UNVERGESSEN Verdens Pokal-Hit gegen Werder

Hartmut Konschal: „Wie ein Lottogewinn“

Voll – voller – Verdener Stadion: Beim Hit in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals gegen Werder Bremen bot sich 1987 im weiten Rund ein imposantes Bild.
+
Voll – voller – Verdener Stadion: Beim Hit in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals gegen Werder Bremen bot sich 1987 im weiten Rund ein imposantes Bild.

Verden – Der 28. August 1987 wird Fußballern und Fans in Verden für immer im Gedächtnis haften bleiben. Freitagabend, 10 000 Zuschauer im proppevollen Stadion, der SV Werder Bremen macht seine Aufwartung. Nicht etwa im Freundschaftsspiel – nein, es ist die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal. Ein Pflichtspiel gegen den Bundesligisten von nebenan, das alle im Verein sowie im Landkreis seit Wochen elektrisiert hatte.

Und schon beim Einlaufen ins weite Rund herrschte eine Riesen-Atmosphäre – es kribbelte bei jedem. Für den damaligen Verbandsligisten TSV Verden, durch den Gewinn des Niedersachsenpokals für die 1. Hauptrunde des nationalen Wettbewerbs qualifiziert, blieb es trotz des 0:4 (0:1) ein einzigartiges Erlebnis. „Wie ein Lottogewinn. Dass uns das Los ausgerechnet Werder bescherte, diesen großen Nachbarverein, war einfach toll. Ein K.o.-Spiel gegen Otto Rehhagel – traumhaft“, erinnert sich Hartmut Konschal, damals Spielertrainer beim Underdog. Schließlich hatte er wie seine Schützlinge Helmut Haskamp, Wilfried Feldhaus, Andreas Mindermann und den viel zu früh verstorbenen Uwe Bracht eine grün-weiße Vergangenheit.

Der heute 67-Jährige aus Embsen schwelgt des Öfteren in Erinnerungen: „Es ergibt sich immer mal wieder, dass ich auf dieses Highlight angesprochen werde. Dann wird die Schublade mit alten Berichten aus meiner Verdener Zeit geöffnet.“ Viele Ereignisse kommen zum Vorschein, aber an erster Stelle für Konschal steht – wie könnte es anders sein – dieses legendäre Match des 28. August 1987.

„Es sollte nicht auf die Socken geben“

Die Spieler zu motivieren, war niemals zuvor so leicht gewesen – und es sollte auch niemals danach wieder so leicht werden. Dennoch gab es in der Vorbereitung etwas Besonderes. „Wir bezogen Quartier im Hotel Stadt Bremen. Irgendwie mussten wir das Pokalspiel ja entsprechend angehen“, blickt Konschal zurück. Worauf der Freistoßspezialist den größten Wert legte: Werder sollte in erster Linie mit fußballerischen Mitteln begegnet werden. „Wir wollten uns so gut wie möglich verkaufen. Aber es sollte nicht auf die Socken geben. Denn wie das ist, hatte ich oft genug am eigenen Leib gespürt“, lautete die Marschroute für die Allerstädter.

Und in der Tat machten die Gastgeber dem großen SVW das Leben mit defensiver Taktik äußerst schwer. Zwar bestimmten Norbert Meier und Co. das Geschehen eindeutig, ließen jedoch das letzte Quäntchen vermissen, um die Aufgabe zu einer Art Spaziergang zu machen. Nach Meiers 1:0 (34.) dauerte es fast bis zur 60. Minute, ehe der turmhohe Favorit mit dem 2:0 die tapfere Gegenwehr brechen konnte. Torschütze war Werders „Mister Europacup“ – Frank Neubarth. Die weiteren Treffer durch Frank Ordenewitz (71.) und abermals Meier (73.) ließen das Ergebnis gegen nachlassende Verbandsliga-Kicker wenigstens halbwegs standardgemäß erscheinen.

Gedächtnis-Auffrischung per Video für Neubarth

Bannbrecher also ausgerechnet Frank Neubarth, der mittlerweile den TSV-Nachfolgeverein FC Verden 04 in der Landesliga trainiert. Bis zu seinem Einstieg Ende April 2019 war dieser Kopfball aus dem Jahre 1987 völlig raus aus dem Gedächtnis für den 58-Jährigen, „bei so vielen Spielen gegen so viele kleinere Vereine im Pokal“, wie Neubarth heute erklärt: „Und so dramatisch ging es ja auch nicht zu.“

Erst als Henning Breves, Verdener Verteidiger im Jahrhundertspiel und aktuell 2. Vorsitzender des FC, bei einer Feier das Video vorführte, wurde das wichtige Tor wieder präsent bei Frank Neubarth. Und die Erinnerung, dass es doch ein spezielles Match für den Goalgetter war: „Eines der ersten nach langer Pause. Ich hatte mir ein dreiviertel Jahr zuvor im Europapokal gegen Atlético Madrid das Schienbein gebrochen und anschließend durch die Rekonvaleszenz gekämpft. Die stellte sich damals viel anders dar, als es heute Praxis ist. Und dauerte entsprechend länger.“ Der 28. August 1987 – im Rückblick also doch ebenfalls für Verdens jetzigen Coach kein ganz normales Datum.

Von Ulf Von Der Eltz

Großes Ereignis – großer Nachhall: Auf einer Sonderseite berichtete diese Zeitung ausführlich vom Jahrhundertspiel des TSV Verden im DFB-Pokal gegen Werder Bremen.
Wichtiger 2:0-Schütze per Kopf: Frank Neubarth. Im Hintergrund staunte Verdens Jens Böhning. Archivfoto: Scheele

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Meistgelesene Artikel

„Ich kann mich heute nicht multivieren“

„Ich kann mich heute nicht multivieren“

„Ich kann mich heute nicht multivieren“
TV Baden: Im Kaltstart gegen den Moerser SC

TV Baden: Im Kaltstart gegen den Moerser SC

TV Baden: Im Kaltstart gegen den Moerser SC
Und noch ein Jahr: Bischoff bleibt TSV Bassen treu

Und noch ein Jahr: Bischoff bleibt TSV Bassen treu

Und noch ein Jahr: Bischoff bleibt TSV Bassen treu
Krüger nun Cheftrainer, Gräser als Co

Krüger nun Cheftrainer, Gräser als Co

Krüger nun Cheftrainer, Gräser als Co

Kommentare