START IN DIE SAISON Verdens Kader arg ausgedünnt

Frank Neubarth tritt auf die Bremse

Die beiden Trainer präsentieren vier ihrer Neuzugänge: Verdens Coach Frank Neubarth (links) sowie sein Co-Trainer Andreas Dreßler (rechts) freuen sich vor der Landesliga-Saison auf die Zusammenarbeit mit Fredi Bormann, Ole Brüns, Mattes Thölke und Lars-Benedict Buhr (von links).
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Die beiden Trainer präsentieren vier ihrer Neuzugänge: Verdens Coach Frank Neubarth (links) sowie sein Co-Trainer Andreas Dreßler (rechts) freuen sich vor der Landesliga-Saison auf die Zusammenarbeit mit Fredi Bormann, Ole Brüns, Mattes Thölke und Lars-Benedict Buhr (von links).

Verden – Mit diesem Kader müsste doch der Sprung in die Meisterrunde der zweigeteilten Fußball-Landesliga Pflicht – oder zumindest wahrscheinlich – sein. So dürften viele beim FC Verden 04 noch Ende Juli gedacht haben, inklusive sämtlicher Verantwortlichen. Das hat sich während der Vorbereitung aber grundlegend geändert, zahlreiche teilweise sogar längerfristige Ausfälle haben den Kader kräftig ausgedünnt.

Kein Wunder also, dass Trainer Frank Neubarth, der mit den Allerstädtern in seine zweite komplette Runde geht, auf die Bremse tritt: „Wir müssen die Erwartungen herunterschrauben. Das müsste für jeden auf der Hand liegen, denn unsere Verletzten sind ja ausnahmslos Spieler auf Schlüsselpositionen, die wir nicht so einfach ad hoc ersetzen können.“ Es verbleibe ihm ein junges Team, „dem wir die nötige Zeit geben müssen. Ich von meiner Seite habe damit auch kein Problem, das ist nun mal meine Aufgabe.“ Was für den Ex-Profi nicht heißen soll, dass er mit einem Auge nicht doch die Meisterrunde im Blick behalten werde: „Aber es wird ungeheuer schwierig, dort oben reinzurutschen. Wir sollten erst einmal sehen, wie wir überhaupt in die Saison kommen.“

Erst hatte es Jonathan Schmude im Training mit Bänderriss im Sprunggelenk erwischt – sechs Wochen Pause. Es folgten Mirco Temp, der sich privat einen Zeh brach und mindestens zwei Monate nicht in den Wettkampf eingreifen kann. Als nächster Routinier meldete sich Alexander Huhn ab, dessen schon länger anhaltende Achillessehnen-Probleme nun so stark wurden, dass eine Prognose für die Rückkehr gar nicht zu stellen ist. Neubarth: „Im schlimmsten Fall können auch Jonathan und Mirco in diesem Jahr gar nicht mehr spielen.“

Viel Lob für Bjarne Guth

Hinzu kommt, dass Steen Burford sowie Jonas Austermann spät in Urlaub gingen und nach der Rückkehr erst einmal Quarantäne angesagt ist. Als wäre das nicht schon genug an schlechten Nachrichten, laufen die Planungen ab 1. Oktober komplett ohne Bjarne Geils. Der Rechtsverteidiger hat seine Ausbildung bei der Polizei beendet und wird mindestens ein halbes Jahr in Celle stationiert.

Damit heißt es für den FC-Coach, dass er Veränderungen im Gefüge vornehmen und einiges ausprobieren muss. In erster Linie hat er Bjarne Guth, der sich in der Innenverteidigung prima zurechtgefunden hatte und für Neubarth zu den ganz großen Überraschungen zählt, sowie Stürmer Thomas Celik im Mittelfeld getestet, was sich prima anließ. Ob sich das dann auch in den Punktspielen so darstellen wird, „müssen wir einfach sehen. Alles ist noch reichlich vage und wenig eingespielt“, wie der Fußballlehrer herausstreicht. Seine klare Forderung deshalb: „Jeder muss sich in dieser Situation noch mehr engagieren, wir können das nur als Team kompensieren.“

Fredi Bormann ein wichtiger Faktor

In dieser Hinsicht dürfte von den Neuzugängen besonders Fredi Bormann gefordert sein. Der nach nur einer Saison von Arminia Hannover zurückgekehrte 25-Jährige kann im Mittelfeld sämtliche Positionen bekleiden und „spielt erst mal da, wo er gebraucht wird. Fredi ist mit seiner Mentalität ein ungeheuer wichtiger Faktor für uns, ein absoluter Führungsspieler“, wie Neubarth untermauert.

Flexibel in Mittelfeld oder Abwehr ist Mattes Thölke, der bereits in der Vorsaison in die Landesliga schnupperte und nun ganz aus der Jugend hochrückt, einsetzbar. Sein Coach: „Mattes hat großes Potenzial, ist engagiert, muss sich aber natürlich an den Herrenbereich gewöhnen.“ Als Rechtsverteidiger wurde Lars-Benedict Buhr von Teutonia Uelzen geholt. Nach anfänglichen Unsicherheiten hat der 23-Jährige gut trainiert, sich ins Team gespielt und dürfte der Geils-Vertreter werden. Neubarth: „Es sind noch einige Fehler bei ihm drin, bei dem Alter hat er natürlich noch Luft nach oben.“

„Defensiv wesentlich besser arbeiten“

In Robert Posilek kam nach dem Weggang von Maximilian Schulwitz ein klassischer Stürmer vom VfL Visselhövede, der in der Vorbereitung viel spielen musste und wegen der hohen Belastung Probleme an den Adduktoren bekam. „Er hat vor allem gegen Uphusen eine gute Partie geliefert, kann mit seinen 20 Jahren aber noch nicht endgültig beurteilt werden“, meint Verdens Trainer.

Bleibt als letzter Neuer Torhüter Ole Brüns aus der Niedersachsenliga-A-Jugend, der viel Talent und Ehrgeiz mitbringt. Allerdings nimmt er zunächst die Rolle des Herausforderers ein. Neubarth: „Klar hat es seine Sache bisher ordentlich gemacht, muss aber noch an vielen Dingen arbeiten und dazulernen. Somit bleibt Stefan Wöhlke eindeutig unsere Nummer eins.“

Wie in der vergangenen Saison möchte Verdens Trainer am liebsten mit drei Stürmer auf den Platz gehen, „um immer offensiv ausgerichtet zu sein. Die Anzahl der Spitzen hängt jedoch natürlich auch vom jeweiligen Gegner ab. Wir müssen flexibel sein, wollen aber die Qualität, die wir vorne haben, in die Waagschale werfen.“

Bei allem Sturm und Drang bleibt für die Reiterstädter enorm wichtig, mehr Stabilität in die Mannschaft zu bringen. Ihr Chef: „Es muss defensiv wesentlich besser gearbeitet werden, damit wir nicht weiter so viele Gegentreffer aus dem Nichts kassieren.“ Da sei nicht nur die Abwehr, sondern die gesamte Truppe gefordert, mehr Aufmerksamkeit und Konzentration an den Tag zu legen und taktische Dinge besser umzusetzen: „In diesem Bereich gibt es noch Potenzial nach oben.“

Trotz der großen Personalsorgen nimmt Frank Neubarth die Herausforderung an: „Jammern bringt ja nichts, wir werden mit der Situation umgehen. Die junge Mannschaft weiterentwickeln, ihr Stabilität und Sicherheit verleihen – so sehe ich jetzt meine Aufgabe. Und die macht mir bei allen Problemen ungeheuer viel Spaß.“ Bleibt für den FC zu hoffen, dass mit dem Spaß dann auch der Erfolg kommt und vielleicht doch eine Chance auf das Erreichen der Landesliga-Meisterrunde besteht.

Zusatzrubrik: So gut kennte Co-Trainer Dreßler seine Spieler

WER . . .

. . . ist der Schnellste im Kader? Bjarne Guth ist eine wahre Waffe in der Abwehr und bereinigt mit seinen Sprints viele brenzlige Situationen, unterbindet Konter und leitet dabei selbst neue Angriffe ein. . . . hat den härtesten Schuss? Richard Sikuts Schüsse sind wie Kanonenkugeln und erreichen mit einer Geschwindigkeit von nur 0,3 Sekunden das Tor.

. . . hat bei Standards, vor allem bei Freistößen, das Kommando?

bei durchschnittlich 8,5 Ecken pro Spiel gehen nur 1, 27 Prozent davon ins Tor. Deshalb schießt Philipp Breves am liebsten Freistöße und hat in der Vorbereitung schon sein Können unter Beweis gestellt.

. . . ist der Gute-Laune-Beauftragte?

Spieler und Trainer-Team ein bisschen glücklicher machen: Das ist die Aufgabe von Thomas Celik und Jonas Austermann. Thommy und Jonas sind die Feelgood- Manager im Team, aber konnten hinsichtlich des Musikgeschmacks noch nicht die Erwartungen des Trainerteams erfüllen. Wenn in der Vergangenheit Techno-Musik gespielt wurde, drehten alle durch. Scooter wurde eine Zeit lang gespielt.

. . . weiß das Team zu pushen, wenn es mal nicht läuft im Spiel?

Hat jemand in der Mannschaft ein Problem, kann er im Daily Huddle schnell und einfach den Erfahrungsschatz und das Know-how von Fredi Bormann anzapfen. Das Zusammenstecken der Köpfe verursacht einen tollen Teamspirit, von dem alle viel Motivation mitnehmen können.

. . . ist die größte Sportskanone, die nicht nur reiner Ballstreichler ist?

Eine schwierige Frage. Fakt ist: Alle 24 Spieler haben das Zeug zum Fußball-Gott.

FC Verden 04 im Stenogramm

Zugänge: Ole Brüns, Mattes Thölke (beide eigene U19), Fredi Bormann (Arminia Hannover), Lars Benedict Buhr (Teutonia Uelzen), Robert Posilek (VfL Visselhövede). Weggänge: Maximilian Schulwitz (Bremer SV), Radif Alihan (Rotenburger SV), Patrick Zimmermann (eigene Reserve). Restkader: Stefan Wöhlke, Bjarne Geils, Kmail Aldiwan, Bjarne Guth, Moritz Schmökel, Malte Kalski, Richard Sikut, Jonas Austermann, Jonathan Schmude, Kato Tavan, Toni Fahrner, Mirco Temp, Nick Zander, Philipp Breves, Steen Burford, Jan-Ole Müller, Thomas Celik, Alexander Huhn. Trainer: Frank Neubarth (im dritten Jahr). Co-Trainer: Andreas Dreßler (im dritten Jahr). Torwarttrainer: Patrich Pruntsch (für Stefan Adler). Physio: Finja Plüschke. Mannschaftsbetreuer: Matthias Mahnke (wie bisher). Saisonziel: Aufgrund der prekären Personallage keine Angaben. Favoriten: SV Ahlerstedt/Ottendorf, MTV Treubund Lüneburg.

Von Ulf Von Der Eltz

Trägt die Hoffnungen als klassischer Stürmer: Robert Posilek, der aus Visselhövede kam.
Heimst bisher viel Lob ein: Bjarne Guth, der in der Abwehr und im Mittelfeld spielen kann. Archiv-

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