Bassenerin Lucy Holsten hat sich voll der Schiedsrichterei verschrieben

Mit Highspeed in die Regionalliga

Lucy Holsten hat als Fußball-Schiedsrichterin ein großes Ziel: Frauen-Bundesligaspiele leiten. Fotos (2): von Staden

Bassen - Von Frank Von Staden. Die junge Dame weiß aber mal, was sie will. So muss die 18-jährige Lucy Holsten auf die Frage, wie weit sie ihre noch junge Laufbahn als Fußball-Schiedsrichterin vorantreiben will, nicht lange überlegen, sagt: „Frauen-Bundesliga! Das ist mein Traum. Nein, darauf arbeite ich hin. Wie weit es bei den Männern geht, hängt von zu vielen Dingen ab. Aber die Fußball-Bundesliga der Frauen – ja, da würde ich irgendwann einmal zu gerne ein Spiel leiten.“

Nun, die Bassenerin, die aus einer fußballbegeisterten Familie stammt, ist schon jetzt auf dem besten Wege, ihr Ziel im Highspeed-Tempo zu erreichen. „Wie uns der Niedersächsische Fußballverband am 23. Mai mitteilte, steigt Lucy Holsten mit Beginn der Saison 2020/2021 in die Frauen-Regionalliga auf. Damit hat die kurze Karriere der 18-jährigen Schiedsrichterin einen neuen Höhepunkt erreicht. Hat sie doch erst im September 2016 mit jungen 14 Jahren ihre Prüfung zur Fußballschiedsrichterin abgelegt. In der Folge konnte sie den Schiedsrichterausschuss durch sehr gute Leistungen als Assistentin bis in die Herren-Landesliga überzeugen. So folgte schnell der Einsatz in der Frauen-Oberliga und der Herren-Kreisliga. Nun also der Aufstieg in die Regionalliga der Frauen. Wir freuen uns für Lucy und wünschen ihr bei den Entscheidungen immer ein glückliches Händchen und immer Gut Pfiff“, schreibt da der Schiedsrichter-Boss des Kreises Verden, Marcus Neumann, der demnächst sein Amt abgeben wird, auf der Homepage des NFV Kreis Verden.

Da Neumann der Bruder von Lucys Mutter Sandra – selbst lange Jahre Fußballerin – ist, könnte im ersten Moment durchaus „Vetternwirtschaft“ bei Lucys steilem Aufstieg vermutet werden. Doch der wahre Förderer der Gymnasiastin (12. Klasse) der Oytener IGS heißt da Daniel Ballin. Der Kreislehrwart hat schnell das Talent für die Schiedsrichterei in Lucy Holsten erkannt. „Er hat sie schon recht früh als Assistentin mitgenommen“, weiß da Vater Marco Holsten zu berichten, der in Bassen eine Fußball-Institution ist.

Die Schülerin begann früh mit dem Fußballspielen, lief zuletzt sehr erfolgreich in der Bezirksliga für den TSV Fischerhude-Quelkhorn auf, bei dem sie auch heute immer noch regelmäßig trainiert. „Ich finde es wichtig, den Kontakt zum Fußball, also dem Spielen, zu behalten, auch wenn die Schiedsrichterei für mich klar die Nummer eins ist. Doch durch selbst geführte Zweikämpfe weiß ich als Schiedsrichterin, was gesunde Härte und was ein Foulspiel ist. Dabei pfeife ich dann so, wie ich spiele. Ich versuche immer, so lange wie möglich den Spielfluss zu erhalten“, sieht die Kickerin dann vor allem in ihrer Gelassenheit auf dem Platz eine ihrer Stärken. So gab es durchaus schon knifflige Szenen, in denen Spieler ihren Unmut über eine Entscheidung freien Lauf ließen. „Vor allem in der Herren-Kreisliga kam das doch schon das eine oder andere Mal vor“, verrät die 18-Jährige und fügt dann schnell an: „Ich kann das aber gut wegstecken. Ich bin absolut kritikfähig und lerne immer weiter. Jedes Spiel, jede konstruktive Kritik bringt mich weiter, hilft mir auf meinem Weg, meine Ziele zu erreichen!“ Eigenschaften übrigens, die auch ihren Bruder Tom (20), ebenfalls mit Leib und Seele Fußball-Unparteiischer, auszeichnen – und die beide durchaus zu großen Teilen von ihrem Vater geerbt haben müssen. Denn Attribute wie Gelassenheit, innere Ruhe und Kritikfähigkeit zeichneten den einstigen Niedersachsenliga-Fußballer nicht nur zu seiner aktiven Zeit aus. Und noch eine Eigenschaft teilen Vater und Tochter. Lucy Holsten: „Ich liebe es einfach, im Training und im Spiel Zweikämpfe zu führen. Immer hart, immer fair. Deshalb lasse ich auch als Schiedsrichterin sehr viel laufen, weiß meistens, wenn mich ein Spieler oder eine Spielerin mit einer Schwalbe täuschen will.“

Große Vorbilder hat die junge Unparteiische in ihrem Fach nicht. Das Erreichte von Bibiana Steinhaus etwa, die als einzige Frau in der Herren-Bundesliga pfeift, beeindruckt Lucy Holsten zwar, „doch sind es eher die Größen aus unserer Region, an denen ich mich orientiere. An Harm Osmers natürlich. Er hat wie Bibiana bewiesen, dass man es mit unbedingtem Willen, Sachverstand und Disziplin weit bringen kann. Kim-Jasmin Meineke vom TSV Brunsbrock ist ebenfalls ein gutes Beispiel. Aber letztlich habe ich meine eigene Linie. Ich schaue mir einiges von ihnen ab und übernehme es in meinem Pfeifstil – wenn es zu mir passt!“

Diese Einstellung hat Lucy Holsten mit erst 18 Jahren bis in die Regionalliga der Frauen gebracht, in der sie der NFV für die kommende Saison berufen hat. Wann die allerdings beginnen wird, steht aufgrund der Corona-Pandemie noch in den Sternen.

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