Verdenerin hat Lebensgefühl verbessert

Die neue Maren Kochta – dank Triathlon

Triathletin Maren Kochta sitzt im Verwell auf dem Beckenrand.
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Mit dem Schwimmen fing es an – die Triathlon-Leidenschaft entwickelte sich: Maren Kochta im Verwell.

Mit dem Training hat sie nach einer Verletzung begonnen, mittlerweile hat sich Maren Kochta aus Verden dem Triathlon verschrieben. In Erinnerung an zwei Krankheitsfälle in der Familie hat die einstige Kettenraucherin ihren Lebensstil komplett umgerempelt und fühlt sich besser denn je.

Verden – Triathlon. Für Außenstehende manchmal zwar keine ganz normale Sportart. Aber eine Sportart eben. Für viele Aktive selbst ist diese Dreifach-Disziplin aus Schwimmen, Radfahren und Laufen weitaus mehr – geradezu eine Lebensphilosophie. Triathlon hat auch das Leben von Maren Kochta aus Verden-Walle verändert. „Sport ist Mord. Das habe ich früher gedacht.

Und ich habe auch entsprechend ungesund gelebt, zum Beispiel jahrelang eine Schachtel Zigaretten am Tag geraucht“, macht die 41-Jährige kein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit.

Physiotherapeut Harm Tietje hat Maren Kochta animiert

Gut – sie betrieb seit 1996 in der kargen Freizeit, die einer gelernten Hotelfachfrau in der Gastronomie noch bleibt, regelmäßig Westernreiten auf einem Pferd der Familie. Nur zum Spaß, für Turniere war Maren Kochta besonders an Wochenenden immer zu sehr im Job eingespannt. Das war es dann aber auch schon mit den sportlichen Betätigungen, selbst im Fernsehen kam die Teamleiterin Gastronomie im Verwell (seit Oktober 2018 hat sie den Posten inne) nicht über die ganz großen Fußballturniere WM und EM hinaus: „Es hat mich halt nicht interessiert, was Menschen mit ihrem Körper machen.“

Bis ein Reitunfall im April 2019 alles umstoßen sollte. Zwei, drei Monate später waren die Knöchelbeschwerden noch so groß, dass der Arzt Krankengymnastik verschrieb. Und wie der Zufall es wollte, begab sie sich im August in die Hände des selbstständigen Physiotherapeuten Harm Tietje aus Neddenaverbergen. In die Hände eines weit gereisten Triathlon-Besessenen.

„Harm war gerade von einem Ironman zurückgekehrt, bei dem wegen großer Hitze selbst Profis umgekippt waren. Davon hat er mir erzählt und keinen abgedrehten, sondern einen völlig normalen Eindruck gemacht“, erinnert sich die Verdenerin. Und flugs kamen Maren Kochta die entscheidenden Gedanken: „Was der macht, kann ich auch.“ Zusätzlich foppte Tietje seine Patientin mit Sprüchen wie diesem: „Du arbeitest im Verwell? Da kannst du ja mit dem Fahrrad hinfahren. Und wenn du schon mal da bist, versuch es auch mit Schwimmen.“

Initialzündung beim Ironman auf Hawaii als TV-Erlebnis

Die verbalen Kitzeleien gaben zwar einen kleinen Anstoß, allein trieben sie Maren Kochta aber noch nicht zum Triathlon: „Ich musste an zwei lebensbedrohliche Krankheitsfälle in der Familie zurückdenken, die durch einen gesünderen Lebenswandel hätten verhindert werden können. Als Außenstehende hatte ich da doch sehr mitgelitten.“

Diese Gedanken veränderten die Einstellung der 41-Jährigen radikal. Nicht sofort, eher schleichend: „Ich bin dann mal geschwommen. Da ich schon immer technik-affin war, habe ich meine Leistungen ausgewertet, wollte wissen, wie schnell ich überhaupt bin.“ Als dann das Freibad Ende September geschlossen wurde, versuchte es Maren Kochta mit dem Laufen – und hörte von einem auf den anderen Tag mit dem Rauchen auf. Mit kolossalen Folgen: „Ich habe gemerkt, wie meine Laufleistungen besser wurden und mir geschworen, nie wieder eine Zigarette in die Hand zu nehmen.“

Auf der Straße unterwegs: Maren Kochta trainierte im Lockdown ganz viel mit dem Rennrad.

Immer größere Leistungssprünge begleiteten die nächsten Wochen – und schlugen auch auf den Alltag durch: „Plötzlich hat man mehr Energie und Kraft. Der Geschmackssinn ist viel besser, man muss nicht mehr husten.“ Harm Tietje blieb das natürlich nicht verborgen, der Neddener äußerte mehr im Scherz: „Dann kannst du ja auch einen Triathlon machen.“

Als Maren Kochta im Oktober 2019 das absolute Top-Event der Welt, den Ironman auf Hawaii, im TV verfolgte, war es endgültig um sie geschehen. Die Verdenerin beschäftigte sich nun intensiver mit der Dreifach-Herausforderung und meldete sich für den Maschsee-Triathlon in Hannover an, der im Juli 2020 wie so vieles andere wegen Corona abgesagt wurde. Die Hotelfachfrau ließ aber nicht locker, schaffte sich ein Einsteiger-Rad an und trainierte im Lockdown intensiv an der frischen Luft: „Wobei ich mir schon manchmal mehr Rücksicht von den Autofahrern gewünscht hätte.“

Maren Kochta wird bei der Premiere in Uelzen gleich AK-Zweite

Ende Juni diesen Jahres dann der große Moment – erster Triathlon. Olympische Distanz mit 900 Meter Schwimmen, 45 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. In Uelzen belegte Kochta in der W40 bis 45 in 2:48,41 Stunden gleich den zweiten Platz, was den 22. Gesamtrang bei den Frauen bedeutete. „Mein Ziel war eine Zeit unter drei Stunden, das habe ich locker geschafft. Somit konnte ich für die Premiere, nachdem ich erst eineinhalb Jahre dabei gewesen war, richtig zufrieden sein.“

Maren Kochta war infiziert mit dem Triathlon: „Dieses Hochgefühl im Ziel ist riesig, wenn man den eigenen Schweinehund überwunden hat. Einmalig.“ Und die Verdenerin merkt, dass noch mehr in ihr steckt, Ende August geht sie das Abenteuer Ironman 70.3 in Duisburg an. Es ist die Halbdistanz des richtigen Ironman: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Rad und 21,1 Kilometer Laufen. 

So etwas wie er in Mexiko mitgemacht hat, das kann ich mir auch vorstellen. Ironman ist weltumfassend, da kommt man viel rum.

Maren Kochta über ihren Mentor und Ironman-Experten Harm Tietje

Wo das noch alles hinführen soll, weiß das kleine Energiebündel nicht – erst mal will die 41-Jährige sehen, wie es in Duisburg läuft, bevor Planungen für 2022 beginnen. Aber im Hinterkopf schwingen Träume von Top-Events in Hamburg oder Frankfurt mit: „Langfristig möchte ich schon einen Ironman absolvieren.“ Harm Tietjes Berichte haben elektrisiert: „So etwas wie er in Mexiko mitgemacht hat, das kann ich mir auch vorstellen. Ironman ist weltumfassend, da kommt man viel rum.“

Das neue Leben der Maren Kochta. Sie ist fitter und ausgeschlafener als noch vor ihrem Wandel, hat 15 Kilo abgenommen. Ist von Verletzungen bisher verschont geblieben. Und was noch ganz wichtig ist: „Die Psyche blüht ungemein auf, ich bin viel gelassener und ausgeglichener geworden.“ Keine Spur mehr von „Sport ist Mord“ – Triathlon ist ein Teil der Lebensphilosophie geworden.

Von Ulf Von Der Eltz

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