Fußball-Coach aus Fischerhude steigt beim SV Werder Bremen aus

Horeis: „Die Werder-Familie gibt es noch“

Die Sinne schärft hier Stefan Horeis bei seinen Schützlingen während eines Hallenturniers. „Die Jungs hören schon sehr genau zu. Denn sie wollen ja weiterkommen!“
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Die Sinne schärft hier Stefan Horeis bei seinen Schützlingen während eines Hallenturniers. „Die Jungs hören schon sehr genau zu. Denn sie wollen ja weiterkommen!“

14 Jahre lang hatte Stefan Horeis das Glück, als Co-Trainer der U21 hinter die Kulissen beim Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen zu schauen. Wir sprachen mit ihm.

  • Aktuelles Interview mit Stefan Horeis.
  • Florian Kohfeldt indirekt zur frühen Trainerkarriere verholfen.
  • Nach 14 Jahren beim SV Werder Bremen ist Schluss.

Bremen/Fischerhude – Er ist schlagfertig, sehr ehrgeizig, ein echter Teamplayer – und absolut fußballbesessen. Schon als Aktiver gehörte Stefan Horeis in Wörpedorf als auch viele Jahre beim TSV Ottersberg zu denen, die vorangingen. Selbiges gilt auch für die Zeit danach, als der 54-jährige leitende Sparkassenangestellte die Trainerlaufbahn einschlug. Erst in vorderster Front, dann, als Familienvater, im Hintergrund. 14 Jahre war er Co-Trainer bei der U21 in seinem Leib- und Magenverein, den SV Werder Bremen. Nun aber ist dort Schluss. Wir sprachen mit dem sportbegeisterten Fischerhuder.

Am 30. Juni 2021 ist nach 14 Jahren als Co-Trainer bei der U21 des SV Werder Bremen Schluss für Sie. Was waren die Beweggründe auszusteigen, hat Corona da etwas mit zutun?

Mit dem Gedanken befasse ich mich schon seit einem Jahr und habe die Saison 2020/2021 eigentlich auch nur wegen der aufgetretenen Corona-Problematik "rangehängt. So wollte ich nicht aufhören, obwohl der Spaßfaktor in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. Jetzt ist durch meine neue berufliche Aufgabenstellung ein weiterer, erschwerender Faktor in Bezug auf eine ehrgeizige und vollumfängliche Ausübung der Trainertätigkeit hinzugekommen.

Man spricht ja landläufig immer schnell von der Werder-Familie. Mal ehrlich: Gehört da die dritte Fußball-Vertretung auch noch dazu oder fristet das Team, das sie zusammen mit Trainer Andreas Ernst seit dem 1. Juli 2007 führen, dann doch eher ein stiefmütterliches Dasein?

Ein Horeis-Hobby: Fatbike fahren.

Diese „Werder-Familie“ gibt es noch und wir sind als U21 ein Teil davon. Die Wahrnehmung des Teams im Stadtgebiet Bremen darf man nicht unterschätzen. Als Mannschaft des Nachwuchsleistungszentrums (Anm.d.Red.: NWLZ) werden unsere Ergebnisse durchaus, auch intern, kritisch reflektiert. In einigen Bereichen sind wir, und das sicherlich auch aus Kostengründen, in der Priorität eher am unteren Ende der NWLZ-Nahrungskette. Aber welcher Bundesligaverein leistet sich denn überhaupt noch eine U21 oder U23?

Hat man als Teil der U21 Kontakt zu den Profis?

Das kam vor Corona gelegentlich vor. Zum Beispiel bei gemeinsam besuchten Events, Scouting von Spielen und ähnliches, ist aber auch aufgrund meines fortgeschrittenen Alters nicht die Regel.

Was hat Sie veranlasst, so lange beim SV Werder Bremen zu verweilen?

Als meine Trainerkarriere bei Werder begann, gehörte der Klub zu den drei Top-Adressen in der Bundesliga. Das NWLZ wird jedes Jahr mit höchster Auszeichnung zertifiziert. Das Umfeld, die Infrastruktur und die Trainingsmöglichkeiten sind natürlich im Verhältnis zu anderen Vereinen überragend. Der Austausch und das Netzwerk zu Spielern, Trainerkollegen mit Bundesliga- und Nationalspielererfahrung, macht schon Spaß und ist sehr lehrreich. Wir waren ja über viele Jahre auch sehr erfolgreich und gehörten zu den TopTeams der Liga. Die Spieler zu scouten, im persönlichen und sportlichen Bereich zu entwickeln, ist beim SV Werder Bremen eine besondere aber auch ambitionierte Aufgabe, die mir über die Jahre sehr viel Spaß im Team gemacht hat und auch mich in der Persönlichkeitsbildung vorangebracht hat.

Gab es nie andere Angebote?

Natürlich gab es immer wieder mal Anfragen von der Niedersachsenliga bis zur Kreisliga. Durch die Bedingungen bei Werder war ich natürlich ein wenig verwöhnt und auch die kurzen Fahrzeiten zum Training und zu den Spielen in der „Straßenbahnliga“ kamen mir beruflich und privat entgegen.

Ordnen Sie für uns mal rein sportlich die Bremenliga ein.

Ich sehe die Top-5 der Liga auf Augenhöhe mit Durchschnittsteams der Niedersachsenliga. Einige Mannschaften haben Landesliga-Niveau in Niedersachsen, einige auch in Sequenzen gehobenes Bezirksliga-Niveau.

14 Jahre ein Verein, da gibt es sicher einige Anekdoten zu erzählen.

Das würde hier sicherlich den Rahmen sprengen. „Was in Vegas passiert ist, bleibt in Vegas!“ Vielleicht eine kleine Anekdote: Das Trainerteam Ernst/Horeis hat sicherlich nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass Florian Kohfeldt früh seine aktive Torhüterkarriere beendet hat. Vielleicht waren wir damals mit seiner Demission zum zweiten Keeper unseres Teams auch der Grund, dass Werder Bremen jetzt so einen menschlich und fachlich tollen und kollegialen Bundesligatrainer vorweisen kann!?

Das Fußball-Feuer brennt immer! Ich habe jetzt die Chance, mir die Fußballspiele anzuschauen, egal in welcher Liga, die mich, aus welchen Gründen auch immer, interessieren. Eine Trainertätigkeit sehe ich kurz- mittelfristig eher in unterstützender Funktion bei einem Verein.

Stefan Horeis

Legen Sie jetzt eine Pause ein, steigen Sie vielleicht gar ganz aus – oder brennt noch das Fußball-Feuer in Ihnen?

Das Fußball-Feuer brennt immer! Ich habe jetzt die Chance, mir die Fußballspiele anzuschauen, egal in welcher Liga, die mich, aus welchen Gründen auch immer, interessieren. Eine Trainertätigkeit sehe ich kurz- mittelfristig eher in unterstützender Funktion bei einem Verein. Als Athletik- oder Torwarttrainer. Auf jeden Fall mit deutlich geringerem Zeitanteil und nicht festen Verpflichtungen.

Kommen wir zum Privaten: Welche sind Ihre sportlichen Vorsätze für das Jahr 2021?

Gesund bleiben und keine Corona-Plauze bekommen. Ergo mich im Rahmen fit zu halten.

Thema Lockdown: Was würden Sie anders machen? Welche Einschränkungen halten Sie für übertrieben?

Im Bereich der Öffnung von Restaurants würde ich auch aufgrund der meist vorbildlichen Hygienekonzepte deutlich schneller öffnen. Mir will nicht in den Kopf, warum andere Branchen mit deutlich geringeren Platzangebot und mehr körperlicher Nähe bereits wieder öffnen können. Und wer sich objektiv den Teilwahnsinn beim Besuch eines Supermarktes anschaut, dürfte dann die Welt nicht mehr verstehen.

Was ist Ihr nächstes Corona-Projekt? Und was haben Sie bisher schon umgesetzt?

Corona endlich beerdigen! Beruflich durfte und musste ich diverse Dinge konzipieren, regeln und umsetzen.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken beziehungsweise um zur Ruhe zu kommen?

Gesund bleiben und keine Corona-Plauze bekommen. Ergo mich im Rahmen fit zu halten.

Stefan Horeis, wie er über die Corona-Zeiten kommen will.

Mein komfortables Boxspringbett oder der Garten.

Noch kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Corona-Zeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören?

Bis auf mehrmals wöchentliche Videosequenzen im Athletik-Stabilisationsbereich mit den Spielern ist ja nahezu alles eingedampft. Parallel fordert mich der Beruf extrem. Somit im Moment für mich alles okay.

Oder ist die Lust aktuell größer denn je?

Nein das kann ich nicht behaupten! Obwohl: die Jungs und meine Trainerkollegen vermisse ich schon ein wenig im Live-Betrieb.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Zwei-, dreimal pro Saison bekommt die U21 Unterstützung von oft 500 bis fast 1000 Werder-Ultras. Stefan Horeis: „Coachen ist dann für einen Trainer unmöglich!“

Serien: How to Get away with Murder, Haus des Geldes, Suits, The Blacklist. Buch: Machtbeben von Dirk Müller.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Weder noch, ich sehe das als gute Alternative für gewisse Momente. Ich werde das Arbeiten ,at home" aber nicht überstrapazieren. Ich lebe von meiner Präsenz am Kunden und bei meinen Mitarbeitern.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Definitiv ja, ja, ja!

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub? Was machen Sie zuerst, sobald es wieder erlaubt ist?

Auf jeden Fall Urlaub!

Welche sportliche Schlagzeile wollen Sie 2021 über sich lesen?

Wenig überraschend: Stefan Horeis wird Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw. Er konnte sich im Casting gegen Lothar Matthäus und Peter Neururer klar durchsetzen.

Von Frank Von Staden

Stefan Horeis: Ich über mich

Alter: 54. Wohnort: Fischerhude.

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder (23 + 26 Jahre).

Beruf: Sparkassenbetriebswirt, stv. Bereichsdirektor Firmenkunden Sparkasse Rotenburg-Osterholz seit 1984.

Sportliche Laufbahn als Fußballer: Oberliga VSK Osterholz-Scharmbeck (Jugend). Herren: TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf (Bezirksliga), TSV Ottersberg (Oberliga).

Trainerstationen: TSV Ottersberg II, TV Wilstedt, TuSG Ritterhude, SV Werder Bremen U21 (seit 2007).

Hobbys: Garten, Fatbike fahren, Netflix.

Größte sportliche Leistung als Spieler: Vico Liegmann im Training getunnelt zu haben … ;-); als Trainer: Drei Meisterschaften Bremenliga, Pressecup-Sieger, Hallenmasters-Sieger Stadthalle Bremen.

Diese Begabung hätte ich gern: Gedanken lesen. Die Musikinstrumente Saxophon, Piano, Gitarre spielen zu können.

Meine persönlichen Schwächen: Ehrgeiz, rethorische Aufdringlichkeit in Form von großen Gesprächsanteilen.

Meine persönlichen Stärken: Empathie, Ehrgeiz, Eigenmotivation, Sozialkompetenz, Teamfähigkeit.

Das motiviert mich: Private und berufliche Erfolgserlebnisse in Form von ehrlichem Lob und herzlicher Anerkennung.

Diese Entscheidung habe ich im Leben bereut: Die liegt im beruflichen Bereich und unterliegt dem Bankgeheimnis.

Ein perfekter Tag für mich ist: Chillen auf der vorgelagerten Terrasse meines Glasbungalows auf den Malediven mit einem Cocktail in jeder Hand.

Mein Lebensmotto: Leben ist wie ein Fluss. Man kann es nicht anhalten, nicht rückwärts fließen lassen, sondern nur genießen!

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