Sport & Schau: Juliana-Bicycle-Team begeistert mit waghalsigen Stunts

Auf einem Rad bis nach Amerika

Atemberaubende Pyramide: Das Juliana-Bicycle-Team begeistert bei Sport & Schau mit seiner Einrad-Artistik.

Verden – Es ist absolut unglaublich und einzigartig – das Juliana-Bicycle-Team aus den Niederlanden. Ihre waghalsigen Stunts, wie das Bauen lebendiger Pyramiden von bis zu sechs Metern Höhe während des Fahrens auf einem Rad, machten die Truppe weltweit bekannt. Die Einrad-Artisten des vor 110 Jahren gegründeten Kunstfahrvereins gehören nicht ohne Grund zur absoluten Spitzenklasse ihrer Disziplin. Am 11. Januar 2020 zeigen sie ihr Können bei der 36. Auflage von Sport & Schau in der Verdener Niedersachsenhalle.

Der Kunstfahrverein aus Millingen am Rhein ist 1909, dem Geburtsjahr der Prinzessin Juliana – daher auch der Name des Vereins – gegründet worden. Mittlerweile ist er im In- und Ausland bekannt und einzigartig in der Disziplin der Fahrrad-Akrobatik. Doch das ging, auf niederländische Art und Weise, ganz langsam. Der Kunstfahrverein wurde an einem schönen Nachmittag im Kölder Café in Millingen gegründet. Zu dieser Zeit war das Radfahren gerade in Mode und wurde immer noch wie das Fahren unterrichtet.

Es war also eine Errungenschaft, Fahrrad zu fahren. Aus diesem Grund gab es in Millingen wochenlang Gerüchte, dass eine Gruppe einheimischer Radfahrer eines Tages bis nach Arnheim fahren würde. Mehr als 60 Kilometer hin und zurück. Und so geschah es tatsächlich. Die Radfahrer machten diese Reise – und sie fanden sie so gut, dass sie beschlossen, eine echte Fahrradvereinigung zu gründen und nun regelmäßig zu allen möglichen Orten zu radeln. Die Mitglieder zogen sich einen weißen Anzug und eine weiße Kappe mit einem großen Schirm an. So wurden sie sogar einst auf einer Postkarte verewigt. Aus diesen Radreisenden sind die Kunstradfahrer von heute hervorgegangen. Es beschränkte sich erst auf sehr einfache Künste wie Schwingen und Kopfpositionen am Lenker.

Nach und nach wurden in der Grenzregion immer mehr dieser Vereine gegründet und sie fanden sich bald für Wettbewerbe zusammen. Für diese Events wurden Sondernummern fertiggestellt, deren Linien genau definiert wurden. Doch irgendwann wurde das langweilig. Zumindest für die Mitglieder von „Juliana“. Aus diesem Grund haben sie angefangen, spezielle Nummern und Stunts zu kreieren, die sich von allem bisher Gezeigtem abgrenzte. Doch dies erforderte auch ganz andere Fahrräder, wie zum Beispiel das Einrad. Das erste Einrad wurde übrigens in Millingen geboren. Das ist Jahrzehnte her. Als „Juliana“ bei den deutschen Wettbewerben mit dem ersten Einrad auftrat, sorgte dies für großes Aufsehen. Niemand verstand genau, wie es gebaut war – und die Mitglieder von „Juliana“ hüteten ihr Geheimnis sorgfältig. Unmittelbar nach der Vorführung wurde die Hälfte des Fahrrads in einen Leinensack gelegt, und niemand durfte hinein schauen. Der erste Erfolg, ein erster Preis im Radkunstlauf, wurde in Matterborn (Deutschland) erzielt. 1913 wurde in der deutschen Stadt Donsbrugge erneut ein erster Preis gewonnen. Nach vielen Jahren des Wohlstands und des Erfolgs kam es 1940 zum Zweiten Weltkrieg. 1943 wurde der Verein von den Herrschern verboten, da er den Namen der damaligen Königin Juliana trug. Die erzwungene Evakuierung im Jahr 1944 ruinierte den Verein vollständig, da bei seiner Rückkehr im Jahr 1945 die Fahrräder und alle Trophäen verschwunden waren.

Heute sind die Kunstradler aus den Niederlanden so erfolgreich wie nie. Mit dem Bauen lebendiger Pyramiden von bis zu sechs Metern Höhe, die radelnd zustande kommen, und Rekorden wie dem kleinsten Fahrrad Europas, das von einem erwachsenen Mann gefahren wird, werden sie in Kanada, Amerika und fast allen europäischen Ländern bejubelt.

Am Sonnabend, 11. Januar 2020, sind sie ein Highlight bei Norddeutschlands größter Sportgala und werden 8000 Zuschauer zum Staunen und Toben bringen.  ct

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