Handballerin sagte einst selbst Bundesligisten ab

Silke Blau: TV Oyten immer treu geblieben

Silke Blau, Ex-Handballerin vom TV Oyten, sitzt zu Hause im Wohnzimmer.
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Die aktive Karriere nahm für Silke Blau im August 1992 zwar ein abruptes Ende, doch dem Handballsport ist die 57-Jährige bis heute stets treu geblieben und noch immer ein Gast in der Oytener Pestalozzihalle.

Silke Blau war Anfang der 1990er-Jahre ein Aushängeschild des TV Oyten, spielte mit dem Mädchennamen Perkuhn auch für die Handball-Niedersachsenauswahl. Trotz Angeboten wie dem des Bundesligisten VfL Oldenburg blieb sie ihrem TVO stets treu.

  • Kreuzbandriss: 1992 jähes Karriere-Ende für Oytener Handballerin Silke Blau
  • Selbst Bundesligist VfL Oldenburg aus Treue zum TVO einen Korb gegeben
  • Die ganze Familie mit dem Handball-Virus infiziert

Oyten – Der 8. August 1992 – er ist auch heute noch ein besonders schmerzhaftes Datum für Silke Blau. Denn an diesem Tag kam es zum abrupten Ende ihrer erfolgreichen Handball-Laufbahn. Bei einem Feldturnier in Morsum kam es für die Oytenerin mit dem Mädchennamen Perkuhn zu einem fatalen Fehltritt in ein Bodenloch. Denn der hatte weitreichende Folgen.

Ein Kreuzbandriss im rechten Knie. „Seinerzeit wurde der nicht operiert. Lediglich der Meniskus wurde bei mir geglättet“, erinnert sich Blau. „Und damit war es dann mit dem Handball vorbei.“

Heute noch beim TV Oyten aktiv - in der Tanzgruppe

Für die Oytenerin jedoch kein Grund, sich auf die faule Haut zu legen. Im Gegenteil. Zwar liegt das Karriereende schon fast 30 Jahre zurück, doch Silke Blau ist immer noch extrem aktiv – mittendrin statt nur dabei sozusagen. „Ich gehe mindestens dreimal in der Woche zum Sport. Neben Pilates und Ganzkörperfitness bin ich, quasi als Ersatz für den Mannschaftssport, in einer Tanzgruppe des TV Oyten aktiv. Pandemiebedingt nutze ich aktuell aktiv die Online-Angebote des Vereins und es geht zum Sport in den Keller. Außerdem haben mein Mann Holger und ich mit dem Golfsport unsere neue Passion gefunden“, verdeutlicht Blau.

Anfang der 90er-Jahre standen einige weite Fahrten für den TVO auf dem Programm.

Doch im Gegensatz zum Leistungsgedanken beim Handball steht der Wettkampfgedanke beim Golf nicht mehr an erster Stelle. Mit einer Ausnahme. Am 18. Loch entfachen die Eheleute wieder den unbändigen Ehrgeiz aus besten Handballertagen und spielen die abschließende Bahn als Match aus. Silke Blau schmunzelt: „Da geht es wirklich noch einmal um alles. Golf ist wirklich eine tolle Sache und auch nicht mehr so eine elitäre Sportart, wie es viele vielleicht noch denken. Die Krux dabei ist, dass man sehr oft selbst sein größter Gegner ist.“

Mit ihrem Mann Holger und dem 20-jährigen Sohn Timo wohnt Silke Blau nach wie vor in Oyten und ist ihrem Heimatort nie untreu geworden. Auch nicht, als der spielintelligenten Mittelspielerin einst ein Angebot des von Robert Schumann trainierten Bundesligisten VfL Oldenburg ins Haus flatterte. Silke Blau erinnert sich an ihre Absage der vermeintlich großen Chance: „Handball war und ist bei mir mit viel Herzblut verbunden. Aber es war nie meine Intention, dass ich mit dem Sport Geld verdienen wollte. Daher habe ich mein Augenmerk auf den Beruf gelegt. Und beides zu meistern – das schlichtweg nicht zu vereinbaren. Somit bin ich in Oyten geblieben.“

Silke war schon richtig gut. Daher war es natürlich toll, dass ich so lange mit ihr auf hohem Niveau zusammenspielen konnte.

Schwester Sabine Borchert über die gemeinsame Zeit mit Silke Blau auf dem Handball-Parkett

Dabei hätte sie vom damaligen renommierten VfL-Trainer sicherlich noch einiges lernen können. Doch auch wenn das für die Oytenerin unstrittig ist, hat sie von jedem ihrer Trainer unterschiedlichste Impulse mitgenommen. Angefangen in der Jugend bei Günther Block-Osmers, der ihr das Einmaleins des Handballs mit auf den Weg gegeben hat. Mit ihm feierte sie unter anderem in der A-Jugend 1981 die Meisterschaft in der Oberliga. Auch A-Lizenzinhaber Otto Sternberg, der sie in der Niedersachsenauswahl betreute, verfügte über ein enormes Fachwissen. Bei den Senioren angekommen, hatte die Rechtshänderin mit „Abi“ Meyer, Erich Dunker, Ingmar Steins, Jürgen Rahmel, Jörg Leyens und Jürgen Prütt etliche anerkannte Fachleute als Übungsleiter. Blau: „Natürlich war jeder Trainer anders. Daher habe ich versucht, dass ich von allen jeweils das Beste mitnehme.“

Auf dem Handballfeld stand zumeist auch ihre sechs Jahre jüngere Schwester Sabine (Borchert) mit auf dem Parkett. Die Flügelflitzerin auf der linken Außenbahn erinnert sich: „Silke war schon richtig gut. Daher war es natürlich toll, dass ich so lange mit ihr auf hohem Niveau zusammenspielen konnte. Ähnlich wie bei Timo und meinem Sohn Max, die es ja mit dem TV Oyten sogar bis in die A-Jugend-Bundesliga geschafft haben und sich dort auf allerhöchstem Niveau mit Trainer Thomas Cordes beweisen durften.“

Auch von Auswahltrainer Otto Sternberg hat Silke Blau einiges mitgenommen.

Apropos Timo Blau: Auch der Industriekaufmann blieb nach der erfolgreichen A-Jungendzeit dem TV Oyten treu. Genau wie die Mutter, die gemeinsam mit ihrer Schwester häufig die Spiele der Vampires in der dritten Liga verfolgt. Dabei ist ihr einiges aufgefallen. „Der Handball ist sehr viel schneller geworden. Darüber hinaus sind die Mädels technisch viel besser ausgebildet. Bei uns wurde damals das Augenmerk viel mehr auf die Abwehrarbeit gelegt“, verweist Silke Blau auf den offensichtlichen Wandel in der schnellen Ballsportart.

Würde die aufgrund der Corona-Pandemie derzeit unterbrochene Saison in der dritten Liga wieder aufgenommen werden, was unrealistisch sein dürfte, hätte die Oytenerin bezüglich des Abschneidens der Vampires ein eher gutes Gefühl: „Die hochkarätigen Abgänge wie Jana Kokot oder Lisa Bormann-Rajes sind in der Tat nur schwer zu kompensieren. Allerdings brennen die Mädels für ihren Sport und haben mit Marc Winter und Lars Müller-Dormann ein erstklassiges Trainergespann.“

Siebenmeter gegen Kiel/Kronsberg zum Regionalliga-Klassenerhalt unvergessen

In den Familien Blau und Borchert sind mittlerweile alle – von den Eltern über Tante und Onkel – mit der Leidenschaft Handball infiziert. Das gilt auch für Silke Blaus Schwager Andreas Borchert, der einst als Fußballer für Furore sorgte. Blickt die 57-Jährige auf ihre größten persönliche Erfolge ihrer Handballlaufbahn zurück, denkt sie in erster Linie an die zahlreichen Nominierungen in Auswahlwahlmannschaften.

Unvergessen ist für sie auch ein verwandelter Siebenmeter Mitte der 80er Jahre gegen Kiel/Kronsberg. Aus gutem Grund. Denn der war gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt des TV Oyten in der Regionalliga. Auch die gemeinsamen Spiele mit der späteren Nationalspielerin Petra Bouke, Silke Prütt (ehemals Koch) und Birgit Alpers sind ihr in bester Erinnerung geblieben. Da der Handball aber ja ein Mannschaftssport ist, findet die 57-Jährige es weiterhin bemerkenswert, wie der kleine Dorfverein TV Oyten es bis heute immer wieder geschafft hat, eine derartige Erfolgsgeschichte mit einem begrenzten Etat auf die Beine zu stellen.

Gerne hätte auch Silke Blau noch etwas länger an der Erfolgsgeschichte mitgeschrieben. Doch ein Fehltritt im August 1992 in Morsum machte ihr bekanntlich einen dicken Strich durch die Rechnung. Wie gut, dass andere Sportarten in ihr Leben getreten sind: „Die aktive Handballphase war schon eine tolle und unvergessene Zeit. Am meisten freue ich mich darüber, dass Freundschaften von damals bis heute bestehen. Daher können wir die alten Zeiten bei den halbjährlichen Frühstücksrunden mit den ehemaligen Weggefährtinnen immer in lustiger Runde Revue passieren lassen.“

Von Björn Lakemann

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