behandlung im Gesicht hatte. Da es am Trainingstag geregnet hat, durfte ihr Gesicht noch nicht nass werden! Konnten wir als Männer natürlich nicht mitreden, haben es aber mit einem Lächeln akzeptiert.

Und Frauen haben da noch den Friseur

Erst kürzlich erhielt auch Handball-Coach Kai Flathmann, der den TV Oyten II trainiert, eine zum schmunzeln anregende Absage für ein angesetztes Zoom-Training. Flathmann: „Die Spielerin sagte ab, weil sie den letzten Friseurtermin vor dem Lockdown ergattert hatte. Das verstehe ich als Mann natürlich. Die Haarspitzen und Ansätze müssen ja stimmen vor Weihnachten! Wirklich, ich hatte Verständnis.“

Von Frank Von Staden

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