Urteil des OVG Lüneburg vom Freitag

Fitness-Studios und Restaurants bleiben dicht – und das ärgert die Betreiber

Sport macht jeder Treibende für sich, vorrangig für sein Wohlbefinden und seine Gesundheit. Fitnessstudios liegen da voll im Trend.
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Sport macht jeder Treibende für sich, vorrangig für sein Wohlbefinden und seine Gesundheit. Fitnessstudios liegen da voll im Trend.

Nun ist er also da, der „Lockdown 2.0“. Und er trifft den Amateursport erneut mit voller Wucht. Davon betroffen sind auch die zahlreichen Fitnessstudios. Eine Eilsammelklage wurde nun abgewiesen - und das sorgt für reichlich Frust.

Update vom 6. November, 16.20 Uhr: Ihre Gegenwehr brachte den Fitness-Studios in Niedersachsen keinen Erfolg – sie bleiben, wie auch Gastronomiebetriebe, vorerst dicht. Nachdem viele Betreiber im Anschluss an den von der Bundesregierung bis Ende November verordneten Lockdown für den Amateursport eine Sammelklage eingereicht hatten, hat das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht Lüneburg am Freitag die Anträge auf vorläufige Außervollzugsetzung der Schließung abgelehnt. (Az.: 13 MN 411/20 u.a.) / (Az.: 13 MN 433/20 u.a.). Das berichtet die Deutsche Presseagentur.

Bei den Studio-Managern bleibt der Ärger daher bestehen. Stellvertretend zeigte sich Norman Heller vom Enjoy Fitness in Oyten auf Nachfrage dieser Zeitung alles andere als erfreut: „Auf der einen Seite kann ich die Entscheidung verstehen. Keiner weiß, wie hoch die Coronazahlen noch steigen. Da will dann wohl auch keiner hinterher die Verantwortung zugeteilt bekommen, wenn etwas passieren sollte.“

Aber Norman Heller macht aus seinem Herzen gleichzeitig keine Mördergrube: „Ich kann es halt nicht nachvollziehen, weil wir alles Menschenmögliche getan haben, um Infizierungen zu verhindern. Abstände und Hygienemaßnahmen waren zu 100 Prozent erfüllt worden. Und ich weiß von Klubs im Süden, die öffnen dürfen.“

Auch geht der Enjoy-Manager davon aus, dass nun das Ende der Fahnenstange in Sachen Gegenwehr erreicht sei – zumindest für die Branche in Niedersachsen: „Hier gibt es nicht so eine starke Allianz wie zum Beispiel in Bremen. Also war es das dann wohl, zumal uns auch die finanziellen Mittel für weitere Gänge vor die Gerichte fehlen.“

Nach der aktuellen Corona-Verordnung müssen Fitnessstudios seit dem 2. November laut OVG dicht bleiben. Die Studio-Betreiber hatten geltend gemacht, dass die Schließungen infektionsschutzrechtlich nicht notwendig seien und den allgemeinen Gleichheitssatz verletzten. Das OVG habe die Anträge nach einer sogenannten Folgenabwägung abgelehnt. Für den Senat sei derzeit offen, ob die entsprechenden Paragrafen der Corona-Verordnung in einem Hauptsacheverfahren für rechtmäßig oder für unwirksam zu erklären seien. Mit Blick auf die gravierenden Folgen eines weiteren Anstiegs von Ansteckungen und Erkrankungen sowie der Gefahr einer Überlastung des Gesundheitswesens ergebe die Folgenabwägung, dass Schließungen gegenwärtig hinzunehmen seien, so das Gericht.

Update vom 6. November, 15.30 Uhr: Fitnessstudios und Gastronomiebetriebe in Niedersachsen müssen vorerst weiter geschlossen bleiben. Anträge auf vorläufige Außervollzugsetzung der Schließung seien abgelehnt worden, teilte das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht am Freitag in Lüneburg mit. (Az.: 13 MN 411/20 u.a.) / (Az.: 13 MN 433/20 u.a.). Nach der aktuellen Corona-Verordnung müssen Fitnessstudios und Gastronomiebetriebe seit dem 2. November dicht bleiben. Mehrere Betreiber hatten sich an das OVG gewandt und geltend gemacht, dass die Schließungen infektionsschutzrechtlich nicht notwendig seien und den allgemeinen Gleichheitssatz verletzen.

Das OVG habe die Anträge nach einer sogenannten Folgenabwägung abgelehnt. Für den Senat sei derzeit offen, ob die entsprechenden Paragrafen der Corona-Verordnung in einem Hauptsacheverfahren für rechtmäßig oder für unwirksam zu erklären seien. Mit Blick auf die gravierenden Folgen eines weiteren Anstiegs von Ansteckungen und Erkrankungen sowie der Gefahr einer Überlastung des Gesundheitswesens ergebe die Folgenabwägung für beide Bereiche, dass Schließungen gegenwärtig hinzunehmen seien, so das Gericht.

Fitness-Branche rebelliert: Klubs reichen Sammelklage ein

Ursprüngliche Meldung vom 3. November: Verden/Achim/Oyten – „Wir wollen und können das so einfach nicht hinnehmen“, sagt da Norman Heller vom Enjoy Fitness aus Oyten stellvertretend für die zahlreichen anderen Studio-Betreiber. „Mehrere Studien belegen, dass die Hygienekonzepte in Sportstätten höchst wirksam sind. 62 Millionen CheckIns wurden im Rahmen einer Studie ausgewertet. Die Inzidenz liegt demnach in Fitnessstudios bei 0,78 pro 100.000 Mitglieder! Deshalb fehlt für den Lockdown unserer Branche jegliche faktische Grundlage“, führt Heller an.

Fitnessstudio: Die Menschen kommen nicht nur aus Spaß

Als Gesundheitssport-Anbieter sprechen das Enjoy Fitness Oyten, das Fitness- und Squash-Center Achim-Baden und auch die meisten anderen Studios im Kreis Verden ein Klientel an, das mit seinem Training zu rund 80 Prozent medizinische Ziele verfolgt. „Diese Menschen besuchen unsere Trainingseinrichtung nicht aus Spaß und als Freizeitbeschäftigung, sondern weil sie Schmerzen, Stress sowie Pfunde reduzieren wollen und Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und psychische Erschöpfungssymptome bekämpfen. Die gesundheitlichen Folgen für unsere Besucher übertreffen den Nutzen dieser Maßnahme um ein Vielfaches“, führt Heller weiter aus und bekommt vom Peter Berleth, der auf über 2000 Quadratmetern das Badener Fitness- und Squash-Center betreibt, kräftig Unterstützung. Ihre Hygienekonzepte seien mittlerweile umfangreicher als in fast allen anderen Branchen, behaupten da beide unisono. Steuerung der Luftqualität mit Bioclimatic und garantiertem achtfachen Luftaustausch pro Stunde, Geräte- und Handdesinfektion, 100prozentige Kontaktnachverfolgung durch CheckIn- & CheckOut-Systeme, Mund-Nasen-Schutz bishin zu Abstandsregelungen und Einsicht in Besucherfrequenzen und Auslastung seien da absoluter Standard.

Mitglieder kommen mit Beschwerden zurück ins Fitnessstudio

Nachweislich hängt die Funktionsfähigkeit des Immunsystems direkt mit dem körperlichen Zustand des Menschen zusammen. „Den Menschen also die Möglichkeit zum gesundheitlichen Training zu nehmen, ist alleine schon aus dieser Sicht völlig absurd. Letztlich hat ja genau diese Inaktivität mit dazu geführt, dass viele Menschen zur Risikogruppe zählen. Nach dem ersten Lockdown kamen viele unserer Mitglieder in einem schlechteren körperlichen Zustand zurück ins Training bezüglich Arthrose, Rückenschmerzen, Blutdruck, Stressbelastbarkeit bishin zu psychischen Krankheiten“, hebt da der Rieder Dr. Hartmut Klose, Besitzer mehrerer Studios in Niedersachsen, hervor. Berleth fügt noch an: „Wir haben über 30 Jahre gekämpft, um zu zeigen, dass wir ein Gesundheits- und kein reines Bodybuilding-Center sind. Der erneute Lockdown unserer Sport- und Trainingsstätte ist schon deshalb schlichtweg ein Skandal, weil pauschalisiert alles zugemacht wird. Das macht mich traurig und sauer.“

Und Berleth befürchtet, dass die Schließungen über den Dezember hinausgehen werden. Dennoch hat sich der Badener Betreiber dazu entschlossen, Beitragsabbuchungen mit sofortiger Wirkung zu stoppen. „Solidarität ist keine Einbahnstraße. Im ersten Lockdown haben wir weiter abgebucht – und sind nach der Begründung auf so viel Verständnis gestoßen, dass es uns fast die Tränen in die Augen getrieben hat. So lange ich noch Luft zum Atmen habe, werde ich meinen Kunden dieses Mal keinen Beitrag mehr abbuchen, bis wir uns alle im Center wiedersehen. Das bin ich ihnen einfach schuldig!

„Angemerkt“ von Frank von Staden

Und wieder kein Sport – ich habe ein Problem: Bewegung ist für mich das Lebenselixier

Unter einem Lebenselixier wird volkstümlich meist ein Zaubertrank verstanden, der Jugend, Schönheit, Gesundheit, Vitalität, Fruchtbarkeit, Potenz, ein langes Leben und sogar Unsterblichkeit verleihen sollte. Im übertragenen Sinne werden darunter auch Dinge verstanden, die die Lebensfreude erhöhen und die Regeneration fördern.

Ich habe diesen Zaubertrank längst für mich gefunden. Und der heißt Sport! Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als mein damaliger Doc mir eröffnete, dass mein so geliebter Fußball, den ich von meiner jüngsten Kindheit an fast täglich spielte, als auch das Joggen aufgrund meiner ständig zunehmenden Beschwerden im Knie ab sofort tabu seien. Für mich brach kurz eine Welt zusammen. Aber nur kurz. Denn es gab schließlich noch andere Sportarten. Was ich brauchte und auch heute immer noch brauche, war schließlich nicht nur die Jagd nach dem Ball. Es war und ist der unbändige Bewegungsdrang, dieses Auspowern, das Endorphine und damit ein unbeschreibliches Glücks- und Zufriedenheitsgefühl freisetzt. Und nicht zu vergessen das Miteinander fördert. Ja, ich brauche neben der Aktivität auch den Smalltalk.

All das habe ich im Fitnessstudio meines Vertrauens gefunden, in dem ich nun fast 15 Jahre meistens dreimal die Woche aufschlage. Ich gebe zu, dass der Smalltalk in den letzten Jahren immer mehr Zeit einnimmt (ist das irgendwie altersbedingt?) und mein Körper mit nun 57 Lenzen nicht mehr taufrisch aussieht. Doch ich fühle mich bis auf ein paar übliche Zipperlein fit, gesund, vital. Und die Lebensfreude ist ungebrochen. Sport ist eben mein persönliches Lebenselixier. Danke, Fitnessstudio!

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