Der Spaß ist zurück

Benedikt Gerken: Der lange Blonde mit dem großen Ballgefühl

Benedikt Gerken beim Volleyball-Unterricht an der Bremer sportbetonten Oberschule.
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Derzeitiger Alltag für den Blondschopf: Volleyball-Unterricht an der Bremer sportbetonten Oberschule.

Der 19-jährige Benedikt Gerken absolviert ein BFD an einer Bremer Sport-Oberschule.

  • Der Bassener Benedikt Gerken stammt aus einer Volleyball-Familie.
  • Beim TV Baden blüht der 19-Jährige wieder auf.
  • Ein extrem langer Arbeitstag an der Schule.

Bassen/Baden – Wann Benedikt Gerken, den seine Freunde nur Bene rufen, das erste Mal einen Volleyball in der Hand hielt, weiß er gar nicht mehr so recht. „Eigentlich seit ich denken kann“, zuckt der 19-jährige Bassener, der im TV Baden groß wurde und dort als die große Nachwuchshoffnung auf der Position des Zuspielers gilt, da etwas nachdenklich die Schultern. Denn Bene stammt aus einer Volleyball-Familie, die für ihren Sport schon einige Opfer bringt.

Spielerisch im Garten des Elternhauses, das mit Zimmertüren in Sondergröße ausgestattet ist, wirft ihm sein Vater Marko schon früh das runde Sportgerät immer wieder zu. Zurückspielen darf der Knirps es nur in Form von pritschen und baggern. Später verbringt Benedikt viel Zeit in zahlreichen Sporthallen, wenn seine Mutter, sein Vater und auch seine Schwester dem Volleyball frönen. „So war mein Weg quasi schon vorgezeichnet“, lacht da der Youngster.

Kurzer Weg - aber schon viele Highlights

Und dieser Weg ist schon jetzt mit vielen Highlights gepflastert. Noch im TV Baden spielend wird der damals 15-Jährige Jugendnationalspieler, wechselt dann ein Jahr später als Gymnasiast der Bremer sportbetonten Oberschule Ronzelenstraße ins Volleyball-Internat des VCO Berlin. Mit dem Hauptstadt-Klub, durchgehend nur mit höchsttalentierten Nachwuchsspielern bestückt, steigt er in die 2. Bundesliga auf, wo er dann auch erstmals wieder auf seinen eigentlichen Ausbildungsverein, den TV Baden trifft.

Noch beim TV Baden wurde Benedikt Gerken unter Trainer Peter-Michael Sagajewski Jugend-Nationalspieler.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings merkt Benedikt Gerken langsam, dass der Weg in den deutschen Volleyball-Olymp enorm hart und steinig ist. Täglich trainiert er drei Jahre lang zweimal am Tag, drückt dazwischen die Schulbank und baut schließlich sein Abitur. Ganz schleichend verliert der heute 1,97 Meter messende 19-Jährige mehr und mehr die Lust an seinem eigentlich so geliebten Sport. „Ich habe täglich Vollgas beim Training gegeben, war absolut konzentriert bei der Sache, doch die Einsätze in den Matches wurden auf einmal immer weniger. Das hat mich frustriert, hat mich runtergezogen“, gibt Gerken ehrlich zu.

Wenige Einsätze in Berlin frustrierten Gerken

So verlässt er schließlich die Millionenmetropole, kehrt zurück in sein Elternhaus und schließt sich wieder dem TV Baden an, dem er damals als Achtjähriger beigetreten ist. Und hier blüht Bene in einem Team auf, in dem Kameradschaft ganz groß geschrieben wird. „Ich habe mich von Beginn an wohlgefühlt, habe schnell wieder den Spaß am Spiel gefunden. Den brauche ich, ansonsten kann ich meine Leistung einfach nicht abrufen“, klärt der Sportler auf.

Beruflich allerdings ist er noch hin- und hergerissen: „Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, ob ich ein Studium als Architekt oder eines auf Lehramt oder aber doch vielleicht eine Lehre, eine Ausbildung beginnen sollte.“ In dieser Pattlage nimmt ihm dann quasi der „Volleyball-Zufall“ die Entscheidung ab. So bietet seine einstige Bremer Sport-Oberschule für zwölf Monate ein BFD – einen Bundesfreiwilligendienst, ähnlich dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) – an, der Blondschopf greift sofort zu. „Meine Schwester, die selbst eins gemacht hat, hatte mir zuvor nur Gutes erzählt. Und ich denke, ich habe hier erneut die richtige Entscheidung getroffen“, lacht der Bassener.

Allerdings ist der Arbeitstag an der Schule nicht gerade ein leichter. Seit August 2020 leitet er an mehreren Tagen ab 7.45 Uhr das Volleyball-Schultraining abwechselnd für Jungen oder Mädchen als Assistent vom Bremer Landestrainer und Lehrer Karim Hakim. „Danach muss ich dann in der Mensa aushelfen, führe dort Aufsicht, räume am Ende auf und stellte letztlich die Stühle hoch. Meistens steht in der Folge noch das Kadertraining der Jungen oder auch Mädchen an. „Allerdings habe ich momentan etwas mehr Freizeit – zumindest am Nachmittag. Corona macht es möglich“, sagt Gerken. So rollt natürlich auch in der Hansestadt momentan – außer im Schulsport – kein Ball in den Hallen.

Doch bis zum Lockdown 2.0 heißt es Schülertraining, Aufgaben in der Schule, Kadertraining und danach stehen noch die Übungseinheiten als Zweitliga-Spieler beim TV Baden an. „So war mein Tag oft erst um 23 Uhr beendet. Das ist schon Stress, ja. Aber Stress, der Spaß macht. Denn das Training mit den Kids und Jugendlichen hat was.“ Das mit den anderen schulischen Aufgaben hat es dann scheinbar eher nicht. So hat der ruhige und sehr besonnene Hüne vom Studium zum Lehrer schon Abstand genommen. „Ich denke, Architektur liegt mir mehr“, schmunzelt Bene vielsagend.

Beim TV Baden seinen Platz gefunden

Auch sportlich scheint Benedikt Gerken seinen Platz innerhalb des Badener Zweitliga-Teams gefunden zu haben. „Ich weiß, dass ich mich in einigen Dingen verbessern kann, verbessern muss. Ich gebe weiter Vollgas und werde dann von meinem Trainer auch die nötigen Spielanteile bekommen“, setzt der Zuspieler, dem großes Ballgefühl in seinen Aktionen attestiert wird, viel Vertrauen in seinen Coach Werner Kernebeck, der ihn zuletzt beim 0:3 in Lindow-Gransee alle drei Sätze lang durchspielen ließ. „Ein hartes Ergebnis, doch wir haben da ganz klar aufsteigende Tendenz gezeigt. Wir wissen aber alle, dass wir in den nächsten Spielen bessere Ergebnisse erzielen müssen. Allerdings bin ich überzeugt, dass wir uns steigern werden und uns da unten aus der Tabelle rausspielen können!“

Zwei, die sich verstehen: Zuspieler Benedikt Gerken (l.) und Mittelblocker Artem Tscherwinski.

Vielleicht schon am Sonntag im Heimspiel gegen den TuB Bocholt. Und wer weiß, vielleicht kann Marko Gerken dann für den TVB die Siegerfanfare einspielen. Denn Benes Vater schmettert nicht nur selbst Bälle übers Netz, sondern sorgt bei den Badener Zweitliga-Heimspielen am DJ-Mischpult für die ganz spezielle Atmosphäre, die bei Volleyball-Begegnungen in den höchsten Deutschen Ligen herrscht.

Wie gesagt: Bei den Gerkens in Bassen ist nicht alles, aber doch schon sehr vieles auf Volleyball ausgerichtet.

Ich über mich: Benedikt Gerken Alter: 19 Jahre; geboren in: Bremen Volleyballerische Laufbahn: TV Baden, 1860 Bremen (Doppelspielrecht mit TV Baden), Jungendmeisterschaften für VSG Hannover, VCO Berlin, TV Baden Dein Berufswunsch als kleiner Junge? Archäologe Was wäre Dein Traumjob heute? Architekt Deine Lieblingsfächer in der Schule? Kunst und Sport Hobbys neben dem Volleyball? Zeichnen Von wem und/oder wo hast Du im Volleyball bisher am meisten gelernt? Peter Sagajewski (TV Baden), Dan Ilott (VCO Berlin), Michael Maurus (Bremer Landesauswahl) Lieblingsmusik? Ami Rap Lieblingsessen? Kasselerbraten mit Rotkohl und Kartoffeln Lieblingslaster? Chips Das lese ich am liebsten: Fußballnews, Bücher sind nicht so mein Fall Ein perfekter Tag wäre für Dich? Vormittags frei zu haben und danach den Tag mit Freunden zu verbringen Dein sportliches Idol? Der italienische Volleyballer Simone Giannelli Deine größte sportliche Leistung? Deutscher Vizemeister U16, Bundespokalsieger, Nominierung Jugendnationalmannschaft, Vize-Schulweltmeister Wem bist Du ewig dankbar? Meiner Familie und meinen Trainern Woran glaubst Du? An Karma Welche Begabung hättest Du gern? Ein fotografisches Gedächtnis Auf was würdest Du nie verzichten wollen? Auf meine Freunde und Familie Welche drei Dinge würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen? Handy, Ladekabel, Powerbank (solarbetrieben) Wenn Du nicht Volleyballer geworden wärest: Welchen Sport würdest Du heute mit derselben Intensität ausüben wollen? Fußball Welche Überschrift würdest Du Deinem jungen Leben bis jetzt geben? Es ist noch Luft nach oben! (vst)

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