Badener Center-Betreiber Peter Berleth hält nichts von Pessimismus

Fitnessstudios als Medikament

Blicken trotz aller Probleme positiv nach vorn: Peter Berleth und Britta Kaiser-Föhl.
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Blicken trotz aller Probleme positiv nach vorn: Peter Berleth und Britta Kaiser-Föhl.

Es wird rauer in der Fitness-Branche, viele Studios und Gesundheitscenter ächzen unter der Last der finanziellen Verluste. Für den Achim-Badener Betreiber Peter Berleth aber kein Grund in Pessimismus zu verfallen.

  • Der Fitness-Branche geht es schlecht, der Achim-Badener Peter Berleth sieht aber auch Chancen
  • Keine Beitragseinzüge, kaum Mitglieder verloren
  • Das Fitnessstudio vielleicht bald schon auf Rezept

Achim-Baden – Die Fitness-Branche, sie leidet derzeit enorm unter den Vorgaben im Rahmen der Corona-Pandemie. Und das teilt sie der Öffentlichkeit auch mit. Viele Studios stehen kurz vor der Pleite, die Besitzer schlagen Alarm. Peter Berleth nicht. Er betreibt in Achim-Baden das Fitness- und Squashcenter und sagt jetzt: „Wir dürfen jetzt nicht in Pessimismus machen. Positiv nach vorn blicken ist definitiv die bessere Variante!“

Dass es ihm und seinen zahlreichen Mitstreitern schlecht geht, will er dabei gar nicht bestreiten. „Doch in ganz vielen anderen Bereichen der Wirtschaft ist das sicherlich nicht anders. Auch dort müssen zahlreiche Firmen zusehen, wie sie über die Runden kommen“, sagt Berleth und verrät: „Ich habe im vergangenen Jahr so viel Geld verloren, dass mir regelrecht schwindelig wird. Doch das haben andere auch. Statt jetzt aber innezuhalten, habe ich mich für den Tag gerüstet, an dem wir wieder öffnen dürfen. Dann können wir sofort von null auf 100 durchstarten!“ So hat er unter anderem die Zeit genutzt, um eine zusätzliche Belüftungsanlage in seinem Zentrum installieren zu lassen. Aus Überzeugung für die Gesundheit, wie er betont.

Ich habe im vergangenen Jahr so viel Geld verloren, dass mir regelrecht schwindelig wird. Doch wir dürfen jetzt nicht in Pessimismus machen. Positiv nach vorn blicken ist definitiv die bessere Variante!

Peter Berleth (Besitzer des Fitness- und Squashcenters Achim-Baden)

Berleth hätte durchaus allen Grund dazu, seinem Unmut über ausbleibende staatliche Hilfen und der grundsätzlichen Vorgehensweise der Regierung freien Lauf zu lassen. Denn er hatte sich vor dem zweiten Lockdown im Oktober 2020 dazu entschlossen – im Gegensatz zu manch anderen Mitstreitern in seinem Gewerbe – dieses Mal seinen Mitgliedern keine Beiträge abzubuchen, solange sie in seinem Center nicht trainieren konnten und bis dato immer noch nicht können. Berleth: „Ich kann ja keine Gegenleistung bieten! Natürlich bedeutet das finanzielle Einbußen. Aber noch einmal: Auch anderen Branchen hat es im gleichen Maße knallhart getroffen.“ Vorteil allerdings für den Achim-Badener: Während viele Studios eine Kündigungswelle heimsuchte, „hatte ich im November als auch Dezember nur ganz, ganz wenige Aussteiger.“

Viele Anrufe von verzweifelten Mitgliedern

Was ihn viel mehr bedrückt als der finanzielle Verlust, was ihn regelrecht traurig macht, ist die Tatsache, dass er von Woche zu Woche mehr Anrufe von gesundheitlich angeschlagenen Mitgliedern erhält, die ihm mitteilen, wie sehr sie darunter leiden, dass sie kaum noch etwas für ihren Körper tun können. Berleth: „Die Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Ich leide mit, wenn mir der ein oder andere erzählt, dass er Schmerzen hat, weil ihm die Reha-Maßnahmen, die wir ihm bei uns bieten konnten, enorm fehlen, er sogar deutliche gesundheitliche Rückschritte wegstecken muss! Dann bin ich wütend, dass wir unseren gesundheitlichen Auftrag nicht erfüllen können.“

In diesem Auftrag sieht der Unternehmer zukünftig auch eine große Chance für seine Branche, ist überzeugt: „Wenn wir uns geschickt anstellen, werden die nächsten Jahre für uns vielleicht noch viel besser werden als die bisherigen. Denn der Gesundheitssport wird immer wichtiger. Das haben Ärzte und auch die Krankenkassen längst begriffen.“

Das Fitnessstudio zukünftig quasi auf Rezept? Eine interessante Vorstellung.

Leere Fitnessstudios: derzeit Normalität.

Dass Studio-Gänger weiterhin vor verschlossenen Türen stehen, kommentiert Berleths Geschäftsführerin Britta Kaiser-Föhl so: „Wir nehmen damit in dieser Pandemie der Gesellschaft das wichtigste Medikament weg – und das ist das Krafttraining. Denn ohne zielgerichtetes Krafttraining entlasten wir nicht das Gesundheitssystem, nein, wir belasten es!“ So ist es laut der 45-Jährigen ein Irrglaube, dass pure Bewegung den gleichen gesundheitlichen Erfolg beschert wie das Fitnesstraining. „Ein Waldspaziergang hat unbestritten viele positive Auswirkungen, ist aber kein Ersatz für ein gezieltes Krafttraining in puncto Gesundheit und Immunsystem! Bewegung an der frischen Luft ist eine perfekte Ergänzung.“

So geht die Geschäftsführerin dann auch noch einen Schritt weiter und klagt an, indem sie sagt: „Es ist unterlassene Hilfeleistung, wenn die Fitnessstudios und Gesundheitscentren nicht zu den ersten gehören, die demnächst wieder öffnen dürfen, wenn eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ansteht!“ Berleth und Kaiser-Föhl haben da noch gut die Zeiten des ersten Shutdowns 2020 in Erinnerung, „als wir ja Angst haben mussten, dass sogar die Bordelle früher würden aufmachen dürfen.“

Wünschenswert: Die skandinavische Variante

Kaiser-Föhl stimmt dabei Prof. Dr. Ingo Froböse von der der Sporthochschule Köln zu, „dass wir durch diese zweite lange Auszeit die Kranken der Zukunft produzieren.“ Und sie pflichtet auch Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstand IKK Südwest, bei, der die These aufstellt, dass 90 Prozent aller Krankenkassenleistungen auf vermeidbare Volkskrankheiten entfallen würden. „Und genau auf die Reduzierung dieser Volkskrankheiten sind wir in unserem Center seit Jahren spezialisiert!“ So fände sie es durchaus wünschenswert, wenn sich die Verantwortlichen am skandinavischen Modell orientieren würden. In diesen Ländern können die Beiträge für Fitnessstudios im Lohnsteuerjahresausgleich geltend gemacht werden.

Von Frank Von Staden

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