Für Trainer Pavel Vovcenko ist eine längere Pause kostenmäßig nicht auszuhalten

Herausforderung für den Galopprennsport

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Trainer Pavel Vovcenko

Bollen - Von Jürgen Honebein. Seinen 50. Geburtstag hat sich Pavel Vovcenko (Achim-Bollen) sicher ganz anders vorgestellt. Am 24. April wird der gebürtige Tscheche, der seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Trainern von Galopprennpferden in Deutschland gehört, seinen Ehrentag nicht ohne Sorgen feiern können, denn durch die längst noch nicht ausgestandene Corona-Krise steht der Galopprennsport vor sehr großen Herausforderungen.

Wie und wann wird es auf deutschen und europäischen Rennbahnen weiter gehen? Stehen die Sponsoren auch nach der Corona-Krise weiterhin zur Verfügung? Haben die Rennvereine überhaupt eine Chance zu überleben? Wird der wichtige Basissport weiter den Ton angeben? Bricht der Umsatz ein? Hinter vielen Fragen steht auch für den Trainer aus Achim-Bollen, der zur Zeit rund 60 Pferde in seiner Obhut hat, ein dickes Fragezeichen.

Vor vielen Jahren war Pavel Vovcenko in seiner aktiven Zeit einer der besten Hindernisjockeys Deutschlands. Seine Trainerlaufbahn startete er im Jahre 2002 zunächst mit fünf Pferden in Achim-Bollen. Die Vollblüter trainiert der gebürtige Tscheche inzwischen aber seit 2006 auf der neu angelegten Trainingsanlage in Mahndorf. Bis heute hat der 49-Jährige fast 500 Sieger im In- und Ausland gesattelt. Dabei haben die von ihm vorbereiteten Pferde über 5,1 Millionen Euro zusammen galoppiert. Vovcenko wurde mehrfach Deutscher Meister der Hindernistrainer. Seine größten Erfolge hier alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Ein Höhepunkt war 2007 im Oktober der dritte Platz von It’s Gino im wichtigsten Galopprennen der Welt, dem „Prix de l’Arc de Triomphe“, in Paris. Es gab aber auch Siege in Rennen der Europagruppe II und III auf allen bekannten deutschen Rennbahnen. Bei den vielen Erfolgen über Hindernisse bleibt der Sieg von Kazzio mit dem siebenfachen deutschen Champion Cevin Chan (Blender) in Meran im „Gran Pemio Milano“, einem Rennen der Europagruppe I, unvergessen.

In der Saison 2019 gehörte Pavel Vovcenko mit über 30 Siegen im In- und Ausland zu den zehn erfolgreichsten Trainern in Deutschland. Auch in der jetzigen schwierigen Zeit ist der Achimer jeden Tag von früh morgens bis um 14 Uhr auf der Anlage in Mahndorf und kümmert sich um seine hochsensiblen Vollblüter: „Die Pferde müssen gefüttert werden, die Arbeitsjockeys für die Morgenarbeit eingeteilt werden, das Training auf der Bahn beobachtet werden und ich spreche immer wieder mit vielen Besitzern, um ihnen Mut zu machen. Ganz wichtig ist für mich, dass ich mich auf mein Personal verlassen kann.“ Einen fest angestellten Jockey hat Pavel Vovcenko zur Zeit nicht: „Darüber bin ich auch sehr froh, denn ich kann einen deutschen Spitzenjockey in der augenblicklichen Situation auch gar nicht bezahlen. Da ich aber zu allen deutschen Sattelkünstlern wie zum Beispiel Andrasch Starke, Maxim Pecheur, Eduardo Pedroza oder Jozef Bojko und Filip Minarek einen super Draht habe, sitzen nur die besten Jockeys auf meinen Pferden.“

Ein Rennpferd zu besitzen ist ein teures Hobby. Es kostet im Monat rund 1 200 Euro an Trainingskosten. Das heißt, um einigermaßen über die Runden zu kommen, muss ein Rennpferd im Jahr rund 15 000 Euro verdienen. Nicht viele Pferde schaffen das. In der augenblicklichen Corona-Krise ist zudem wichtig, dass die Besitzer zur Stange halten und nicht ihre Pferde aus dem Trainingsbetrieb nehmen. Je länger die rennsportlose Zeit noch dauert, je größer ist die Gefahr, dass die Besitzer ihre Pferde verkaufen oder auf die Weide schicken, um Trainingskosten zu sparen. Pavel Vovcenko trainiert zur Zeit 60 Pferde. „Ich hoffe, dass bald wieder in Deutschland Pferderennen stattfinden können, denn lange ist das kostenmäßig nicht auszuhalten“, sagt Vovcenko. Da auch in den Nachbarländern Frankreich und Italien zur Zeit keine Galopprennen stattfinden, kann auch dahin nicht ausgewichen werden. Es stellt sich auch die Frage, ob nach der Corona-Krise Sponsoren wegbrechen, da diese sicher genug mit sich selbst zu tun haben werden. „Es müssen vielleicht auch einmal Überlegungen an entsprechender Stelle angestellt werden, die Geldpreise für die großen Gruppenrennen zu halbieren und die Differenz dem Basissport zukommen zu lassen. Die Sieger in den großen Gruppe Rennen kommen oft aus dem Ausland und nehmen dadurch dem kleinen Besitzer das Geld weg. Der Basissport muss aber in Deutschland weiterhin gefördert werden, denn der Rennsport lebt von den kleinen Besitzern“, weiß der Achimer. Auch vorübergehend Renntage ohne Publikum auszutragen, ist für Pavel Vovcenko keine Lösung: „Da fehlen den Rennvereinen doch komplett die Eintrittsgelder und der gesamte Bahnumsatz.“ Der neue Dachverband des Galopprennsports heißt seit Ende Januar Deutscher Galopp. Von dort sind aber für die Aktiven und Bediensteten im Galopprennsport keinerlei finanzieller Hilfen zu erwarten. Die Aktiven sind in dieser existenziellen Krise ganz auf sich allein gestellt und müssen durch radikale Sparmaßnahmen auf allen Gebieten versuchen, die nächsten Monate irgendwie über die Runden zu kommen. Es müssen ganz fest die Daumen gedrückt werden, dass die Corona-Krise bald zu Ende geht und das dann auch wieder der Galopprennsport dazu beitragen kann, dass der Optimismus in Deutschland zurückkehrt und es wieder voran geht.

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