UNVERGESSEN TB Uphusen verpasst durch 1:4 gegen Rehden Einzug in den DFB-Pokal

Der geplatzte Traum vom Jackpot

Etwas ratlos nach seinem folgenschweren Patzer: Mateusz Peek.

Uphusen - Von Kai Caspers. Als sich Sedat Yücel am 21. April 2014 in der 69. Minute gemächlichen Schrittes auf den Weg zum Elfmeterpunkt machte, wurde es unter den 1400 Zuschauern auf dem Sportplatz am Arenkamp auf einmal mucksmäuschenstill. Denn nicht nur Andre Schmitz, seinerzeit Trainer des Fußball-Oberligisten TB Uphusen, war sich sicher, dass Yücel im Erfolgsfall das Tor zum großen Traum DFB-Pokal ganz weit aufstoßen könnte. Aber dem Linksfuß des TBU versagten beim Zwischenstand von 1:2 die Nerven und er scheiterte an Celio Rocha, Torhüter des Regionalligisten BSV Rehden. Als die Gäste dann nur fünf Minuten später das 3:1 erzielten, war der Uphuser Traum vom Jackpot im Halbfinale des NFV-Pokal endgültig geplatzt. Am Ende hieß es sogar 1:4 und die Rehdener zogen in den DFB-Pokal ein. Dort scheiterten sie in der ersten Runde mit 3:4 nach Elfmeterschießen am VfR Aalen.

Noch heute denkt Schmitz gerne an das bis dato größte Spiel in der Uphuser Vereinsgeschichte zurück. „Doch angeguckt habe ich es mir nicht ein einziges Mal. Lediglich die für mich entscheidende Szene habe ich im Nachgang noch einmal angeschaut und kann die Entscheidung von Schiedsrichter Sven Schlickmann nach wie vor nicht verstehen“, erklärt der aktuelle Trainer des Diepholzer Kreisligisten TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Dem Uphuser Strafstoß in der 69. Minute war ein Foul von Francis Banecki, Dreh- und Angelpunkt im Rehdener Spiel, vorausgegangen. Doch zum Entsetzen der Uphuser kassierte der bereits vorbelastete Ex-Profi des SV Werder Bremen nicht die Gelbe Karte, sondern wurde vom Schiedsrichter lediglich verwarnt. Eine Tatsache, die Schmitz nur schwer nachvollziehen konnte. „Auf meine Intervention habe ich nur zu hören bekommen, dass Rehden mit dem Elfmeter ja schon bestraft genug ist“, schüttelt der 48-Jährige noch heute mit dem Kopf. Da nützte es auch nichts, dass BSV-Coach Björn Wnuck ihm nach Spielende beipflichtete: „In der Szene hatten wir definitiv doppeltes Glück. Denn unser Torhüter pariert nicht nur den Elfmeter, sondern auch Francis musste nicht mit Gelb-Rot vom Platz.“

Der Ärger über den nicht gegebenen Platzverweis – er wäre auf Seiten der Uphuser dennoch vermutlich schnell verflogen gewesen, wenn Yücel den Strafstoß verwandelt hätte. „Ich weiß nicht, was Sedat damals geritten hat. Er war unser sicherster Schütze und hat eigentlich immer unten rechts geschossen. Warum er ausgerechnet in diesem Spiel dann halbhoch in die linke Ecke schießt – keine Ahnung. Es war nur richtig bitter, da wir zu dem Zeitpunkt der Partie mächtig am Drücker waren und Rehden nicht mehr viel zustande gebracht hat“, so Schmitz. Und auch TBU-Kapitän Oktay Yildirim bezeichnete den Fehlschuss als Knackpunkt. „Machen wir da den Ausgleich, gehen wir auch als Sieger vom Platz.“

Noch zu Beginn der Partie hatte es ganz danach ausgesehen, als wäre der Druck für den einen oder anderen Uphuser in Anbetracht der großen Kulisse doch etwas zu groß. Dabei hätte der TBU eigentlich nur so strotzen müssen vor Selbstbewusstsein. Denn in den beiden Runden zuvor hatten die Gastgeber mit dem SV Meppen (7:6 nach Elfmeterschießen) und einer Galavorstellung beim 5:1 über den SV Wilhelmshaven bereits zwei favorisierte Regionalligisten aus dem Pokal gekegelt. Als Rehdens Kifuta Kiala Makangu schon in der neunten Minute einen Stellungsfehler in der Hintermannschaft des TBU zum 0:1 nutzte, drohten die Träume vom Einzug in den DFB-Pokal schnell zu platzen. „Das war aber scheinbar genau der Weckruf, den wir gebraucht hatten. Denn in der Folge haben wir guten Fußball gespielt und waren auf jeden Fall ein ebenbürtiger Gegner“, so Schmitz. Das spürten auch die TBU-Fans und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Mit Erfolg. Denn in der 18. Minute war es Goalgetter Saimir Dikollari, der nach einem langen Pass von Sebastian Koltonowski für den 1:1-Ausgleich sorgte. Damit hatte die Stimmung auf dem rappelvollen Arenkamp ihren vorläufigen Siedepunkt erreicht. Kaum vorstellbar in welch ungeahnte Höhen sie geschnellt wäre, wenn Dikollari in der 37. Minute nicht seinen Meister in BSV-Keeper Rocha gefunden hätte.

Auch die zweite Halbzeit begann alles andere als optimal für den TBU. Denn nach einem langen Ball der Rehdener schien die Situation bereits geklärt. Doch anstatt den Ball kompromisslos zu klären, wollte Uphusens Innenverteidiger Mateusz Peek die Situation spielerisch lösen und leistete sich dabei ein völlig überflüssiges Foul im Strafraum – Elfmeter. Diesen verwandelte Danny Arend sicher zum 1:2 (60.). Was folgte, war die fatale 69. Minute. Denn nach Yücels vergebenen Strafstoß und dem nicht gegebenen Platzverweis für Banecki sorgte Christian Hegerfeld mit dem 1:3 (74.) durch einen direkt verwandelten Freistoß für die Vorentscheidung. Und der Gegentreffer war doppelt bitter für die Gastgeber. Denn zum einen ging dem Freistoß eine Schwalbe von Makangu voraus und zum anderen machte TBU-Torhüter Oliver Blum beim folgenden Schuss keine gute Figur. Kein Wunder, dass die Enttäuschung im Anschluss bei allen Beteiligten ziemlich groß war. Schmitz: „Natürlich waren wir danach alle ziemlich geknickt. Das ist doch klar. Denn so eine Chance bekommt man nicht so oft. Mit etwas Abstand war jedoch allen klar, dass wir eine richtig gute Saison gespielt haben. Und trotz der Niederlage gegen Rehden war das der Höhepunkt. Allein der Zuspruch der ganzen Fans an diesem Tag – das war der Wahnsinn und eine Bestätigung für unsere Leistungen.“

Dass die Rehdener in der ersten Runde des DFB-Pokals dann mit dem VfR Aalen alles andere als einen attraktiven Gegner zugelost bekamen – für Schmitz spielte es nur eine nebensächliche Rolle. „Ich bin mir sicher, dass wir dieses Los nicht erwischt hätten. Der Traum von mir und Co-Trainer Sven Zavelberg wäre definitiv Schalke 04 gewesen. Leider ist daraus nichts geworden. Auch wenn es für uns extrem viel Arbeit bedeutet hätte, da wir in Uphusen auf keinen Fall hätten spielen dürfen. Aber die hätten wir gerne in Kauf genommen und wären vermutlich nach Verden oder Oberneuland ausgewichen. Aber es hat nicht sollen sein. Dennoch werde ich das Spiel so schnell nicht vergessen und bekomme selbst jetzt beim Erzählen noch eine Gänsehaut!“

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