WAS MACHT EIGENTLICH . . . ? Für Eric Chraplak stehen Familie und Beruf an erster Stelle

Die Phase Tischtennis ist abgeschlossen

Der berufliche Mittelpunkt von Eric Chraplak ist seit einigen Jahren die Privatschule „Mentor“ in Bremen-Gröpelingen.
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Der berufliche Mittelpunkt von Eric Chraplak ist seit einigen Jahren die Privatschule „Mentor“ in Bremen-Gröpelingen.

Bremen – Bremen-Gröpelingen, Schwarzer Weg. Auf einem großen Schulkomplex des Sozialwerks der Freien Christengemeinde Bremen befindet sich auch die Privatschule „Mentor“. Dort treffen wir Eric Chraplak. Der 48-Jährige ist mittlerweile pädagogischer Leiter der Sekundarstufe II. „Dass ich mal Lehrer werden würde, hätte ich vor zehn Jahren auch noch nicht gedacht“, schmunzelt Chraplak.

Im Kreis Diepholz wurde der gebürtige Achimer durch seine anderthalb Jahre beim ehemaligen Tischtennis-Verbandsligisten SV Kirchweyhe bekannt. Von 1987 bis 1988 begeisterte Chraplak im Schüleralter, spielte bei der SVK an Position eins und dürfte zusammen mit dem Ex-Heiligenroder Tobias Hippler (jetzt beim Zweitligisten 1. FC Köln unter Vertrag) zu den besten Spielern zählen, die je im Kreis Diepholz aufgeschlagen haben. Die Anfänge – sie liegen jedoch im Kreis Verden. In der Jugend schlug er zunächst für den TSV Uesen auf. Sehr schnell avancierte er trotz seines jungen Alters zu einer echten Alternative für die Herren. „Das hat in Uesen aber nicht geklappt. Im Nachhinein kann ich das gut nachvollziehen. Ich hätte als Erwachsener vermutlich auch keine Lust gehabt, mit einem Zwölfjährigen zusammen in einer Mannschaft zu spielen“, gesteht Chraplak ein. „Daher bin ich dann nach Holtum gewechselt und habe dort unter anderem mit Horst Rohde und Rolf Richter in der Bezirksliga aufgeschlagen.“

Tischtennis ist ein Sport, den man auch noch im höheren Alter erfolgreich ausüben kann. Aber Chraplak beschreibt sein Leben so, „dass es immer wieder Abschnitte gegeben hat, die danach dann keine große Rolle mehr gespielt haben“. So ist das für ihn auch mit dem Tischtennis, denn seit acht Jahren hat er keinen Schläger mehr angefasst: „Und es fehlt mir gar nicht.“

Dabei war das Spiel mit dem kleinen Ball für den extrem talentierten Linkshänder mal einer der Mittelpunkte in seinem Leben. Chraplak war nie der Trainings-Weltmeister (der Autor kann das als ehemaliger Mitspieler von Chraplak bei der SVK bestätigen), aber er hatte immer ein feines Händchen. Zudem spielt niemand so richtig gern gegen Linkshänder. 1986 kam der damals 14-Jährige zur SVK und avancierte als Spitzenspieler des Verbandsligisten gleich zur Punktebank. In seiner Kirchweyher Zeit wurde Chraplak unter anderem deutscher Schüler-Meister im Mixed (1986). Drei Jahre später schaffte er das auch bei der Jugend. „Als wir kürzlich das Haus meiner Mutter ausgeräumt haben, habe ich die alten Pokale und Urkunden gefunden, die mir vorher nie so wichtig waren. Einige davon habe ich mir gesichert“, sagt Chraplak.

Seine Leistungen in Kirchweyhe weckten schnell Begehrlichkeiten anderer Clubs. Es war klar, dass ihn die SVK nicht würde halten können. Was aber trotz der kurzen Verweildauer verwundert: Nach mehr als 30 Jahren kann Chraplak noch alle fünf Mitspieler benennen: „Werner Schubert, Ralf Bokelmann, Ulli Greschuchna, Manfred Schreiber und Gerd Töbelmann – es war eine schöne Zeit und der richtige Verein zur rechten Zeit.“ Aber eben nur ein Abschnitt in seinem Leben.

Danach sicherte sich Zweitligist Helga Hannover seine Dienste. Mit den Hannoveranern wurde er zweimal Vizemeister, aber zur Bundesliga hat es nicht gereicht: „Vielleicht war ich dafür dann doch nicht gut genug.“ Mit Helga verbindet Chraplak noch ein weiteres Highlight: „Das war in der Saison 1989/90. Da haben wir vor mehr als 1000 Zuschauern im Pokal gegen Borussia Düsseldorf mit den Stars Roßkopf und Fetzner gespielt. Wir haben zwar klar verloren, aber für mich als 17-Jähriger war das ein tolle Sache.“

Danach spielte er unter anderem noch beim SV Werder Bremen und VfL Salder in der 2. Liga. Zum Ende seiner Karriere folgten in Ostdeutschland noch Engagements in Egeln und Freyburg. Letztgenannte Stationen hatten etwas mit Chraplaks beruflichem Werdegang zu tun. 1999 beendete er sein Studium der Politik-Wissenschaft und Geschichte in Oldenburg und ging ein Jahr später nach Bernburg an der Saale. Nicht etwa als Lehrer – sondern als Betreiber eines 2500 m² großen Freizeit-Centers mit Disco, Bowlingbahn und Geschäften. „Es war eben wieder so ein Abschnitt bei mir“, schmunzelt Chraplak. Aber auch mit seiner Holtumer Vergangenheit, der ersten Station im Herrenbereich. Denn sein ehemaliger Mitspieler Rolf Richter war mittlerweile beruflich in Sachsen gelandet und hatte sich an das große Ausnahmetalent erinnert. Chraplak: „Rolf hat mich dann zu einem Einsatz für den Freyburger TTV in der Verbandsliga überredet.“

Erst 14 Jahre später kehrte er nach Bremen zurück. Wohl auch wegen seiner jetzigen Frau Jolanta, die erst Managerin im Roland-Center war und jetzt im Walle-Center ist. In dieser Zeit wurde auch Tochter Emilia geboren. Chraplak kümmerte sich viel um Emilia, wollte aber auch beruflich noch mal was Neues anfangen. Und jetzt konnte er auf sein Studium setzen: „Ich bin sozusagen ein Quereinsteiger als Lehrer, habe mich bei Mentor beworben und bin jetzt seit 2016 dabei.“

Die Privatschule hat derzeit etwa 130 Schüler und Klassen von zehn bis 25 Kindern und Jugendlichen. Chraplak betont dabei, „dass wir nun wirklich keine Eliteschule sind“. Das Schulgeld von 280 Euro pro Monat für Bremer Schüler spricht dafür. Es gibt auch Zuschuss-Möglichkeiten. Der 48-Jährige hat zwar keine volle Stelle, stieg aber dennoch zum Leiter der Sekundarstufe II auf. „Organisatorische Aufgaben kann ich auch im Home Office erledigen“, sagt Chraplak, der froh ist, den Absprung vom Center-Manager zum Pädagogen geschafft zu haben: „In der augenblicklichen Lage des Lockdowns ist das gut für mich. Ich kann mit den ehemaligen Gastro-Kollegen mitfühlen.“

Mit dem Leistungssport hat er komplett abgeschlossen – war eben so ein Abschnitt. Dennoch ist der gebürtige Achimer nicht in die „Breite“ gegangen: „Zweimal pro Woche mache ich Kieser-Training an Geräten, um was für den Rücken zu tun.“ Und was ist mit Tischtennis? „Ich habe keinen Drang, wieder mal den Schläger in die Hand zu nehmen.“ Das war halt eben so eine Phase in Chraplaks Leben, auf die er aber gern zurückschaut.

Von Gerd Töbelmann

Kirchweyhes ehemaliger Pressewart Fritz Ehlers hat alle Kreiszeitungsberichte über Eric Chraplak aufbewahrt. Der rechte Artikel zeigt Chraplak nach seiner definitiven Zusage für die SVK.

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