NFV will Ü-Meisterschaften Flair rauben

Gehrke: Seine letzte Patrone

Friedel Gehrke mit den Niedersachsenrössern, die als Trophäe für die zukünftigen Ü-Sieger aus Kostengründen eingespart werden sollen.
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Friedel Gehrke mit den Niedersachsenrössern, die als Trophäe für die zukünftigen Ü-Sieger aus Kostengründen eingespart werden sollen.

Geht es nach dem Willen des NFV-Spielausschussvorsitzenden Jürgen Stebani und den neuen Machern der Fußball-Niedersachsenmeisterschaften für Senioren-Teams, dann könnten der bisherige Modus und auch der immer so hochgelobte Charme dieser Titelkämpfe bald zu Grabe getragen werden. Dagegen macht jetzt einer der Väter dieser Meisterschaften, der Achimer Friedel Gehrke, mobil.

Achim/Barsinghausen – Friedel Gehrke, einer der „Väter“ der niedersächsischen als auch deutschen Ü-Fußballmeisterschaften, zeigt sich in diesen Tagen in Sorge. Denn der Achimer befürchtet, dass zumindest diese NFV-Titelkämpfe ihr ganz besonderes Flair verlieren und quasi zu reinen Pokalturnieren verkommen. Hintergrund ist eine Beschlussvorlage des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), nach der der Modus von Oldie-Landesmeisterschaften grundlegend geändert werden soll.

Vereine sollen Veto einlegen

So könnten, wenn es von den Kreisverbänden und den Vereinen kein Veto gibt, bei den Titelkämpfen der Ü32-Teams nur noch 48 Mannschaften in die Qualifikation gehen, Startgelder entfallen, dafür gibt es auch keine Siegprämien mehr. Ähnliches gilt für die Ü40 als auch für die Ü50. Dort soll es nur noch zwei Quali-Runden mit 56 Klubs geben, die Finalturniere würden dann nur noch 16 Mannschaften sehen. Auch hier entfallen sowohl Startgelder als auch Siegprämien. Die Teilnahme an der traditionellen Players Night, dem fußball-familiären Highlight, wäre nicht mehr verpflichtend, sondern freiwillig.

„Diese Regelungen sollen auch für das Ü40-Hallenturnier mit maximal 16 Mannschaften gelten. Die Ü60-Meisterschaften bleiben ein Einladungsturnier, auch hier ist das Limit 16 Teams und die Teilnahme an der Players Night freiwillig“, schüttelt da Gehrke nur mit dem Kopf.

Keine Pflicht für Players Night mehr

Den Hauptverantwortlichen für diese Verschlankung hat der Achimer dabei schon längst ausgemacht: Den NFV-Spielausschussvorsitzenden Jürgen Stebani, der den Wegfall von immer mehr Ehrenamtlichen und stetig steigende Kosten befürchtet. Stebani berief kürzlich eine Arbeitstagung ein und stellte dem Spielausschuss und den Nachfolgern von Gehrke, der seine Funktionärslaufbahn, wie ausführlich berichtet, nach Corona dann auch ganz offiziell aufgibt, den neuen Modus vor. Allerdings: Es ist bisher nur ein Vorschlag, der als Diskussionsgrundlage dienen soll. Am Ende müssen die Kreisvorsitzenden in Niedersachsen ihr Okay geben.

„Wenn das Konzept von Jürgen Stebani tatsächlich umgesetzt wird, dann würde es auf kurze Dauer das Einschlafen der NFV-Ü-Meisterschaften bedeuten. Unsere 34-jährige Aufbauarbeit für den NFV-Ü-Fußball, der dadurch unter den 21 DFB-Verbänden eine Spitzenstellung erreichte – worauf der NFV immer sehr stolz war, wird damit alternativlos abserviert. Aber warum? Geht es in erster Linie um Kostenersparnis? Wenn ja, dann sollte es der NFV auch ehrlich so kommunizieren“, so Gehrke, der Stebani schon früher einen eigenen Alternativplan für die Ü32 vorgelegt hatte, „der bei ihm aber keinen Anklang fand!“

Endrundenfelder werden stark verkleinert

Der 70-Jährige fährt fort: „Jetzt soll das Endrundenfeld bei den Ü40-ern bis Ü60-ern von 32 auf jeweils 16 Teams reduziert werden, Startgeld und Solibeitrag und in der weiteren Folge auch das Ü-Endrunden-Statussymbol des NFV, die Niedersachsenpferde, fallen weg. Damit erhält auch kein Ausrichter mehr den bisher vom NFV gewährten Einmalzuschuss von 1000 Euro. Welcher Verein soll denn auf Dauer gesehen noch Lust und Interesse daran haben, eine Ü-Endrunde ausrichten zu wollen? Der NFV sägt gerade den Ast ab, auf dem er sitzt! Zudem gibt der NFV seine Alleinstellungsmerkmale gegenüber den anderen 20 DFB-Verbänden ohne Not auf.“

Kein anderer DFB-Landesverband präsentiert seine Ü-Meisterschaften bis dato so prägnant, nachhaltig und inspirierend wie der NFV. Die teilnehmenden Mannschaften waren in der großen Mehrzahl stets begeistert vom jeweiligen Ablauf des Turniers, dem gemeinsamen Abendessen, der Siegerehrung im Zelt oder im Saal und der sich zwangsläufig ergebenden Geselligkeit als auch Kommunikation. All das war der Grund bisher dafür, dass fast alle Ü-Mannschaften – nicht nur aus dem Kreis Verden – unbedingt in die Quali-Runden wollten, um letztlich das ganz besondere Flair der Endturniere aufsaugen zu können.

Welcher Verein soll denn auf Dauer gesehen noch Lust und Interesse daran haben, eine Ü-Endrunde ausrichten zu wollen? Der NFV sägt gerade den Ast ab, auf dem er sitzt!

Friedel Gehrke

„In der freien Marktwirtschaft würden sich die Verantwortlichen die Finger danach lecken, solche Alleinstellungsmerkmale ihr eigen nennen zu dürfen. Der NFV ist zur Aufgabe bereit, ohne mit der Wimper zu zucken“, kann Gehrke, das Vorpreschen Stebanis einfach nicht verstehen. Er ist zwar seit dem 30. Juni 2020 aus seinem Amt als NFV-Ü-Beauftragter vorzeitig ausgeschieden und könnte alles seinen Verlauf nehmen lassen. „Ich habe aber nicht schlagartig mein Interesse am NFV-Ü-Fußball verloren und sehe es deshalb als meine Pflicht an, alle Endrundenmannschaften 2020/21 rechtzeitig darüber zu informieren, wie konkret der Verfall des NFV-Ü-Fußballs nunmehr eingeläutet werden könnte! Es liegt jetzt bei den Vereinen und ihren Mannschaften, dass sie sich an ihren jeweiligen Kreisvorsitzenden wenden und ihnen aufzeigen, dass die geplante Reform nicht in ihrem Sinne ist“, verschießt Gehrke mit diesem Appell quasi seine letzte Patrone, bevor auf der nächsten Obleutetagung im Mai 2021 ein Beschluss gefasst wird.

Im Mai wird entschieden

Abschließend macht der Achimer noch einmal deutlich, was die geplante Magerkost für Konsequenzen haben könnte: „ Der Wegfall der inoffiziellen Anwesenheitspflicht bei den Endrunden, des Startgeldes, des Solibeitrages und die parallel gewünschte Runtersetzung auf nur noch 16 Endrundenteilnehmern je Ü-Endrunde nimmt potenziellen Ausrichtern die Sicherheit auf eine auch in finanzieller Hinsicht gelingende Veranstaltung. Das Risiko wird einfach zu hoch, folglich werden Ausrichtungsbewerbungen über kurz oder lang ausbleiben!“

Von Frank Von Staden

Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick

Ü32: Der bisherige Spielmodus bleibt bestehen mit 48 Mannschaften in der Qualifikation (Anmerk.: Bisher waren es 96 Teams) und vier fixen Finalteilnehmern. Startgelder entfallen, keine Siegprämien mehr. Ob weiterhin eine Abendveranstaltung in der Karl-Laue-Halle stattfinden soll, wird noch diskutiert.

Ü40/Ü50: Nur noch zwei Quali-Runden mit 56 Teams und zwei fixen Finalteilnehmern (Ausrichter + Titelverteidiger). Die Finalturniere bestreiten nur noch 16 Mannschaften. Startgelder und Solidarbeiträge entfallen, keine Siegprämien und keine Spenden mehr. Keine Pflichtteilnahme an der sog. Players Night, für die Teams nur noch freiwillig.

Ü40 Halle: Keine Qualifikation, Kreise melden weiterhin Teilnehmer. Das Turnier sollte aber auch nur mit 16 Teilnehmern stattfinden. Startgelder und Solidarbeiträge entfallen, keine Siegprämien und keine Spenden mehr. Keine Pflichtteilnahme an der sog. Players Night, für die Teams nur noch freiwillig.

Ü60: Wenn sich Ausrichter finden, wird dieses vom NFV unterstützt. Weiterhin Einladungsturnier. Teilnehmerfeld sollte auch auf 16 Teams reduziert werden. Keine Pflichtteilnahme an der sog. Players Night, für die Teams nur noch freiwillig. Zur Saison 2021/22 wird im DFBnet erstmalig auf Kreisebene auch die Altersklasse „Altsenioren Ü60“ für eine (mögliche) Spielplanung eingerichtet.

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