„Dreimal Triple 20 verleiht magisches Gefühl“ / Schon 21 Mitglieder / Doppel-Aufstieg im Visier / Turnier mit WM-Starter

Dragons: Dart-Fieber grassiert in Dauelsen

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Vor der Anlage im Dauelser Clubheim nimmt die Hälfte der Dart Dragons Haltung an: Stephan Marwedel, Florian Schwarze, Dieter Gust, Marcus Körner (hinten von links), Michael Müller, Frank Schmidt, Ralf Skibba, Nils Walderra (Mitte von links), Birgit Müller, Anna Wellmann und Spartenleiter Holger Petersson (vorne von links).

Dauelsen - Von Ulf von der Eltz. Bei der Weltmeisterschaft in London Anfang Januar fieberten 1,86 Millionen Zuschauer mit und bejubelten den überraschenden Finalsieg von Gary Anderson gegen Phil Taylor – Rekordquote für Sport1. Die Basketball-Bundesliga etwa bringt es im selben Sender nur auf rund ein Drittel. Viel besser kann die Faszination des Darts nicht dokumentiert werden. So langsam etabliert sich die in englischen Pubs entstandene Randsportart. Und mittendrin werfen die Dart Dragons des TSV Dauelsen ihre Pfeile im Ligabetrieb des Bezirks-Dartverbandes Lüneburger Heide.

„Wir erleben zwar keinen Boom in Deutschland wie damals mit Boris Becker im Tennis, aber es tut sich was“, betont Holger Petersson. Der Dragons-Spartenleiter hatte 2010 die Idee und tat sich mit 16, 17 Leuten zusammen. Die Gruppe traf sich unregelmäßig in Kneipen. Als Petersson drei Jahre später einen Verein gründen wollte, scheiterte dies aus zeitlichen und finanziellen Gründen: „Im Endeffekt war das vielleicht sogar ganz gut so.“

Stephan Marwedel, als Goalgetter der Blau-Gelben in der Fußball-Kreisliga einst gefürchtet, bekam Wind davon und stellte den Kontakt zu seinem TSV Dauelsen her: „Der Vorstand war gleich begeistert, im April 2014 haben wir dann unsere Anlage mit den vier Boards mitgebracht und im Clubheim aufgebaut.“ Dafür wurde sogar die in Ehren gehaltene Vitrine mit zahlreichen Pokalen höher gehängt.

Zwar war nur noch ein harter Kern von etwa zehn Dartern übrig geblieben, aber mittlerweile hat sich die Sparte auf 21 Aktive vergrößert. Gleich zwei Mannschaften nahmen im September den Spielbetrieb auf. Das A-Team wirft in der Bezirksliga, das B-Team in der Bezirksklasse. Beide steuern in ihrer im April endenden Premieren-Saison den Aufstieg an.

Nicht ohne Stolz merkt Petersson an, dass die Dragons eine Vorreiterrolle im Kreis Verden einnehmen: „Es gibt noch Darter in Oyten, die spielen aber hobbymäßig und schließen sich dem Bremer Verband an.“ Der kam für die Dauelser nicht infrage – und da es in Niedersachsen nicht so viele gibt, sind sie Mitglied im BDVLH von 2008. Bei dessen großem Einzugsgebiet gibt es schon mal Auswärtsfahrten von bis zu 150 Kilometern wie nach Uelzen.

Die Luft der großen, weiten Dart-Welt schnupperten die Dragons trotz ihres jungen Bestehens schon reichlich. So trafen sie bei ganztägigen Turnieren auf Tomas „Shorty“ Seyler, der eine Dart-Kneipe in Bremen betreibt und dieses Jahr bei der WM startete. „Unsere deutschen Vorbilder sind allerdings Andre Welge und Jyhan Artut“, wirft Kassenwart Michael Müller ein. Auch Artut begeisterte das Londoner Publikum bei seiner WM-Teilnahme vor zweieinhalb Wochen.

Von ihren Idolen können sich die Dauelser am besten abschauen, was für das Darten wichtig ist – und gleichzeitig die Faszination ausmacht. Petersson: „Es sind so gegensätzliche Sachen wie Lockerheit und Konzentration. Beides in Einklang zu bringen, ist die ganz große Kunst. Und dabei merkt man auch, wie anstrengend unser Sport körperlich und mental ist.“

Immer wieder neue Wege gilt es zu finden, von 501 Ausgangszählern auf die Null zu gelangen. Denn das Besondere ist: Der letzte Pfeil muss in einem doppelten Punktefeld landen. Da braucht es schon zweimaliges Training pro Woche – und es zeigt umso deutlicher, dass es „alles andere ist als nur Pfeile werfen und Bier trinken. Obwohl das noch so manch einer glauben mag.“

Denn auch auf Bezirksebene trachtet der Darter schon mal nach der berühmten 180 – Petersson: „Dreimal Triple 20 zu werfen, verleiht einem tatsächlich dieses magische Gefühl. Aber meistens kommt man danach schnell auf den Boden zurück. Und außerdem gelingt es selten genug.“

Geerdet bleiben die Dauelser ohnehin, was schon die Altersstruktur zeigt. „Wir sind praktisch von 16 bis 60. Und wir haben Schüler, Justizfachangestellte, Kraftfahrer, Gärtner, Marktleiter und weiteres mehr in unseren Reihen“, betont der Sparten-Chef. Wie bei einem ganz normalen Verein, zu dem allerdings noch eines fehlt. Stephan Marwedel: „Wir wollen demnächst unbedingt eine Jugendabteilung gründen, damit wir ähnliche Strukturen haben wie beim Fußball.“

Das beinhaltet natürlich die Suche nach neuen Talenten, die ebenso wichtig ist wie die nach Sponsoren. Petersson: „Die weiten Fahrten verschlingen schon eine Menge Geld.“ Wer interessiert ist und spezielle Fragen hat, kann formlos an dartdragons@gmx.de schreiben, darüber hinaus sind die Dauelser auch über Facebook zu erreichen.

Hintergrund: Drei gewonnene Legs bringen den Satz – und einen Punkt fürs Team

Die Scheibe: Die Dartscheibe (englisch: Dartboard) unterteilt sich in 20 Segmente mit der Wertigkeit 1 bis 20 und den Mittelpunkt Single Bull = 25 und Bull’s Eye = 50 Punkte. Die Höhe bis zum Mittelpunkt der Dartscheibe ist 1,73 m über dem Boden. Der Abstand der Wurflinie (Oche) bis zur Scheibe beträgt horizontal 2,37 m für Steel Darts. Die Pfeile haben eine Spitze aus Metall und regelgerecht eine Länge von bis zu 30,5 cm bei einem Gewicht von bis zu 50 Gramm.

Die Regeln: Damit ein Wurf gewertet wird, muss der Dart bis zum Ausrufen der Punktzahl im Dartboard stecken bleiben. Steeldartspiele beginnen mit 501 Punkten. Jedes Spiel muss mit einem Doppelfeld beendet werden (Double out).

Die Spielweise: Eine Dart-Mannschaft besteht aus vier Spielern, die in direkten Duellen mit dem Gegner acht Einzel und vier Doppel absolvieren. Es wird immer bis zum Ende durchgespielt, es kann also ein 6:6 geben. Ein Satz beinhaltet drei gewonnene Legs. Wer den Satz gewinnt, macht den Punkt für das Team. Gewertet wird wie beim Handball: Für einen Sieg gibt es 2:0 Punkte, für ein Remis 1:1 Punkte, für eine Niederlage 0:2 Punkte. Ähnlich der Tordifferenz gehen auch die gesamten Legs in die Wertung ein.

Die Dauelser Teams: Die Dart Dragons A stehen in der Bezirksliga des BDVLH mit 10:4 Punkten hinter Bulls Eye A aus Oldau-Övelgönne (13:1) und DC Fally Flyers C aus Bad Fallingbostel (12:4) auf Platz drei. Die Dart Dragons B führen in der Bezirksklasse vor The Devils Neighbour’s C aus Rätzlingen, ESV Munster C und Bulls Eye C (alle 8:4 Punkte).

Die nächsten Spiele: Die Dart Dragons A spielen am 28. Februar (19 Uhr) zu Hause gegen die DC Fally Flyers C. Die Dart Dragons B spielen am 28. Februar zu Hause (19 Uhr) gegen Bulls Eye C.

Die Trainingszeiten: Die Dart Dragons trainieren mittwochs und freitags (19 Uhr bis 21.30 Uhr) im Dauelser Vereinsheim.

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