„Mit den Füßen abgestimmt“

HVN verkündet das Jahres-Aus - Betrieb ruht bis 31. Dezember

Abstand gilt bis Jahres-Ende: Der HVN beschloss am Mittwoch, den Spielbetrieb bis 31. Dezember auszusetzen.
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Abstand gilt bis Jahres-Ende: Der HVN beschloss am Mittwoch, den Spielbetrieb bis 31. Dezember auszusetzen.

Achim/Verden – Jetzt gibt der Handballverband Niedersachsen (HVN) doch klein bei und zieht die Reißleine: Nachdem sich zahlreiche Vereine mit dem Beschluss, im Einzelfall selbst über die Austragung von Punktspielen in Risikogebieten befinden zu dürfen, alles andere als wohl und teilweise sogar alleingelassen gefühlt hatten, hat das Präsidium am Mittwoch im Umlaufverfahren den Spielbetrieb der Jugend und der Senioren aufgrund der Corona-Pandemie mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Der Lockdown gilt mit Blick auf die steigenden Covid-19-Fallzahlen bis einschließlich 31. Dezember und betrifft alle in der Obhut des HVN stehenden Klassen von der Oberliga bis zur Landesklasse.

In der Pressemitteilung des Verbandes lässt Präsident Stefan Hüdepohl erkennen, dass sich die Führungsriege der allgemeinen Stimmung im Land gebeugt hat: „Wir wollten den Mannschaften ein Höchstmaß an Freiraum einräumen. Jetzt haben die Vereine mit den Füßen abgestimmt. Diese Abstimmung akzeptieren wir. Viele Vereine und auch Aktive haben uns aufgefordert, Verantwortung zu zeigen und den Spielbetrieb auszusetzen. Diesem Wunsch tragen wir Rechnung, weil auch in den Gebieten ohne große Inzidenz viele voller Verunsicherung und Furcht sind, sich beim Sport mit Corona zu infizieren. Dies ist angesichts der immer neuen Rekorde der Fallzahlen nachvollziehbar.“

In ersten Reaktionen trifft die „Nachbesserung“ auf breite Zustimmung. Florian Schacht, Trainer des Landesligisten SG Achim/Baden II: „Zwar haben wir noch keine Partie bestritten, aber die Entscheidung musste so kommen, wenn man sich die letzten zwei Wochen anschaut – so ärgerlich das für alle ist, die gerne Handball spielen.“ Es sei bei immer größeren Kontaktbeschränkungen nicht mehr vermittelbar und auch nicht vernünftig, mit dem Hobby auszuscheren.

Schacht: „Wie kriegen wir alles nach der Wiederaufnahme hin?“

Ob und wie es ab Januar weitergeht, sei für Schacht Kaffeesatz-Leserei: „Wie kriegen wir das mit den Terminen hin? Wie lautet dann der Modus? Wie ist ein fairer Wettkampf bei den individuellen Vorbereitungs-Möglichkeiten leistbar? Das alles müssen die Funktionäre gewissenhaft ausklamüsern.“

Für den TSV Daverden, der sich bereits vergangene Woche vom Trainingsbetrieb unter dem Dach und auch vom Spielbetrieb verabschiedet hatte, gilt der HVN-Beschluss als Bestätigung. Coach Ingo Ehlers: „Bei uns war jeder in einer Abstimmung gegen Spielteilnahme. Zum einen aus gesundheitlichen, zum anderen aus Fürsorgegründen. Und einige habe auch beruflich ihre Bedenken.“

Müller-Dormann hätte auch bis Ende November akzeptiert

Auf den Lockdown hatten sich die Verantwortlichen beim TV Oyten ebenfalls schon eingestellt. Lars Müller-Dormann, mit Marc Winter Trainer sowohl der Drittliga-Damen als auch der Verbandsliga-Herren: „Ein nachvollziehbarer Schritt bei den ganzen Kontaktbeschränkungen.“ Wobei Müller-Dormann auch ein wenig deferenziert draufschaut: „Die Frage ist, ob die Entscheidung so absolut bis Ende des Jahres getroffen werden musste. Vielleicht wäre eine Zwischenlösung bis Ende November auch denkbar gewesen. Aber das geben die Zahlen dann wohl nicht her.“

Klare Kante zeigt der TVO-Übungsleiter indes in Sachen Zeitpunkt des HVN-Beschlusses: „Im Endeffekt hätte das schon vergangene Woche kommen müssen, da war die Aussage noch sehr suboptimal.“ Müller-Dormanns Vermutung: „Nach der vielen Kritik aus den Vereinen über diese Art von Nicht-Entscheidung könnte der Verband beleidigt gewesen sein und hat nun so reagiert. Aber ich unterstreiche noch mal, dass es nun das richtige Vorgehen ist.“ Punktspiel-Atmospähre wird er voraussichtlich dennoch am Wochenende schnuppern, denn für Oytens Drittliga-Damen ist der Deutsche Handball-Bund (DHB) zuständig, der seine Profiligen antreten lässt. Für die Vampires mit einem mulmigen Gefühl – schließlich müssen sie zu Pfeffersport Berlin in einen der deutschen Corona-Hotspots.

Region Mitte-Niedersachsen schließt sich an

Unterdessen teilte das HVN-Präsidium mit, dass der Mittwoch-Entscheidung die Zusammenkunft einer bereits vor Wochenfrist gebildeten „Task-Force“ vorausgegangen war, in der neben Hüdepohl die Vizepräsidenten Harald Schieb (Recht) und Jens Schoof (Spieltechnik) sowie die beiden Geschäftsführer Markus Ernst und Gerald Glöde mitgewirkt hatten. Die „Task-Force“ hatte am Dienstagabend getagt. Das Präsidium folgte nun der Empfehlung der Gruppe.

Keinen absoluten Stopp gibt es in einer anderen Hinsicht. HVN-Chef Hüdepohl: „Freundschaftsspiele können ausgetragen werden, solange die gesetzlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind und die gültigen Hygienevorschriften der örtlichen Behörden eingehalten werden.“ Die „Task-Force“ bleibt laut Mitteilung des Präsidenten bestehen: „Die Gruppe wird regelmäßig tagen, die Situation beurteilen und Vorschläge für die Form des Spielbetriebes ab Januar kommenden Jahres erarbeiten.“

Laut Vizepräsident Spieltechnik Jens Schoof waren für das vergangene Wochenende im GVN-Zuständigkeitsbereich allein in den Seniorenspielklassen 106 Spiele angesetzt. 85 Spiele verlegten die Vereine kurzfristig. 21 Spiele wurden ausgetragen. Für das anstehende Wochenende war der Saisonbeginn für die Jugendklassen des Verbandes vorgesehen.

Wann und wie der Betrieb tatsächlich wiederaufgenommen wird, bleibt offen. Hüdepohl: „Kein Mensch weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.“ Die Spieltechniker hätten bereits angefangen, verschiedene Modelle zu diskutieren: angefangen bei der Austragung der Meisterschaft in einer Einfachrunde bis hin zur Verkleinerung der Staffeln mit Ermittlung der Meister und Absteiger in Play-off-Spielen. „Das ist aber alles Zukunftsmusik“, weiß der Präsident: „Die Task-Force wird Vorschläge erarbeiten, über die das Präsidium zu beraten hat.“ Übrigens: Die Region Mitte-Niedersachsen, die bisher bis zum 22. November pausieren wollte, schließt sich der HVN-Entscheidung an und lässt den Ball ebenfalls bis 31. Dezember ruhen. Chef Steffen Mundt: „Es ist wichtig, dass wir Handballer mit einer Stimme sprechen. Die Gesundheit geht jetzt vor.“

Kommentar von Ulf von der Eltz:

HVN-Entscheidung: Demokratie auf die Sprünge geholfen

Die Zahlen vom vergangenen Wochenende sprechen eine deutliche Sprache: Von den 106 angesetzten Seniorenspielen im Zuständigkeitsbereich des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) seien 85 kurzfristig verlegt worden. Die Vereine hatten also mit großer Mehrheit von der Erlaubnis Gebrauch gemacht, Partien mit mindestens einem Team aus einem Corona-Risikogebiet eigenständig abzusagen.

Die Zahlen müssen dem HVN zu denken gegeben haben. Dazu die Klageworte vieler Klubs, die sich bei der Verbands-Entscheidung gegen eine Generalabsage des Spielbetriebs, für welchen Zeitraum auch immer, quasi im Stich gelassen gefühlt und den schwarzen Peter zugeschustert bekommen zu haben. Das zusammen wird die Chefetage in Hannover gleichzeitig zum Umdenken und zum Nachbessern veranlasst haben. Sagte doch Präsident Stefan Hüdepohl: „Jetzt haben die Vereine mit den Füßen abgestimmt. Diese Abstimmung akzeptieren wir.“

Mit der Entscheidung, den Handball bis zum Jahresende ruhen zu lassen, wird zwar den Covid-19-Fallzahlen und endlich der Verantwortung von Verbandsseite Rechnung getragen – andere Baustellen bleiben indes offen. Ob und wie es im Januar weitergeht. Und mit welchem Modus es weitergeht. Das ist aber allemal zu verkraften, ist doch jedem bewusst, dass die Eindämmung der Pandemie und damit die Gesundheit absolute Priorität besitzen müssen.

Wichtig dürfte mit dem HVN-Beschluss auch ein Signal sein, das Vereinsverantwortliche sowie Handballspieler, die sich zu sehr alleingelassen gefühlt hatten, ankommt: Der Demokratie ist ein wenig auf die Sprünge geholfen worden.

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