19-jähriges Rudertalent kann weiterhin normal trainieren / Wettkämpfe fehlen

Hoffmann weiß ihr Privileg zu schätzen

Einsam zieht das große Rudertalent Charlotte Hoffmann ihre Bahnen auf dem Zweigkanal in Hannover-Linden.
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Einsam zieht das große Rudertalent Charlotte Hoffmann ihre Bahnen auf dem Zweigkanal in Hannover-Linden.

Natürlich fehlen auch Charlotte Hoffmann die Wettbewerbe. Allerdings kann die 19-Jährige am Bundesstützpunkt in Hannover auch weiterhin ganz normal trainieren. Daher hält das große Talent des Verdener Rudervereins auch weiterhin an ihren Zielen fest. Dem Sprung in die U23-Nationalmannschaft.

  • Charlotte Hoffmann weiß ihr Privileg zu schätzen
  • Tägliche Gang zum Training nicht immer einfach
  • 19-Jährige äußert Skepsis bezüglich erster Wettkämpfe Ende März

Hannover – Während fast alle Sportler sehnsüchtig darauf warten, dass sie endlich wieder ganz normal trainieren können, kann Charlotte Hoffmann weiterhin ihrem großen Hobby frönen. Dem Rudern. Das große Talent des Verdener Rudervereins (VRV) lebt mittlerweile im Sportinternat am Bundesstützpunkt Hannover und ist trotz der Corona-Pandemie bis dato von Beschränkungen verschont geblieben.

„Das ist schon ein bisschen verrückt. Während alle anderen nicht mal zum Fitness dürfen und individuell zu Hause trainieren müssen, hat sich für mich in sportlicher Hinsicht im Grunde genommen nichts geändert. Selbst das Training in der Gruppe ist nach wie vor möglich. Daher befinden wir uns schon in einer gewissen Art von Blase“, weiß die 19-Jährige dieses Privileg sehr zu schätzen. „Aber wir unterziehen uns auch jede Woche einem Schnelltest“, ergänzt die Verdenerin dann auch fast schon ein wenig entschuldigend.

Hoffmann: Jede Woche ein Schnelltest

Der nahezu tägliche Gang zum Training – er ist dennoch beileibe nicht immer einfach. Daraus macht auch Charlotte Hoffmann, die sich selbst als ehrgeizig bezeichnet, kein Geheimnis. „Aber wenn man dann mit guten Leistungen bei Wettkämpfen überzeugt, sorgt das natürlich für zusätzliche Motivation. Aber die fallen aktuell ja weg, sodass wir nur den internen Vergleich haben“, erklärt die 19-Jährige. „Und da stellt sich dann irgendwann schon mal die Frage, wofür und wieso mache ich das eigentlich alles?“ Allerdings lässt die Verdenerin im Gespräch mit dieser Zeitung dann auch sehr schnell durchblicken, dass negative Gedanken von ihr umgehend zur Seite geschoben werden. Schließlich hat das große Rudertalent nach wie vor sehr hohe Ziele vor Augen – den Sprung in die Nationalmannschaft. „Im vergangenen Jahr hat es leider nicht ganz gereicht. Aber da war ich gerade im ersten Jahr in der neuen Altersklasse und musste dort zunächst einmal den Anschluss finden“, spricht die 19-Jährige schon von einem ziemlich großen Sprung zur U23. „Das geht nicht von heute auf morgen, sondern ist natürlich mit extrem viel Training verbunden. Es sei denn, man ist der komplette Überflieger. Perspektivisch gesehen traue ich mir den Sprung aber zu“, hält Hoffmann an ihren Zielen fest und legt immer mal wieder eine Extraschicht ein. Soll heißen: Neben den Rudereinheiten auf dem Zweigkanal in Hannover-Linden stehen natürlich auch Lauf- und Krafteinheiten auf dem Programm. Zudem wird auch das Ruderergometer fleißig genutzt und malträtiert. „Da ist schon jede Menge Willensstärke gefordert. Zumal die sportlichen Vergleiche einfach fehlen. Aber wer weiß. Vielleicht hat diese Situation im Nachhinein ja eventuell auch eine positive Wirkung. Denn so intensiv war der Kampf gegen den inneren Schweinehund bis dato nur selten“, verdeutlicht die 19-Jährige.

Auch die schweißtreibenden Einheiten auf dem Ruderergometer sind ein fester Bestandteil im Trainingsalltag der 19-jährigen Charlotte Hoffmann.

Letzter Wettkampf im Oktober des vergangenen Jahres

Ihren letzten offiziellen Wettbewerb bestritt Charlotte Hoffmann im Oktober des vergangenen Jahres in Ratzeburg. Dort ging es seinerzeit im Einer auf die Langstrecke über acht Kilometer. „Aber da waren alle Altersklassen vertreten, sodass es kein richtiger Vergleich war. Es war zwar schön mal wieder andere zu sehen, doch letztlich war das nur Just for Fun“, so die Verdenerin. Geplant ist nun, dass die ersten Wettkämpfe Ende März ausgetragen werden sollen. Ein Ziel, mit dem sich die 19-Jährige noch nicht so ganz anfreunden kann. „In Anbetracht der aktuellen Zahlen bin ich da eher skeptisch. Daher behalte ich das Geschehen natürlich im Blick und werde alles mit meinen Trainern besprechen“, schließt sie eine mögliche Absage im Risikofall definitiv nicht aus. Die nächsten Meisterschaften sind indes für Juni vorgesehen. Ein Datum, das Charlotte Hoffmann deutlich realistischer einschätzt. Bis dahin gilt es weiter konzentriert an der Form zu arbeiten. Voraussichtlich nur auf heimischen Gewässern. Denn nachdem bereits das Trainingslager in Portugal der Pandemie zum Opfer gefallen ist, droht auch der zweite Versuch in Frankreich ins Wasser zu fallen.

Denn wenn uns Corona eines gelehrt hat, dann das: Niemals langfristig planen!

Charlotte Hoffmann

Als wäre der enorme sportliche Aufwand nicht schon hoch genug, ist die Verdenerin auch in der Schule ordentlich gefordert. Denn die 19-Jährige steckt zudem mitten in den Vorbereitungen auf die Abiturprüfung. „Auch das ist aktuell sehr kompliziert und nicht so schön, wie diese Zeit eigentlich sein sollte. Denn endlich ist man eine der Ältesten in der Schule und kann das alles gar nicht richtig genießen“, verweist Hoffmann neben dem Wechselmodell auch auf die vorgegebenen Kontaktbeschränkungen. Auch die dazugehörige und von allen Abiturienten extrem sehnsüchtig erwartete Motto-Woche muss wegen der Corona-Pandemie natürlich ausfallen. „Da geht uns schon jede Menge Spaß verloren. Aber es ist ja nun leider nicht mehr zu ändern“, erklärt die Verdenerin.

Auch in der Schule ist Charlotte Hoffmann extrem gefordert

Bezüglich ihrer Zukunft will Charlotte Hoffmann gar nicht so weit in die Zukunft blicken. „In diesem Jahr gebe ich mein Bestes und hoffe, dass ich meine sportlichen Ziele erreichen kann. Nach dem Abitur möchte ich schon studieren und tendiere da in Richtung Medizin. Und sollte es mit einem Platz in Hannover klappen, wäre das natürlich der Idealfall. Denn dann könnte ich dort auch weiterhin trainieren und hätte es zudem nicht so weit nach Hause“, gibt das große Rudertalent zu verstehen. „Aber letztlich lasse ich einfach alles auf mich zukommen. Denn wenn uns Corona eines gelehrt hat, dann das: Niemals langfristig planen!“

Von Kai Caspers

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