Co-Trainer von Hülsen II erwirbt als erster Rollstuhlfahrer in Niedersachsen den „C-Schein“

Frank Flegel – die Lizenz als Lebenshilfe

Pläne für die Trainingssteuerung: Frank Flegel, frischgebackener C-Lizenz-Inhaber des SVV Hülsen, erarbeitet sie am Laptop. Foto: von der Eltz

Hülsen/Westen - Von Ulf Von Der Eltz. Er arbeitet Pläne für die Trainingssteuerung aus. Er stellt die Hütchen für den Parcours auf. Was ein Fußball-Trainer halt so macht. Frank Flegel ist jedoch kein „normaler“ Fußball-Trainer – der Westener erwarb als erster Rollstuhlfahrer in Niedersachsen die C-Lizenz, den jüngsten Lehrgang des NFV unter Harald Rehorst schloss der 40-Jährige erfolgreich ab. „Es war ein hartes Wochenende, aber es hat sich gelohnt“, erwähnt der Co-Trainer des SVV Hülsen II aus der 1. Kreisklasse nicht ohne Stolz.

Der Mann, seit Geburt als Contergan-Geschädigter an den Rollstuhl gefesselt, sieht die Ausbildung auch als eine Art Lebenshilfe an: „Sicher hat sich mein Selbstwertgefühl gesteigert. Man sieht, dass man als Mensch mit Handicap viel erreichen kann. Und wenn die Spieler das  dann auf dem Platz richtig umsetzen, freut man sich ungemein.“ All das sei indes anfangs schwer in den Kopf reinzubekommen gewesen.

Mit dieser positiven Erfahrung will Flegel auch Wege aufzeigen: „Andere Rollstuhlfahrer trauen sich gar nicht in diesen Bereich. Ich hoffe, sie merken an meinem Beispiel, dass es möglich ist.“ Denn er hat es selbst erlebt, war zu Beginn äußerst vorsichtig, weil er nicht wusste, wie die Fußballer um ihn herum reagieren und wie die Abläufe sein würden. Was mittlerweile erstaunt: „Das komplette Team um Torwart und Kapitän Dennis Richter hat mich sofort als gleichberechtigten Coach neben Cheftrainer Koray Vurus akzeptiert.“ Der ist Flegel nämlich seit diesem Sommer, nachdem er vor drei Jahren SVV-Mitglied geworden war und zunächst als Betreuer der U19 zusammen mit Aytac Dincer sowie Lasse Gehlich angefangen hatte. In der vergangenen Saison war er Gehlichs Assistent bei der zweiten Herrenmannschaft.

Übrigens ein Wunsch des Vereins, der festgelegt hatte, dass Flegel gesetzt ist – egal bei welchem Trainer der Reserve. „Da bin ich dem SVV ungeheuer dankbar. Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen. Wir haben auch zusammen entschieden, dass ich die C-Lizenz in Angriff nehme. Der Klub unterstützt mich in sämtlichen Dingen“, freut sich der in Nienburg in der Jugendarbeit für die Zukunft – wo Flüchtlingen bei Gängen zu Ämtern ebenso geholfen wird wie Schwererziehbaren und Kindern bei Alltagsdingen – arbeitende Westener. Im neu erbauten Vereinsheim wurden eine Rampe und eine Behinderten-Toilette installiert. Ganz großen Dank erhält Ehefrau Sonja, die ihren Frank immer zu Training und Spielen fährt.

Grenzen sind Flegel auch bei der Arbeit mit der Mannschaft kaum gesetzt – zumindest, wenn es um die Theorie geht: „Weil ich selber nie Fußball spielen konnte, musste ich mich in solche Sachen wie Taktik oder Laufwege natürlich erst reinfuchsen. Aber da schaue ich mir viel von den Trainern ab.“ Und der 40-Jährige hält den Kontakt zu den Übungsleitern der anderen Vereine und kümmert sich um Termine für Freundschaftsspiele.

Apropos andere Übungsleiter: Die haben ihn beim Lehrgang auf Anhieb in ihre Mitte genommen und als einen der Ihren behandelt. „Ebenso wie Harry Rehorst, der mich von Anfang an nicht nur gefördert, sondern auch richtig gefordert hat“, benötigte Flegel keine Extrawürste.

Wie weit sich der Fußball-Trainer Frank Flegel noch entwickeln wird, stehe erst einmal in den Sternen: „Ich lasse das alles auf mich zukommen und will viel lernen. Wichtig ist, dass ich den SVV unterstützen kann. Die Lizenz gilt zunächst nur für Kinder und Jugendliche, den Teil für den Erwachsenenbereich werde ich sicher nachholen. Zumal ja ohnehin alle drei Jahre Schulungen für die Verlängerung anstehen.“ Wobei ein Rollstuhlfahrer natürlich nach oben hin allein schon an körperliche Grenzen stoßen wird. Die Idee, überhaupt die C-Lizenz zu erwerben, war beim Training und bei Spielbetreuungen gekommen, die Flegel in der Halle sogar alleine übertragen worden war.

Der Westener hatte ursprünglich vor über zehn Jahren als Rollstuhlbasketballer beim BSV Achim angeheuert. „Mit der Zeit ging es mit den Knochen aber nicht mehr“, blickt er zurück. Bei vielen Gesprächen mit Arbeitskollege Oliver Rozehnal – einst Trainer bei Hülsens Reserve und aktuell beim Kreisligisten FC Verden 04 II – wurde das Interesse am Fußball geweckt. Und schnell war klar, dass die Arbeiten eines Coaches wie das Erstellen von Plänen für die Trainingssteuerung genau das Richtige sind für Frank Flegel.

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