Achimer Friedel Gehrke will 2021 letzmalig hauptverantwortlich Ü32-Fußball-DM ausrichten

Ein Tausendsassa auf Abschiedstour

Als Aktiver und Funktionär über Jahrzehnte im Dienste des Fußball – und da speziell für die Senioren-Mannschaften – unterwegs: Der Achimer Tausendsassa Friedel Gehrke.
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Als Aktiver und Funktionär über Jahrzehnte im Dienste des Fußball – und da speziell für die Senioren-Mannschaften – unterwegs: Der Achimer Tausendsassa Friedel Gehrke.

Achim – Er ist der Erfinder der überregionalen Ü-Fußball-Meisterschaften, hat zahlreiche Turniere über Jahrzehnte organisiert. Ob Niedersachsentitelkämpfe der Ü32, Ü40, Ü50, ob Deutsche Meisterschaften: der Achimer Friedel Gehrke kämpfte für seine „Babys“ immer an vorderster Front. Auf Landesebene hat der 70-Jährige seine Ämter längst niedergelegt (wir berichteten), im kommenden Jahr soll nun auch bei den Deutschen Meisterschaften als Verantwortlicher endgültig Schluss sein. Wir sprachen mit dem Tausendsassa.

Stört oder ehrt es Sie doch eher, dass Sie überall als „Vater aller Ü-Meisterschaften“ genannt werden?

Nun, ich sehe das als Anerkennung für meine Ideen, deren Umsetzungen und meine Einsatzbereitschaft an. Durch solche Formulierungen steigt zugleich ja auch die Anerkennung für den Ü-Fußball.

Sie haben vor gut 33 Jahren die ersten inoffiziellen Niedersächsischen Titelkämpfe der Ü32 und 2005 die inoff. Deutsche Ü32-Meisterschaft ins Leben gerufen. Nach Beendigung Ihrer Arbeit als NFV-AH-Spielleiter Ende Juni 2020 sollen nun, wenn es die Pandemie zulässt, in Bremen im Juni 2021 mit dem 16. DAHSCÜ 32 die letzten Deutschen Meisterschaften in Ihrer Funktion folgen. Was überwiegt: Erleichterung oder Wehmut?

Beides natürlich! Wenn man so lange für den Ü-Fußball gewirkt und überwiegend Anerkennung für das dabei Entstandene erhalten hat, dann möchte man, dass es immer so weiter geht. Wir wissen ja aber alle, dass das schlechterdings aus biologischen Gründen nicht geht. Insofern bin ich froh, dass ich in Markus Bezler von der TSG Hofherrnweiler-Unterrombach einen jüngeren, kompetenten Nachfolger für meine Funktion als Vorsitzender in der Wettbewerbsleitung des “Deutschen AH-Supercup Ü32” gefunden habe. Markus übernimmt mit einem eigenem Team nach dem 16. DAHSCÜ32 in Bremen-Blumenthal, worüber mein Orgateam und ich sehr froh sind.

Sie haben in all den Jahren bei den vielen Ü-Events und auch schon während der Vorbereitung viel erlebt. Welches positive Ereignis fällt Ihnen da spontan ein?

Da gab es natürlich sehr viele positive Erlebnisse. Ich möchte aber an dieser Stelle auf ein ganz tolles Ereignis hinweisen, das gerade im Sommer 2020 ablief: Beim FC Neuenburg in Südbaden sollte der 15. DAHSCÜ32 stattfinden, musste aber wegen Corona abgesagt werden. Der Ausrichter hatte eigens auf eigene Kosten seinen Platz 2 neu angelegt und stand nun auf einmal ohne diese Kosten ausgleichende Einnahmequelle da, nämlich die Einnahmen aus dem zweitägigen Turnier. Wir reden über eine fünfstellige Summe! Ich wollte dem FCN natürlich in dieser Situation nicht allein im Regen stehen lassen und schrieb deshalb die 40 Teilnehmerteams an, um sie zu bitten, zu Gunsten des FCN auf die Rückerstattung ihres Startgeldes von 200 Euro je Team zu verzichten. Was dann einsetzte, kann man mit Worten an sich nicht gut genug beschreiben, denn die Teams verzichteten nicht nur auf ihr Startgeld sondern auch auf den bezahlten Solibeitrag, sodass unterm Strich 23 100 Euro an Spenden dabei herauskamen. Der FC Neuenburg war glücklich und sprachlos zugleich, das finanzielle Desaster war damit verhindert worden.

Und welches würden Sie am liebsten aus Ihrem Gedächtnis streichen?

Der Rücktritt von zwei meiner DAHSCÜ32-Orgateammitglieder, der aufgrund interner und damit nicht für die Öffentlichkeit bestimmter Dinge erfolgte.

Als Ausrichter der 16. inoffiziellen Deutschen Meisterschaft galt bisher nur der Blumenthaler SV. Warum sind nun noch die Standorte Lüssum, Marßel und Osterholz-Tenever dazu ins Boot geholt worden?

Nach der Absage des 15. DAHSCÜ32 hatte ich das Problem, wie die sportliche Enttäuschung bei den 40 Teilnehmern kompensiert werden könnte. Schnell war für mich klar, dass alle 40 Teams ein Jahr später teilnehmen sollten. Glücklicherweise kam der Blumenthaler SV dann selbst auf die Idee, mit 64 Teams (16 Vierergruppen) ausrichten zu wollen. Wegen den benötigten erhöhten Platzkapazitäten nahm der BSV dann die SG Marßel und den TSV Osterholz-Tenever mit uns Boot. Der Platz in Lüssum befindet sich nur wenige hundert Meter vom Burgwallstadion entfernt. Somit stehen für den 16. DAHSC Ü32 insgesamt zwölf Sportplätze zur Verfügung. Diese sind erforderlich, weil ja noch die im Jahr 2020 ermittelten Verbandsmeister zu berücksichtigen waren. Deshalb ist die Teilnehmerzahl von 64 Mannschaften ideal.

Die Planungen für dieses Event laufen bereits auf Hochtouren, obwohl ja noch niemand weiß, ob es dann auch ausgetragen werden kann. Woher kommt der Optimismus bei Ihnen und dem Veranstalter-Team?

Natürlich wissen wir Verantwortlichen alle, dass Corona die Austragung unmöglich machen könnte. Aber wie lange hätten wir warten sollen? Deshalb mussten wir die Planungen komplett durchziehen, damit wir gewappnet sind, wenn das Turnier doch stattfinden kann.

Und was passiert, wenn die Titelkämpfe dann doch Corona zum Opfer fallen?

Dann darf der BSV die Endrunde im Jahr 2022 ausrichten. Die anderen bereits als Ausrichter in den kommenden Jahren feststehenden Vereine FC Neuenburg, SV BW Neuhof, Helmstedter SV, TuS Leimen zeigten sich solidarisch mit dem BSV und rutschen dann alle ein Jahr nach hinten. In einer Familie hilft man sich doch, oder?

Gewähren Sie uns doch nur kurz einen Einblick ins Finanzielle: Was kostet über den Daumen gepeilt die Ausrichtung solch eines mehrtägigen Events?

Die Zeiten haben sich natürlich gewandelt und damit auch die Ansprüche von Ausrichtern an sich selbst: Wie will ich das zweitägige Event ausrichten? Als Ausrichter des 2. DAHSCÜ32 im Jahr 2007 hatten wir, der TSV Achim, TSV Bierden sowie TB Uphusen, schon Kosten in Höhe von 50 000 bis 60 000 Euro. Die Ausrichter der letzten Jahre dürften damit nicht ausgekommen sein. Andererseits: Der Landrat im Vogtland, Ausrichtung 2017, bezeichnete den DAHSCÜ32 damals mit “Das Oldieturnier ist für die Region Vogtland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor”! Wenn ein normaler Ablauf vorliegt, kann ein Ausrichter einen guten Gewinn erzielen! Nach Bremen würden über 2000 Personen aus dem Bundesgebiet anreisen. Nicht nur die Hotellerie freut sich darüber.

Der DAHSCÜ32 ist eine inoffizielle, also vom DFB immer noch nicht anerkannte Deutsche Meisterschaft. Warum eigentlich nicht?

Die Kommunikation zum DFB ist erloschen und zwar nicht von unserer Seite aus. Es ist einfach ein Trauerspiel, wie bestimmte DFB-Verantwortliche mit uns umgegangen sind. Schon Reinhard Grindel, auf den wir 2016 in Wildeshausen trafen, beließ es uns gegenüber nur bei Floskeln. Was soll man bloß davon halten, wenn hohe DFB-Funktionär den eigenen Vorstellungen “Wir müssen näher an die Basis ran” nicht mehr folgen?! Selbst, wenn der DFB einen DFB-Ü32-Cup endlich einrichten würde, bliebe der DAHSCÜ32 bestehen, dann als Deutscher Bundespokal.

Sie haben in Markus Bezler einen engagierten Nachfolger für die Ü32-DM gefunden, den sie sozusagen in den vergangenen Monaten sanft einarbeiten konnten. Was waren Ihre wichtigsten Tipps für ihn?

Mein Rat an ihn war und ist, dass er dafür sorgen möge, dass der DAHSCÜ32 noch lange Jahre bestehen bleiben möge. Er muss sehen, dass er rechtzeitig Vereine anspricht – wenn sie nicht von alleine kommen würden – und sie als künftige Ausrichter rekrutieren kann. Im Moment kann er sich diesbezüglich etwas zurücklehnen, denn ich habe bereits Ausrichter bis 2026 gefunden.

Läuft alles nach Plan, sind Sie nach der Meisterschaft in Bremen Fußball-Rentner. Doch einer wie Sie, stets fußballverrückt, kann doch nicht die Füße stillhalten, oder?

Nein, Füße stillhalten kann und will ich auch nicht. Auf Markus’ Wunsch werde ich in zweiter Reihe gewisse Arbeiten verrichten. Mein Fußballpartner von Anfang an, Helmut Königstein, und ich haben uns fest vorgenommen, dass wir, solange unsere Gesundheit hält, weiterhin alle Ü-Endrunden auf Niedersachsen- und/oder Bundesebene besuchen werden. Wir können doch “unsere Kinder” nicht alleine im Wald stehen lassen . . . und ich habe weitere Projekte im Hinterkopf. Mal schauen, was sonst noch möglich ist.

Von Frank Von Staden

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