Emma Alessia Delwes steckt sich hohe Ziele / 16-Jährige peilt Stipendium in den USA an

Der Traum von einer Karriere als Golf-Profi

Von Golf-Pro Michael Butcher bekam die 16-jährige Emma Alessia Delwes vor nun schon acht Jahren die Grundlagen vermittelt.
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Von Golf-Pro Michael Butcher bekam die 16-jährige Emma Alessia Delwes vor nun schon acht Jahren die Grundlagen vermittelt.

Für Golferin Emma Alessia Delwes ging es zuletzt nur in eine Richtung. Steil nach oben. Mittlerweile liegt das Handicap der 16-Jährigen bei -0,1. Kein Wunder, dass das große Talent aus Kirchlinteln von einer Karriere als Profi träumt.

Verden – Der Gabentisch zu ihrem 16. Geburtstag am vergangenen Sonntag war prall gefüllt. Doch das schönste Geschenk gab es bereits einen Tag zuvor. Und für das zeichnete die Kirchlintlerin Emma Alessia Delwes, die für den GC Hannover Mitte startet, ganz alleine verantwortlich. Denn das große Golf-Talent triumphierte bei der Jugend-Rangliste AK 16 in Oldenburg und sicherte sich damit schon mal die halbe Miete für die Teilnahme am Vorausscheid zur Deutschen Meisterschaft im Juli.

Turniersieg in Oldenburg als Geschenk zum Geburtstag

Gleichzeitig untermauerte die 16-Jährige damit auch ihre aktuelle Spitzenposition in der Altersklasse 15/16 in Niedersachsen/Bremen und verliert ihre durchaus ehrgeizigen Ziele nicht aus dem Blick. Denn wie Emma Alessia Delwes bestätigt, will sie auch bei der DM, die Ende August in Travemünde ausgetragen wird, eine gute Rolle spielen. Aber das soll beileibe nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nein, allein bei dem Gedanken an ein mögliches Golf-Stipendium in den USA fangen die Augen der Gymnasiastin erst so richtig an zu leuchten. „Das wäre natürlich ein echtes Träumchen, wenn sich das ergeben würde. Aber bis es so weit ist, habe ich ja noch ein bisschen Zeit“, käme das für die Zehntklässlerin erst nach dem Abitur infrage. Apropos Stipendium: Die guten Leistungen von Emma Alessia Delwes, die mittlerweile schon bei einem Handicap von -0,1 angekommen ist, blieben natürlich in der Golfszene nicht unbemerkt. Nicht von ungefähr gab es dann auch schon im vergangenen Jahr eine Anfrage vom Golfclub Sankt Leon Rot, der ein Internat für Talente ins Leben gerufen hat. „Das wäre schon reizvoll gewesen, zumal das Angebot auch nur für 20 Personen gegolten hat. Aber für mich war das mit 14 Jahren noch zu früh, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus meinem Elternhaus wollte“, erklärte sie trotz der zweifelsohne glänzenden Möglichkeiten im deutschen Vorzeigeklub ihre Absage.

Anfänge beim Golf eher dem Zufall geschuldet

Dass Emma Alessia Delwes mal beim Golf landen würde, war eher dem Zufall geschuldet. Denn wie bei den meisten anderen Mädchen in ihrem Alter lagen die Prioritäten zunächst eher beim Reiten und Ballett. Da ihre Mutter Nadja und Bruder Alexander im Gegensatz zu Vater Peter, der dem Handball verfallen war, jedoch bereits mehrmals in der Woche auf dem Golfplatz standen, nahm sie mit acht Jahren 2013 erstmals an einem Schnuppertraining teil. „Da habe ich dann mal ein paar Schläge gemacht. Doch zunächst hat es mir gar nicht so viel Spaß gemacht“, erinnert sich die 16-Jährige zurück. „Aber ich bin dann trotzdem dabei geblieben und habe dann 2015 die ersten Turniere gespielt und vor allen Dingen auch die Leidenschaft für mich entdeckt.“ Dabei spielte es für die Gymnasiastin auch überhaupt keine Rolle, dass sie als Mädchen fast allein auf weiter Flur war. Ganz im Gegenteil. „Es den Jungs mal zu zeigen, das war schon eine richtig coole Sache“, lacht das Ausnahmetalent. Eine Aussage, die ihr Ex-Trainer Michael „Mike“ Butcher, Golf-Pro des GC Verden, nur bestätigen konnte. „Wenn jemand mit dem Golf anfängt, weiß man nie, wie derjenige sich entwickelt. Aber gerade das Talent beim Putten war immer da bei Emma. Da war sie wirklich eine Weltmeisterin, hat die Jungs immer geschlagen. Selbst ihren älteren Bruder. Somit hat ihr der Konkurrenzkampf ziemlich gutgetan. Und später kam dann auch noch der Schwung dazu. Das Resultat sieht man ja jetzt.“

Es den Jungs mal zu zeigen, das war schon eine richtig coole Sache.

Emma Alessia Delwes

Für Emma Alessia Delwes eine tolle Situation. Zwar musste sie fortan aufgrund der vielen Trainingsstunden auf dem Golfplatz das Reiten und Ballett opfern, „doch das habe ich nicht bereut. Natürlich war die Entscheidung damals nicht so einfach, aber ich denke, dass ich für meinen Teil alles richtig gemacht habe.“ Selbst in den jungen Jahren hatte sie urplötzlich eine ganz neue Passion gefunden. In erster Linie der Wettkampf hatte es ihr fortan angetan. „Ich liebe es ein Matchplay zu spielen. Auch ein langer Drive oder einen Putt zu lochen – diese Endorphine geben mir einfach einen Push. Dann geht es mir super!“ Aber natürlich gibt es nicht nur gute Tage. Diese Erfahrung hat auch die 16-Jährige schon einige Male machen müssen. „Beim Golf ist mitunter jeder Tag anders. Daher ist es ganz wichtig, dass man sich in den schlechten Phasen zusammenreißt. Das darf man sich nicht zu Herzen nehmen.“ Um mögliche negative Gedanken während eines Turniers erst gar nicht an sich heranzulassen, steht neben dem notwendigen Kraft- auch Mentaltraining in Form von Emotionsregulierung auf dem Programm. „Da geht es darum, was ich auf dem Platz überhaupt beeinflussen kann und wie ich aus schlechten Situationen herauskomme. Allerdings lernen wir auch, wie wir mit guten Situationen umgehen sollen.“

Auch die Schläge aus dem Bunker sind für Emma Alessia Delwes längst kein Problem mehr. Aufpassen muss sie nur, dass sie keinen Sand in die Augen bekommt.

Augenscheinlich sind diese Dinge für die Kirchlintlerin kein Problem, wie ein Blick auf ihre Erfolgsliste deutlich macht. Denn neben zahlreichen Turniersiegen spielt die 16-Jährige nicht nur für die Damenmannschaft des GC Hannover Mitte in der 2. Bundesliga, sondern steht mittlerweile auch im Nationalkader 2 von Bundestrainer Sebastian Rühl. Das allein nur am zweifelsohne großen Talent festzumachen – für Mike Butcher wäre das zu einfach: „Klar, Talent sollte schon vorhanden sein. Aber um ein guter Golfspieler zu werden, gehört auch extrem viel Eigendisziplin dazu. Und die ist bei Emma auf jeden Fall vorhanden. Sie ist extrem fleißig. Dabei spielt es für sie auch keine Rolle, ob beim Training Minusgrade sind. Und diese beiden Eigenschaften spiegeln sich dann auch in ihrer Leistung wider.“

Klar, Talent sollte schon vorhanden sein. Aber um ein guter Golfspieler zu werden, gehört auch extrem viel Eigendisziplin dazu. Und die ist bei Emma auf jeden Fall vorhanden. Sie ist extrem fleißig. Dabei spielt es für sie auch keine Rolle, ob beim Training Minusgrade sind. Und diese beiden Eigenschaften spiegeln sich dann auch in ihrer Leistung wider.

Trainer Michael Butcher

Während in der Vergangenheit sicher auch schon mal ein vielversprechendes Talent von den Eltern „verheizt“ wurde, gestaltet sich das im Fall von Emma Alessia Delwes ganz anders. „Natürlich unterstützen wir unsere Tochter nach Kräften“, verweist Vater Peter unter anderem auf seinen extrem hohen Tachostand. „Aber wir zwingen Emma nicht zum Training. Wir haben sie nicht einmal gepusht. Sie treibt uns eher hierher, damit sie trainieren kann.“ Dafür ist die 16-Jährige dann auch sehr, sehr dankbar. „Ohne die Unterstützung meiner Eltern würde das alles vermutlich gar nicht gehen. Das weiß ich auch sehr gut einzuschätzen und liebe sie dafür.“

Emma Alessia Delwes strebt nach dem Abitur ein Golfstipendium in den USA an

Auch wenn das Golftraining den größten Teil ihrer Freizeit einnimmt, bleibt zumindest noch etwas Zeit für andere Hobbys. „Ich spiele Klavier und versuche mich schon so oft es geht mit meinen Freundinnen zu treffen. Daher bin ich auch froh, dass sie Verständnis dafür haben, wenn es bei mir mal etwas schwierig ist, da ich mich auf ein wichtiges Turnier vorbereiten muss“, könnte das laut der 16-Jährigen in Kürze wieder etwas öfter der Fall sein. „In diesem Jahr will ich eigentlich richtig durchstarten. Als nächstes Ziel habe ich mir die Teilnahme am großen Jugendturnier in Leon Rot, dem Wichtigsten des Jahres, vorgenommen. Aber dafür muss ich mich erst noch qualifizieren.“ Doch auch wenn das in jedem Fall noch eine Hürde darstellen könnte, sollte die äußerst bescheiden wirkende Emma Alessia Delwes auch diese definitiv meistern können und damit ihrem großen Traum einen weiteren Schritt näher kommen. Zwar ist es noch eine gewisse Zeit bis zum Abitur, aber das Ziel ist schon jetzt ganz klar definiert. Ein Golfstipendium in den USA und im Anschluss eine Karriere als Profi. „Das wäre auf jeden Fall der Wahnsinn, wenn ich auf der LPGA-Tour mitspielen könnte. Das ist zwar mit jeder Menge harter Arbeit verbunden, aber ich werde auf jeden Fall alles daran setzen, um mir diesen Traum zu erfüllen“, gibt sich die 16-Jährige kämpferisch. Und sollte es mit ihrer Entwicklung in diesem rasanten Tempo weitergehen, könnte aus dem Traum tatsächlich in ein paar Jahren Realität werden. Denn neben dem Talent sind zweifelsohne auch der nötige Biss und Eigendisziplin vorhanden. Die Voraussetzungen könnten also besser kaum sein.

Von Kai Caspers

Vor dem Abschlag erhält Emma Alessia Delwes noch Anweisungen von Michael Butcher.

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