Fußball-Schiedsrichter des SV Baden pfeift das Bundesliga-Eröffnungsspiel

Ritterschlag für Harm Osmers

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Szene aus der vergangenen Saison im Spiel zwischen dem Spiel FC Bayern und Hertha BSC: Beide Mannschaften stehen um Schiedsrichter Harm Osmers nach der Roten Karte für Berlins Karim Rekik (3.v.r.) aufgrund einer Tätlichkeit an Robert Lewandowski (am Boden) herum.

Ab Freitag wird endlich wieder scharf geschossen in der Fußball-Bundesliga, eröffnen der amtierende Deutsche Meister FC Bayern München und die Hertha aus Berlin offiziell die Saison 2019/20. In den fußballverrückten Haushalten wird morgen Abend spätestens ab 20 Uhr der Gerstensaft kaltgestellt und die Nervennahrung griffbereit gelegt. Denn es ist ein Spiel, das die Fans schon jetzt elektrisiert. Und das von einem Unparteiischen geleitet wird, für den es bei den Wettanbietern eine Top-Quote gegeben hätte, wenn man im Vorfeld auf ihn hätte tippen können: Harm Osmers vom SV Baden (Landkreis Verden).

Hannover/München – Erst seit drei Jahren pfeift der 34-Jährige in der Bundesliga, bringt es bis dato auf 34 Erstligaspiele und darf somit durchaus noch als Greenhorn in der Beletage der deutschen Fußball-Schiedsrichter bezeichnet werden. Eigentlich ist solch ein Spiel den Arrivierten seiner Zunft vorbehalten. Welche, die sich auch schon international bewährt haben. Doch ein Großteil der deutschen Top-Unparteiischen kommen für die Partie gar nicht erst in Frage. Manuel Gräfe, Dr. Felix Brych oder auch Deniz Aytekin zum Beispiel kommen aus Bayern oder Berlin und dürfen daher nicht eingesetzt werden. Einige Referees sind außerdem noch verletzt. Allerdings wird dem Schiedsrichter-Boss und gleichzeitig -Ansetzer des DFB, Lutz-Michael Fröhlich, nachgesagt, dass er gern auf den Nachwuchs setzt. Osmers, für den diese Nominierung einem Ritterschlag gleichkommt: „Na ja, ich gehe nun in meine vierte Bundesliga-Saison. Da kann man nicht mehr unbedingt von einem Greenhorn sprechen. Irgendwann muss man nun mal mit großen Spielen anfangen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Wahl auf mich gefallen ist!“ 

Große Nervosität verspürt der Diplom-Betriebswirt dabei nicht. Immerhin leitete er schon wieder drei Partien in diesen Wochen. Unter anderem das Zweitliga-Match zwischen Nürnberg und dem HSV oder auch die Pokal-Begegnung der Magdeburger gegen den SC Freiburg. „Natürlich weiß ich, dass das Spiel in München einen besonderen Charakter hat. Immerhin wird es in über 200 Ländern der Welt live übertragen. Dennoch werden mein Team und ich uns nicht anders als sonst vorbereiten. Wir haben da einen automatisierten Rhythmus. Ich denke, es wird alles so wie immer sein“, gibt sich Osmers da nicht nur gespielt gelassen. Der in Hannover lebende Unparteiische leitete bereits in der vergangenen Saison das Spiel zwischen den Bayern und Hertha (1:0). Dabei hatte er einen echten Aufreger, als er Herthas Karim Rekik in der 84. Minute vom Platz stellte. Der Berliner hatte Bayern-Stürmer Robert Lewandowski nach einem Zweikampf mit dem Arm krachend im Gesicht erwischt. Osmers: „Insgesamt habe ich bisher zweimal diese Paarung auf dem Zettel gehabt. Aber natürlich unter anderen Voraussetzungen.“ 

„Natürlich weiß ich, dass das Spiel in München einen besonderen Charakter hat. Immerhin wird es in über 200 Ländern der Welt live übertragen“, sagt Harm Osmers.

Was dieses Eröffnungsspiel zudem besonders macht: Erstmals wird die Auslegung der neuen FIFA-Regeln im Erstligabetrieb angewandt. „Da hat diese Partie so etwas wie Symbolcharakter für die weitere Saison. Und ist ein Fingerzeig für die unteren Klassen, in denen die neuen Regeln ja schon zur Anwendung kommen“, weiß der Familienvater. Viele Fans aus der ganzen Welt bekommen so einen ersten Eindruck davon, wie streng oder locker die Schiedsrichter die Interpretation des Regelwerks in der kommenden Spielzeit handhaben werden. 

Osmers: „Natürlich kenne ich das neue Regelwerk bereits wie meine Westentasche. Abweichungen von der Linie wollen und werden wir als Team vermeiden, damit nicht der Eindruck entsteht, dass bei uns Schiedsrichtern unterschiedliche Standards gelten könnten. Alles soll nachvollziehbar und einheitlich sein.“ Dass diese Ansetzung aber nun gleichzeitig ein Hinweis dafür ist, dass der 34-Jährige zukünftig auch für internationales Terrain vorgesehen ist, wischt Osmers schnell vom Tisch, sagt: „So ordne ich das weiß Gott nicht ein! So etwas wird doch nicht an nur einem Spiel festgemacht. Konstanz heißt da das oberste Gebot. Mein Ziel ist es, mich stetig zu verbessern. Und natürlich möchte ich irgendwann soweit sein, dass ich auch international nominiert werde. Doch das hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur von diesem einen Spiel!“ Und dennoch: Die Welt schaut am Freitag nicht nur auf den Ist-Zustand des Deutschen Meisters, sondern richtet auch ihre Augen gezielt auf Harm Osmers.

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