INTERVIEW Der Clubmanager des Achimer Golfclubs kann trotz Corona nur bedingt klagen

Schmidt spricht von einem Luxusproblem

Mit entsprechendem Abstand trafen sich Sportredakteur Kai Caspers und Clubmanager Thomas Schmidt (rechts) zum Interview.
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Mit entsprechendem Abstand trafen sich Sportredakteur Kai Caspers und Clubmanager Thomas Schmidt (rechts) zum Interview.

Im Interview äußert sich Thomas Schmidt, Clubmanager des Achimer Golfclubs, zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Vor allen Dingen die steigenden Mitgliedszahlen sorgen bei ihm für jede Menge Freude. Aber auch der Stress ging nicht spurlos an ihm vorbei.

  • Thomas Schmidt spricht von einer skurrilen Situation
  • Mitgliederzuwachs in allen Altersklassen
  • Kein Aufnahmestopp in Achim

Achim – Nachdem Sturmtief Klaus nun endgültig vorbeigezogen ist, herrschen wieder gute äußere Bedingungen zu dieser Jahreszeit. Das unterstreicht ein Blick auf den Parkplatz des Achimer Golfclubs, der auch zur Mittagszeit voll besetzt ist. Während sich fast alle anderen Sportler im Zuge der Corona-Pandemie noch im Lockdown befinden, gestaltet sich die Lage für die Golfer deutlich erfreulicher. Denn sie können ihrem Hobby weiter nach Herzenslust frönen. Im Gespräch äußert sich Achims Clubmanager Thomas Schmidt zur aktuellen Lage und wagt zudem einen Ausblick.

Auf den ersten Blick hat sich beim Golf auch in Zeiten von Corona nur wenig verändert. Müssen Sie sich mitunter selber mal ein bisschen kneifen?

Auf jeden Fall. Für uns ist das seit dem sechsten Mai schon eine skurrile Situation. Denn wie alle anderen waren auch wir im März und April verunsichert, wie es denn nun weitergeht. Es gab zwar vereinzelte Stimmen, die gesagt haben, dass der Golfsport ein Profiteur werden kann, da wir draußen sind und wunderbar Abstand halten können. Aber letztlich hat die Unsicherheit überwiegt.

Ab wann wurden mögliche Bedenken denn über Bord geschmissen?

Dass der Golfsport ganz gut in die Pandemie passen könnte, hat sich erst nach drei oder vier Monaten herauskristallisiert. Sehr gut zu sehen an den Mitgliederzahlen, die stetig gewachsen sind. Denn wir hatten einen enormen Zulauf. Daher kann ich schon von einer unglaublichen Saison sprechen.

Betrifft der Zulauf an Mitgliedern nur die älteren Semester, oder zieht sich das durch alle Altersklassen?

Das ist definitiv so. Auch viele junge Leute haben Golf für sich entdeckt. Damit meine ich die Altersklasse zwischen 21 und 35. Das ist natürlich sehr interessant. Denn in den vergangenen Jahren war genau diese Gruppe eher selten hier vertreten.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Ganz klassisch könnte man sagen, dass sie sonst eher im Fitnessstudio waren. Und da diese lange Zeit geschlossen waren und jetzt auch wieder sind, war Golf für viele eine gute Alternative. Zumal wir ja auch im Winter von den Lockdowns nicht betroffen waren und weiterhin auch nicht sind. Daher bin ich jeden Tag, wenn ich zur Anlage komme und den Parkplatz sehe auch froh.

Gerüchten zu Folge sollen die Mitgliederzahlen tatsächlich explodiert sein. Können Sie das bestätigen?

Explodiert ist vielleicht nicht das ganze richtige Wort, da wir auch in der Vergangenheit schon immer ein stark frequentierter und sehr aktiver Club waren. Aber der Zulauf im Rahmen der Krise haben, wenn ich es mal etwas überspitzt formulieren will, das Fass zum Überlaufen gebracht. Um es mal anders zu formulieren. Unser Platz verträgt eigentlich nicht noch mehr Mitglieder, als aktuell schon hier sind.

Reger Betrieb herrschte auf der Driving Range des Achimer Golfclubs.

Bedeutet das, dass keine n neuen Mitglieder aufgenommen werden?

Nein, wir haben keinen Aufnahmestopp. Aber im Gegensatz zur Vergangenheit haben wir aktuell alle Werbeaktionen für den Club komplett runtergefahren. Wir nehmen natürlich noch neue Mitglieder auf, aber wir forcieren es nicht mehr. Dennoch bieten wir auch weiterhin Schnupperkurse an, um den Golfsport kennenzulernen. Aber auch die sind nicht mehr wöchentlich. Daher muss ich mich schon immer mal wieder kneifen. Denn das ich das ich als Clubmanager in der Golfbranche mal sage, das ist schon außergewöhnlich.

Glauben Sie, dass die Entwicklung überwiegend der Situation geschuldet ist, oder setzt sich der Trend fort?

Das gilt es abzuwarten, wie nachhaltig das jetzt ist. Denn die Krise ist ja nicht mit der Impfung vorbei. Auch wenn die Golfbranche aktuell den größten Wachstum seit zehn Jahren erfährt. Daher gilt es abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt, wenn der komplette Sport wieder ausgeübt werden darf. Auf der einen Seite glaube ich zwar nicht, dass dann alle wieder abwandern. Denn Golf ist schon eine Sportart, die einen regelrecht begeistert und dann so schnell nicht wieder loslässt. Aber ich kann es auch nachvollziehen, wenn jeder wieder zu seinem Sport zurückkehrt. Aber Stand heute gehe ich schon davon aus, dass die nächsten beiden Jahre schon für einen kleinen und nachhaltigen Boom im Golfsport sorgen.

Was könnte doch dagegen sprechen?

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind natürlich ein unkalkulierbares Risiko. Denn wenn jemand zwar dabeibleiben will, es aber nicht mehr leisten kann, dann wird der den Golfsport wieder verlassen. Aber das haben wir nicht in der Hand. Daher bin ich auch eher einer, der noch etwas auf der Bremse ist.

Was meinen Sie damit?

Na ja, der Platz ist aktuell ja extrem voll. Da werden bereits die ersten Rufe nach einem Ausbau für mehr Kapazitäten laut. Aber das kommt für mich eindeutig zu früh. Sollte es bei der Entwicklung bleiben, ist das vielleicht ein Thema in zwei oder drei Jahren.

Derzeit dürfte es vor allen Dingen am Wochenende dann scheinbar ein Hauen und Stechen um die Startzeiten geben, oder?

Das ist von Montag bis Sonntag so. Das ist natürlich ein bisschen dem Lockdown geschuldet, da derzeit ja quasi kaum Alternativen geboten werden. Jetzt geht es einfach nur darum, wann bekomme ich meine Startzeit. Und da spielen Tage keine Rolle.

Welche Regeln sind derzeit bindend für die Spieler, die auf den Platz wollen?

Aktuell arbeiten alle Golfanlagen mit einem Startzeiten-System. Das ist für uns nicht neu, da wir es schon seit 2013 praktizieren. Gebucht werden muss zwischen 6 und 22 Uhr und die Flights werden dann in Abständen zwischen acht und zehn Minuten auf die Runde geschickt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass derzeit nur maximal zwei Personen zusammenspielen können. Zwar gab es schon Lockerungen, dass sich bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen, doch das ist für unser System kaum zu überprüfen. Der große Vorteil ist, dass die Spieler somit zehn Minuten vor und zehn Minuten nach sich niemanden haben und im Grunde genommen niemandem begegnen müssen. Und das ist natürlich eine ideale Situation, da nur eine sehr geringe Ansteckungsgefahr besteht.

Sind nur Mitglieder startberechtigt?

Von November bis zur letzten Woche haben wir tatsächlich nur unseren Mitgliedern ein Spielrecht gewährt, da die Kapazitäten einfach begrenzt waren. Da die Tage jetzt aber wieder länger werden, können jetzt auch wieder Gäste bei uns spielen. Die haben allerdings eine andere Buchungsvoraussetzung und können nicht wie unsere Mitglieder acht Tage im Voraus bis zu vier Startzeiten buchen. Das wird sich aber ändern, wenn wieder zu viert gespielt werden darf.

Die Infektionszahlen steigen wieder. In diesem Zusammenhang wird schon von weiteren Schließungen gesprochen. Könnte es dann auch den Golfsport treffen?

Die Schlüssigkeit in den Beschlüssen lässt mitunter ja zu wünschen übrig. Aber sicher war bis dato immer, egal on Lockerungen oder Verschärfungen war Golf in Niedersachsen immer erlaubt. Daher würde es mich schon sehr wundern, wenn es dazu käme. Es sei denn, das gesamte Land wird noch einmal komplett runtergefahren.

Kommen wir mal zu Ihnen. Wie beurteilen Sie persönlich das vergangene Jahr? Was hat es mit Ihnen gemacht?

Es war ein sehr zeitintensives und forderndes Jahr. Vor allen Dingen der Winter, der üblicherweise unsere Nebensaison ist, in dem wir unsere Akkus wieder aufladen. Und da spreche ich bestimmt für alle unsere Mitarbeiter. Üblicherweise ist der 31. Oktober der Tag, auf den wir alle ein wenig hinfiebern. Denn da beginnt für uns die Nebensaison, können alle etwas zur Ruhe kommen. Auch ich habe mich zum ersten Mal in meinem gesamten Berufsleben darauf gefreut, da ich auf etwas Entspannung gehofft habe. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Es wurde im Zuge der ganzen Dinge, die es zu erfüllen galt, noch stressiger. Aber dennoch macht es mir auch immer noch großen Spaß, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Was meinen Sie damit?

Auch ich könnte zwei Wochen Urlaub gut gebrauchen. Und damit meine ich nicht zu Hause im eigenen Garten, zumal ich nur drei Kilometer von der Anlage entfernt wohne. Denn auch wenn ich nun in anderen Ländern darf, will ich mich nicht mit 300 anderen Leuten in einen Flieger setzen. Und das fehlt einfach. Denn in den Jahren zuvor war ich schon den ganzen Januar zumeist weg. Darüber hinaus würde ich mir mitunter auch von einigen wenigen Mitgliedern etwas mehr Verständnis wünschen.

Inwiefern?

Denke ich an den 6. Mai zurück, war ich für alle die ersten drei Monate der Held. In den letzten Wochen ist die Stimmung aber gekippt. Jede Regelung oder Einschränkung, die ich zum Wohle aller einführen musste, beurteilt natürlich jeder Einzelne anders. Und die Diskussionen im Büro oder am Telefon hätte ich mir gerne erspart. Oft sind das immer die gleichen Personen, die dann aber auch besonders laut sind. Wenn ich sehe, wie viel Arbeit und Emotionen ich in diese Anlage stecke, frage ich mich in solchen Fällen dann mitunter schon, warum ich das alles mache. Aber letztlich mache ich den Job einfach zu gerne. Auch wenn er mich derzeit extrem fordert. Und wenn ich dann sehe, dass wir als Golfclub mit unseren Mitgliederzahlen mehr als zufrieden sind und ich in erster Linie organisieren muss, wie alle auf den Platz kommen, dann ist das doch sensationell. Ein echtes Luxusproblem!

Von Kai Caspers

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