„Was passiert hier gerade mit mir?“

Depressionen: Verdener Dennis Hoins beendet Profi-Karriere mit 27 Jahren

Einige Zeit am Boden: Inzwischen geht’s Dennis Hoins aber schon „viel, viel besser als noch vor einigen Monaten“, sagt er.
+
Einige Zeit am Boden: Inzwischen geht’s Dennis Hoins aber schon „viel, viel besser als noch vor einigen Monaten“, sagt er.

Verden – Es gibt Themen, über die nicht gesprochen wird. Es sind Inhalte, die von der Gesellschaft oft tabuisiert werden – aus Angst, aus Scham aber auch aus Respekt gegenüber den Betroffenen. Es sind oftmals Krankheiten, mit denen unzählige Menschen täglich zu kämpfen haben.

Egal, ob eine Sucht, Burn-out oder Bulimie: Es sind psychische Probleme, die binnen kürzester Zeit das ganze Leben auf den Kopf stellen können. Diese Erfahrung musste auch Dennis Hoins machen. Im November vergangenen Jahres erkrankte der Fußball-Profi aus dem Kreis Verden an Depressionen. „Es hat mich völlig überrumpelt“, erzählt der Offensivmann. Bislang stand er noch beim Drittliga-Aufsteiger VfB Lübeck unter Vertrag, doch damit ist Schluss. Dennis Hoins beendet seine Fußballkarriere im Alter von nur 27 Jahren – aufgrund seiner Depressionen.

Für ihn sei es an der Zeit, der Welt des professionellen Fußballs den Rücken zu kehren – endgültig. „Ich dachte immer, es wäre mein Traum, mein Hobby zum Beruf zu machen . . . aber da habe ich mich gewaltig geirrt. Es macht mich einfach nicht glücklich“, sagt er. Das habe er auf die harte Tour lernen müssen. „Eines Morgens bin ich aufgewacht und habe mich gefragt: ,Was geht denn hier ab? Was passiert hier gerade mit mir?‘ Das kam alles so plötzlich und unglaublich intensiv“, erinnert sich der Reiterstädter. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass er Hilfe brauche. Also begab er sich zur Behandlung in eine Spezialklinik in Bremen.

Währenddessen vermissten die Fans an der Lohmühle ihren „Hoinzer“, der 2017 von Hannover 96 II nach Schleswig-Holstein wechselte, schmerzlichst – ohne überhaupt zu Wissen, warum er wirklich fehlte. Sein letztes Spiel absolvierte der 27-Jährige am 9. November gegen den SSV Jeddeloh. Danach brach die Krankheit aus. Warum? „Keine Ahnung. Ich glaube aber nicht, dass es am Druck lag. Ich war einfach nicht mehr glücklich durch Fußball.“

Große Resonanz auf Karriere-Ende

Der VfB Lübeck hielt die wahren Hintergründe allerdings geheim, öffentlich war lediglich von einer Grippe, leichten Verletzungen und Krankschreibungen die Rede – zumindest bis jetzt. Inzwischen weiß ganz Fußball-Deutschland von Hoins’ Diagnose. „Es wundert mich selbst, dass das solche Wellen schlägt“, gesteht er. Für ihn sei dieser Schritt an die Öffentlichkeit der einzig Richtige gewesen. „Es ist so, wie es ist und da stehe ich auch zu. Nur auf diese Weise kann ich damit irgendwann abschließen.“

Blitzschnell: Dennis Hoins zählte beim VfB Lübeck zu den Leistungsträgern – zumindest bis ihn seine gesundheitlichen Probleme zu einer Pause zwangen.

Der Mittelfeldspieler erhofft sich durch seine Offenheit ein Zeichen zu setzen und andere Betroffene zu ermutigen, sich Hilfe zu holen. Schließlich seien psychische Krankheiten noch immer ein Tabu-Thema in der Fußball-Branche – auch noch nach dem Suizid von Robert Enke. Der National-Torhüter hatte sich aufgrund von Depressionen vor elfeinhalb Jahren das Leben genommen. Trotz derselben Diagnose habe Hoins nicht an Enke denken müssen.

„Es war eine schwierige Zeit für mich, einfach eine völlig neue Situation“, berichtet er. Seine Familie und Freunde hätten ihm aber geholfen, die nötige Geduld zu wahren. Die scheint sich auszuzahlen: „Mir geht’s zwar noch nicht wieder gut, aber schon viel, viel besser als noch vor einigen Monaten“, verrät Hoins. Damit das so bleibt, kommt eine Rückkehr in den Profi-Fußball nicht infrage – auch wenn der VfB Lübeck gerne weiterhin mit ihm zusammengearbeitet hätte.

Comeback beim FC Verden 04 möglich

„Wenn der Kopf nicht mehr will, hat der Körper keine Chance. Es war eine coole und erfolgreiche Zeit, die aber nun vorbei ist“, lässt er keine Hoffnungen auf ein Comeback – zumindest nicht in den höherklassigen Ligen. „Noch ist nichts geplant, aber ich hätte schon Bock, wieder zu kicken. Am liebsten unterklassig, aber mit genügend Anspruch“, formuliert der 27-Jährige, der inzwischen wieder in der Heimat im Kreis Verden lebt, seine Vorstellung. Einen Verein, wenn nicht sogar seinen Verein, hat er dabei schon genau im Blick – den FC Verden 04. Noch sei zwar nichts konkret in Planung, aber „irgendwann wäre das bestimmt cool“.

Bis dahin will Hoins versuchen, sich beruflich neu zu finden. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Leibnitz Universität Hannover möchte er „ein bisschen in diese Branche reinschnuppern. Das stelle ich mir ziemlich spannend vor“, erzählt er.

Ideen, Wünsche und Ziele für den Neustart – ganz fernab der Profi-Fußball-Welt – gibt es also genug.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Leverkusen startet mit Rekordsieg gegen Nizza

Leverkusen startet mit Rekordsieg gegen Nizza

Welche Kanareninsel ist die richtige für mich?

Welche Kanareninsel ist die richtige für mich?

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Nach Gnabry-Schreck: Perfekter Bayern-Start gegen Atlético

Nach Gnabry-Schreck: Perfekter Bayern-Start gegen Atlético

Meistgelesene Artikel

Ab sofort: Kein Fußball auf Kreisebene

Ab sofort: Kein Fußball auf Kreisebene

Ab sofort: Kein Fußball auf Kreisebene
Ahlers-Ceglareks Gedankenspiele

Ahlers-Ceglareks Gedankenspiele

Ahlers-Ceglareks Gedankenspiele
TVO muss lange auf Marc Lange verzichten

TVO muss lange auf Marc Lange verzichten

TVO muss lange auf Marc Lange verzichten
Naumann: „Nur schwer darstellbar“

Naumann: „Nur schwer darstellbar“

Naumann: „Nur schwer darstellbar“

Kommentare