Der Traum von Edelmetall im Käfig

Oytener Tamado-Kampfsportler Mert Avanas fährt zur MMA-WM

Da muss Head-Coach Torsten Hass abklatschen, Mert Avanas hat ihn kampfunfähig gemacht.
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Da muss Head-Coach Torsten Hass abklatschen, Mert Avanas hat ihn kampfunfähig gemacht.

Großer Sport braucht mehr als Inspiration. Er braucht Präzision. Und die beginnt mit der Vorbereitung. Keiner weiß das besser als Torsten Hass, Geschäftsführer und MMA Head-Coach des Fitness- und Kampfsportstudios Tamado in Achim. Das vermittelt er in diesen Tagen vor allem seinem derzeit hoffnungsvollsten und erst 17 Jahre alten Schützling Mert Avanas, mit dem er am 28. Juli von Bremen aus nach Sofia startet, wo der Youngster in der wohl vielfältigsten und gleichzeitig härtesten Kampfsportart, dem Mixed Martial Arts, kurz MMA, nach einer WM-Medaille greifen will.

Achim/Oyten – Bähm, bähm, bähm: Mit rasender Geschwindigkeit bearbeitet der 17-jährige Oytener im heimischen Käfig, in dem MMA ausgetragen wird, den Körper seines Kampfsporttrainers. Links, rechts, wieder links. Erst fliegen die Fäuste zum Kopf, dann die Knie in die Flanken des Coaches. Avanas powert sich sichtlich aus. Doch irgendwie scheint der Youngster nicht müde zu werden. „Darf ich nicht. Deshalb trainiere ich täglich vier bis fünf Stunden, lebe für diesen Sport. Ich will Erfolg – und dafür muss alles Andere hinten anstehen“, sagt Mert später. Der Schweiß tropft ihm dabei vom Kopf, in die Augen, strömt regelrecht aus jeder Pore seines durchtrainierten Körpers.

MMA-Weltmeisterschaften steigen in Sofia

Hass und der Youngster: Das scheint mehr als nur Trainer und Schützling. Es wirkt wie eine sportliche Vater-Sohn-Beziehung. Hier ein lässiger Klaps an den Hinterkopf nach einer guten Schlagaktion, da eine kurze Umarmung während der Technikbesprechung. „Wir teilen einen Spirit, eine sportliche Lebenseinstellung. Und wir sind ja im Grunde jeden Tag beisammen“, lacht Hass. Und er gibt alles, um seinem Schützling bei der Erfüllung dessen Traumes zu unterstützen: eine Medaille bei der WM in Bulgarien.

Ein großer Traum, durchaus. Doch Träume müssen bekanntlich groß sein!

Keine Chance bei diesem Schlaghagel von Mert Avanas hat in dieser Szene Trainer Torsten Hass vom Tamado Achim, der mit seinem Schützling demnächst zur WM fährt.

Zeit, diesen zu verwirklichen, hat Mert derzeit genug. So beendete er kürzlich erfolgreich die 10. Klasse der Realschule Achim, beginnt im August eine Lehre zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. So verbringt der junge Mann, der in Kindesalter im Oytener Enjoy durch Trainer Andreas Pajer die ersten Griffe im Judo erlernte, seine Freizeit ausschließlich mit Sport. Allerdings gehört Fußball, die Leidenschaft seines Bruders Murat, überhaupt nicht dazu. „Habe ich probiert, macht keinen Spaß!“

Wir teilen einen Spirit, eine sportliche Lebenseinstellung. Und wir sind ja im Grunde jeden Tag beisammen.

Torsten Hass über sein väterliches Verhältnis zu Mert Avanas

Seit Mert im Januar 2019 im Tamado mit dem Mixed Martial Arts begann, hat er sich kontinuierlich weiterentwickelt und bestritt im Januar 2020 seinen ersten großen Kampf. „Seit dieser Zeit ist Merts Kampfrekord mittlerweile auf sieben Amateurkämpfe angewachsen. Das ist eine beachtliche Zahl für sein Alter. Fünf davon konnte er siegreich bestreiten. Folgerichtig wurde er im Januar in das deutsche MMA-Nationalteam berufen. Seit Februar trainiert Mert intensiver – aber nun ist er in der heißen Phase angelangt“, klärt sein Head-Coach auf. Und der U18-Kämpfer (bis 65 kg) fügt an: „Es gab eine Phase, da hatte ich kurz die Lust an diesem Sport verloren. Aber als ich dann vor rund 3000 Zuschauern in den Käfig steigen durfte und später für meine Performance im Fight, den ich übrigens verloren habe, viel Applaus und später großes Lob bekam, war ich wieder Feuer und Flamme. Jetzt sehe ich das MMA wie einen Job, wie eine Berufung – meine Berufung! Aber all das hätte ich ohne meinen Trainer nicht geschafft. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“

Ackern für die Käfig-Kämpfe

Das Tamado, das sich auf Kampfsport spezialisiert hat, bietet den Vorteil, alle anderen notwendigen Bereiche für die „Käfig-Kämpfe“ abzudecken, sodass neben MMA auch BJJ (Brazilian Jiu-Jitsu) und Kickboxen auf dem Trainingsplan stehen. „Ganz wichtig sind die vielen Trainingspartner, ohne die Zweikampfsport nicht denkbar wäre. Auch hier bekommt Mert die größtmögliche Unterstützung“, sagt Hass, der Avanas ab dem 5. Juli fünf Tage ins Trainingslager mit etlichen Sparringsrunden schicken will. „Am Ende gilt es noch einmal in sich zu gehen und die letzten Tage vor dem Abflug etwas Ruhe zu tanken, bevor dann am 30. Juli der erste Kampf in Sofia ansteht. Gekämpft wird bei den Junioren im Vollkontakt aber ausschließlich zum Körper mit entsprechender Schutzausrüstung wie Schienbeinschützer und stark gepolsterte Handschuhen!“

Balance halten heißt es hier auf dem Pezziball.

Da es sich um eine Amateur-WM handelt, müssen Avans und Hass für sämtliche Kosten selbst aufgekommen. Startgebühr, Flug, Hotel – all das kostet. „Ohne zahlungskräftige Sponsoren ist so etwas nicht möglich. Jedoch konnten wir mit TT Tavan Tiefbau aus Verden einen Partner finden, der uns großzügig unterstützt. Darüber hinaus bedanken wir uns bei der Physiotherapie clAYton Bonar & Wild aus Achim ebenso für die tolle Unterstützung und physiologische Arbeit“, sei Hass zum Abschluss an dieser Stelle eine kurze Werbeeinlage ausnahmsweise einmal erlaubt.

Von Frank Von Staden

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