30. Auflage von 8000 Zuschauern frenetisch gefeiert

Dibaba: „Und jetzt soll Schluss sein?“

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Perfektes Spiel mit dem Publikum: Yared Dibaba heizte die Stimmung mit dem Lied „Celebration“ an.

Verden - Von Ulf von der Eltz. Als die beiden Pariser Polizisten Christophe und Patrick nach ihrem atemberaubenden Balance-Akt unterm Dach unbeschadet wieder festen Boden unter den Füßen hatten, kannten die Begeisterungsstürme keine Grenzen mehr.

Es war der emotionale Höhepunkt bei Sport & Schau in der Verdener Niedersachsenhalle. Gleichzeitig schlich sich Wehmut bei den insgesamt 8000 Zuschauern ein – im Bewusstsein, mit der 30. Auflage die letzte ihrer Art erleben zu dürfen.

Spätestens jetzt erhielten die Begrüßungsworte des bestens aufgelegten Yared Dibaba noch einmal besonderes Gewicht: „Ich bin fassungslos, weil nach meiner zehnten Sport & Schau plötzlich Schluss sein soll.“ Und der Moderator des von der Mediengruppe Kreiszeitung, Kreissparkasse Verden sowie Kreissportbund Verden organisierten Events nahm das Publikum mit ins Boot: „Geht es euch auch so? Wir machen einfach ein ewiges Fest davon und lassen es richtig krachen.“ Wenig verwunderlich, dass der gebürtige Äthiopier das Feuer während der gesamten Sportgala mit gezielten Äußerungen schürte – sei es der Vergleich mit den Rolling Stones, die schon mehrere Male ihre letzte Tournee angekündigt hatten, oder mit Schneewittchen, die wachgeküsst wurde: „Und alles geht weiter. War nur so ein Gedanke…“

Apropos Schneewittchen: Spitzenathleten der Deutschen Turn-Bundesliga eröffneten Norddeutschlands größte Sportgala mit einer märchenhaften Nummer am Barren, die sieben Zwerge verwandelten sich in „ZZ-Top-Rocker“ und umgarnten ihre Liebste – Comedy gepaart mit Humor und Höchstleistungen. Die zeigten auch die Polizisten der „Brigade Spéciale de Gymnastique“ zunächst an drei hintereinander aufgestellte Barren. Später ließen die Pariser Ordnungshüter Christophe und Patrick mit ihrem halsbrecherischen Balance-Akt an einer Leiter, die auf einem unterhalb der Hallendecke hängenden Trapez gelegt worden war, den Atem stocken. Obwohl beide nicht das gleiche Gewicht haben, hielten sie die Leiter immer in der Waage – ob mit Füßen oder mit den Zähnen daran hängend. „Da muss sich jeder absolut auf den anderen verlassen, sonst ist ein Absturz vorprogrammiert. Einfach unglaublich“, kam selbst Dibaba nicht aus dem Staunen heraus: „So etwas haben wir hier noch nie gesehen“. Wenn es den alle gesehen haben, denn so mancher Zuschauer hielt sich vor Spannung die Hände vor die Augen. Kein Wunder, dass das Duo frenetisch gefeiert wurde.

Wie auch die Troup Grechsuhkin aus Moskau mit ihrem doppelten russischen Barren, auf dem die Künstler nach ihren Sprüngen traumhaft sichere Landungen hinlegten – selbst nach dem Dreifach-Salto als Höhepunkt. Dem standen die Alexis Brothers in nichts nach, die portugiesischen Brüder Marco und Paulo unterstrichen, warum sie die weltbesten Akrobaten sind. Ihre unbändige Kraft paaren sie mit Anmut, die besonders bei den weiblichen Zuschauern die Herzen höher schlagen ließen.

Absolute Körperbeherrschung zauberte das Duo Air Act bei seiner Höhenartistik in die Halle, das russisch-ukrainische Ehepaar zeigte, dass dies auch mit viel Romantik möglich ist. „Kann Liebe schön sein“, geriet Dibaba ins Schwärmen. Ebenso wie beim T-Beam, das Damen-Trio von der Deutschen Nationalmannschaft begeisterte an drei Barren, die zu einem „T“ zusammengestellt waren. So richtig fetzen ließen es die Rockin Wormel Worms, die einen Rock’n’Roll aufs Parkett legten, der sie schon zu Weltmeisterehren geführt hatte. Schwungvoll ging es auch bei den Rope-Skippern aus Deutschland und Belgien zu, als sie sich in ihrer „Operation Seepferdchen“ von britischen Agenten in griechische Elite-Soldaten verwandelten und ein Tempo vorlegten, das mit normalem Seilspringen kaum noch etwas zu tun hat.

Sport und Schau in Verden 2014

Sport und Schau in Verden - Teil 1

Sport und Schau in Verden - Teil 2

Das künstlerische Highlight lieferte Iris Nachbar, die ehemalige Weltmeisterin ließ sich mit ihrem Rhönrad in einer beeindruckenden Kür durch die Halle führen – von einem ganz besonderen Polizisten: Niels Weberling. Der hatte die Zuschauer zuvor als Gummimensch mit einer Pantomine der Extraklasse von den Sitzen gerissen. „Herr Niels“ ließ eine Flasche in Zeitlupe durch die Halle flutschen und sich von einem Luftballon treiben. Die Lachmuskeln strapazierte diesmal ein Trio, das Frankreich bei den nächsten Olympischen Spielen repräsentieren will: „Les Goulus“, denen so manches Mal ihre Pferde durchgingen und sogar ins Publikum davon galoppierten.

Bilder von der After-Show-Party

After-Show-Party der Sport & Schau in Verden

Lokalkolorit brachten neben den Sportlern des Jahres aus dem Landkreis Verden die 120 Karateka des Kreisfachverbandes sowie die DTB-Showgruppe „Together for midnight“ vom TSV Etelsen ins Programm, durch das wieder die „Nightbirds“ von Reinhard Stelter mit der starken Sängerin Jasmin Antic musikalisch führten. Das große Finale wurde durch eine einzigartige Laser-Show eingeleitet – „Shine a light on me“ nahm die Zuschauer mit auf eine unglaubliche Reise durchs Universum.

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