Gründer des Ottersberger Frauenfußballs steigt zum Saisonende aus / „Nicht mehr mein Verein“

Patrick Czichos hat die Nase voll

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Nur noch bis zum Saisonende engagiert sich Patrick Czichos für den TSV Ottersberg.

Ottersberg - Von Kai Caspers. Vor acht Jahren hat Patrick Czichos beim TSV Ottersberg den Mädchen- und Frauenbereich im Fußball aus der Taufe gehoben. Seitdem hat der 34-Jährige nicht nur viel Schweiß und Herzblut in das Projekt gesteckt. Auch in sportlicher Hinsicht gab es einige Erfolge. Mit dem Ende der Saison dürften die Uhren in Ottersberg dann aber etwas anders ticken. „Ich habe keinen Bock mehr. Dafür ist hier einfach zu viel passiert“, steht Czichos der Wümme-Elf nicht nur als Kreisliga-Trainer, sondern gar nicht mehr zur Verfügung.

Die Gründe für seinen kompletten Rückzug aus Ottersberg – sie sind vielfältig. Dabei hat Czichos mit seiner aktuellen Mannschaft keine großen Probleme. Im Gegenteil. „Wir sind ein Herz und eine Seele. Aber nach acht Jahren ist es sicher mal Zeit für neue Impulse. Denn gewisse Abnutzungserscheinungen sind schon zu erkennen“, gibt der 34-Jährige trotz der vergangenen Erfolge wie dem Aufstieg in die Bezirksliga und dem Kreismeistertitel und Pokalsieg unumwunden zu. Mit Torjägerin Annika Freymuth hat Czichos seine Nachfolgerin aber schon parat. „Annika wurde behutsam aufgebaut und trainiert nicht nur die B-Mädchen, sondern hat bei uns auch schon Einheiten geleitet. Daher sehe ich das auf einen guten Weg gebracht. Allerdings ist da ein gewisses Umdenken im Verein gefordert“, fordert Czichos, der bis dato „Mädchen“ für alles war, dringend Unterstützung. „Sollte die nicht kommen, bin ich mal gespannt, wie lange es noch Frauenfußball in Ottersberg gibt.“

Ein Engagement in einem anderen Verein ist für Czichos keine Option. „Ich will Abstand vom Frauenbereich gewinnen. Denn da liegt einiges im Argen. Vor allem die Einstellung zum Fußball gefällt mir nicht. Da wird der Sport eben nicht mehr so gelebt, wie es mir gefällt. Der Neidfaktor ist mir auch zu groß geworden. Zumal es zu oft in einem extrem Gezicke mündet. Da darf sich niemand wundern, dass der Frauenfußball in der Öffentlichkeit so ein schlechtes Bild abgibt. Das brauche ich einfach nicht mehr.“

Erst einmal in Fahrt, legte Czichos, der kein Mann der leisen Worte ist, dann noch einmal nach. „Ich bin in Ottersberg seit 1998 ehrenamtlich tätig. Aber was sich hier zuletzt alles getan hat, dafür habe ich kein Verständnis mehr. Das ist nicht mehr der Verein, wie ich ihn kennen und lieben gelernt habe“, prangert er die für ihn verfehlte Vereinspolitik an. „Da sind viele Personen in wichtigen Positionen, die das Klima vergiftet haben. Dadurch gingen Ottersberg einige gute Leute verloren. Sicherlich machen wir alle Fehler, da will ich mich nicht ausschließen, aber die aktuelle Entwicklung ist schon traurig“, vermisst Czichos in erster Linie die Identifikation mit dem Verein. Das größte Problem ist dabei für ihn das Oberligateam. „Die gesamte Kraft des Vereins wird auf dieses eine Baby gelegt. Für mich wurde dadurch viel kaputt gemacht. Dabei hat das Interesse, sicher auch weil keiner mehr die Spieler so wirklich kennt, doch merklich nachgelassen“, verweist der 34-Jährige auf die extrem mageren Zuschauerzahlen bei den Heimspielen der Wümme-Elf. „Was waren das noch für Zeiten, als wir mit einem großen Fanaufgebot selbst zu den Auswärtsspielen gefahren sind. Aber da waren auch noch ganz andere Personen am Ruder“, erinnert sich Czichos noch gerne an die jahrelange Ära von Henning Haltermann zurück.

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