Ottersbergs ausgeschiedener Coach über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges

Fitschen: „Es fühlt sich schon komisch an“

Jan Fitschen
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Moin Jan Fitschen. Zum Abschied bitte nicht so steif!

Der Abschied von Jan Fitschen beim Fußball-Landesligisten TSV Ottersberg war lange angekündigt, groß gefeiert konnte dieser aber aufgrund der Pandemie nicht. Eher ging alles still und leise über die Bühne. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir sprachen mit dem Trainer, der nun erst einmal eine Pause einlegen will.

Und mal lächeln! Nein? Okay, der Fotograf hat verstanden.

Ottersberg/Oyten – Nein, auch Monate nach seiner Ankündigung, das Amt als Coach nach fünf Jahren beim Fußball-Landesligisten TSV Ottersberg abzugeben, hat Jan Fitschen noch nicht so ganz mit dem Wümme-Klub abgeschlossen. „Wieso auch, ich habe mich ja unglaublich wohlgefühlt! Aber meine Familie musste viel zurückstecken. Deshalb war die Entscheidung richtig. Aber es fühlt sich schon komisch an“, sagt der in Oyten lebende Fitschen. Gemeinsam mit dem 38-Jährigen halten wir noch einmal Rückschau, werfen aber auch den Blick nach vorn.

Wie schwer fällt es Ihnen, von Ihrer Mannschaft wegzugehen?

Wenn man nach fünf Jahren seine Tätigkeit beendet, fällt es mir schon nicht leicht. Zumal mir die Leute im Umfeld und die Jungs sehr an Herz gewachsen sind. Aufgrund der Corona-Pause ist das Ganze jedoch recht entzerrt und somit natürlich etwas weniger emotional.

Perfekter Abschied mit Tränen und großer Sause

Wie hätte Ihr perfekter Abschied ausgesehen? Mit einer großen Party?

Der wäre ganz sicher recht tränenreich nach dem letzten Spiel mit dem verbunden Klassenerhalt und einer vernünftigen Verabschiedung ausgefallen. Wer Frank (Anm.d.Red.: Schwarz, 1. Vorsitzender) und Ilka (Langscheid, Wirtin und gute Seele des Vereins) kennt, sicher auch mit einer großen Sause.

Wann und wie wird eine Feier im Mannschaftskreis nachgeholt?

Frank und ich sind so verblieben, dass wir das auf jeden Fall nachholen, sobald die Lage es zulässt und ein geeigneter Termin gefunden ist. Sowohl von Vereins- aber auch von meiner Seite aus, war es uns trotz Corona wichtig, eine angemessene Verabschiedung nachzuholen und es nicht einfach so im Sande verlaufen zu lassen. Denn wie gesagt, es war eine sehr schöne und intensive Zeit und die wollen wir gemeinsam noch mal Revue passieren lassen. Mir ist es zudem eine Herzensangelegenheit, mich gerade bei Ilka, Frank und vor allem auch Marcus Bremermann persönlich für alles zu bedanken und mich von vielen anderen auch persönlich zu verabschieden. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Spieler, die sich dazu entschieden haben, im Sommer eine andere Herausforderung anzunehmen. Ihnen gebührt genauso eine vernünftige Verabschiedung! Und wenn ich ehrlich bin, Spielern wie Dominik Rosenbrock oder den beiden Falldorf-Brüdern noch viel mehr als mir.

Was geben Sie zum Ausstand aus?

Es wird für ausreichend Speis und Trank gesorgt sein, darauf können sich alle verlassen.

„Nicht durch die Hintertür verschwunden“

Wie fühlt es sich an, die Mannschaft sozusagen unfreiwillig ganz leise und durch die Hintertür verlassen zu haben?

Es war sicher anders als man es gewohnt ist, aber nicht einfach so durch die Hintertür. Über die Mannschaftsgruppe habe ich die Jungs frühzeitig darüber informiert. Und wir alle hatten gehofft, noch einmal zusammen auf dem Platz zu stehen. Das Persönliche ist ja nur aufgeschoben. Ich werde viele sicher öfter wiedersehen, als es mir lieb ist (schmunzelt).

Wie ist aktuell der Kontakt zur Mannschaft?

Es besteht schon noch zu einigen ein reger Kontakt. Und ich stehe Spielern, Vorstand und, und, und auch jederzeit für mit Rat und wenn nötig natürlich auch Tat zur Verfügung. Dass wissen alle auch. Drilon (Anm.d.Red.: Der neue sportliche Leiter Demaku) und Frank wissen, dass sie sich jederzeit bei mir melden können, wenn ich helfen kann.

Wie sieht Ihre Zukunft ohne Trainerjob aus? Sind Sie offen für Neues, machen Sie eine Pause oder hören Sie vielleicht sogar ganz auf?

Meine Frau und ich haben vor kurzer Zeit ein Haus in Oyten gekauft. Da gibt es immer was zu tun. Und meine kleine Tochter freut sich auch Ihren Papa mal für sich ganz allein zu haben. 

Jan Fitschen

Wenn ich für diese Frage Geld bekommen würde, hätte ich schon ein wenig was zusammen. Meine Frau und ich haben vor kurzer Zeit ein Haus in Oyten gekauft. Da gibt es immer was zu tun. Und meine kleine Tochter freut sich auch Ihren Papa mal für sich ganz allein zu haben. Zudem genieße ich es gerade, mal einfach auch Zeit für mich selbst zu haben, zeitlich und terminlich nicht gebunden zu sein und somit auch spontan sein zu können. Das ist gerade echter Luxus für mich, weil mein ganzes Leben bis heute vom Fußball bestimmt und geprägt war. Dennoch habe ich meine Trainer-Lizenz nicht nur einfach so gemacht, sondern weil ich dem Fußball verbunden bin und mir dieser auch sehr viel gegeben hat. Demnach möchte ich schon noch in Zukunft gerne wieder der Trainertätigkeit nachgehen, weil es mir einfach Spaß macht, mit einer Mannschaft gemeinsam etwas zu erarbeiten, junge Spieler etwas mit auf den Weg zu geben, sie zu fördern aber auch zu fordern. Ich lasse da alles auf mich zukommen und plane nun nicht explizit meine sportliche Zukunft. Wenn etwas kommt, womit ich mich identifizieren kann und wo ich das Gefühl habe, dass man gemeinsam etwas bewegen kann, bin ich gesprächsbereit.

Wie vertreiben oder versüßen Sie sich die fußballlose Zeit?

Aktuell spiele ich gern Tennis, schaue natürlich die Fußball-EM und nutze die Zeit Sport zu treiben. Ich freue mich schon darauf, wenn die Freundschaftsspiele wieder losgehen und ich mal das ein oder andere Spiel als neutraler Fußball-Fan beiwohnen kann. Und wie gesagt: Ich versuche viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Haben Sie aufgrund der langen Pause einen anderen Blickwinkel auf den Amateurfußball bekommen?

Ich denke, dass allen Amateursportlern bewusst geworden ist, wie sehr einem doch sein Hobby fehlen kann und dass man ihm in Zukunft noch mehr Wertschätzung entgegenbringen sollte. Der Wert einer Sache wird einem oft erst dann bewusst, wenn man es auf einmal nicht mehr hat. Ich würde mir generell mehr Wertschätzung für den Amateurfußball wünschen, denn der ist die Basis für das, was wir im TV sehen. Ohne begeisterte Kinder, die aus Freude dem Ball hinterherjagen und es nicht als notwendige Zeitverschwendung oder gar Belastung ansehen, wird es in der Zukunft immer schwerer, den Amateurfußball, so wie ich ihn noch als kleines Kind kennen- und liebengelernt habe, aufrecht zu erhalten. Früher hatte jeder Dorfverein ein, zwei und gar drei Herren-Mannschaften, eigene Jugendteams und 300 bis 400 Zuschauer am Spieltag. Heute werden Spielgemeinschaften immer mehr und Herren-Mannschaften immer weniger. Der Kampf, Kinder und Jugendliche für den Fußball zu begeistern, wird in meinen Augen jedes Jahr schwieriger.

Es war mir schon sehr wichtig, dass ein guter Trainer für die Jungs gefunden wird und ich denke, dass in Person von Mike Barten eine Top-Lösung gefunden wurde. 

Jan Fitschen

Sehen Sie den TSV Ottersberg für die Zukunft gut aufgestellt?

Es war mir schon sehr wichtig, dass ein guter Trainer für die Jungs gefunden wird und ich denke, dass in Person von Mike Barten eine Top-Lösung gefunden wurde. Er wird die Mannschaft definitiv weiterbringen! Zudem hat der Verein mit Drilon mehr Manpower um das Team herum. Was in zwei, drei Jahre sein wird, weiß keiner. Aber der Ansatz auf junge, hungrige und talentierte Fußballer aus der Region zu setzen, ist für mich der richtige Ansatz. Ich werde es als Fan weiter verfolgen.

Ihr schönster oder aufregendster Moment beim TSV Ottersberg?

Ganz klar: Der Schlusspfiff am 26. Mai 2019 in Osterholz, als unser 3:1 in trockenen Tüchern war und wir damit die Bezirksliga-Meisterschaft und die Rückkehr in die Landesliga sicher hatten!

Und was hätten Sie sich lieber erspart in Ihrer Amtszeit an der Wümme?

Natürlich der Landesliga-Abstieg, der damals nie und nimmer hätte passieren dürfen und absolut zu verhindern gewesen wäre.

Vergleichen Sie mal die Generation von heute als auch morgen mit der, als Sie noch aktiv gespielt haben. Was hat, was wird sich Ihrer Meinung nach verändern?

Generell bin ich kein Freund davon, Zeiten zu vergleichen, weil alles auch andere Einflüsse und Gegebenheiten hat. Dennoch hat man das Gefühl, dass die Leistungsbereitschaft, um etwas zu erreichen und dafür auch mehr zu machen und auch andere Dinge dann hinten anzustellen, weniger geworden ist. Immer öfter wirkt es so, dass eine Mannschaft viel fordert. Sie will aber dann mit wenig Aufwand einen möglichst hohen Ertrag erzielen. Und das funktioniert einfach nicht! Das Verantwortungsbewusstsein gegenüber seiner Mannschaft scheint mir bei vielen nicht sehr groß zu sein. Das Bewusstsein, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein oder seinem Hobby den Stellenwert zu geben, der nötig ist, um erfolgreich zu sein, ist gefühlt weniger geworden – und das erschreckt mich manchmal und stimmt mich nachdenklich.

Von Frank Von Staden

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