In Oyten und in Achim

Verband und Besitzer schlagen Alarm: Das Sterben der Fitnessstudios

Hanteln im Fitnesstudio.
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Schwere Zeiten: Die Fitnessstudios bleiben in der Corona-Pandemie weiterhin leer.

Die Lage für die Fitnessstudios im neuerlichen Lockdown wird auch im Landkreis Verden immer dramatischer. Der finanzielle Kollaps droht auch renommierten Clubs. Die schlagen jetzt bei den Ministerien Alarm.

  • Auch Betriebe aus dem Kreis Verden fürchten das Sterben ihrer Fitnessstudios
  • Mitglieder kündigen - keine Chance für Studios auf Neu-Anwerbungen
  • Vergebliches Warten auf volle Gelder - offener Brief an zuständige Ministerien

Verden – Schon im ersten Lockdown 2020 schlugen die zahlreichen Fitnessstudios nicht nur im Landkreis Verden früh Alarm, bangten um ihre Existenz. Doch die meisten überstanden die Zwangspause unbeschadet. Dann im Oktober der zweite Lockdown. Und der, so scheint es, schnürt vielen kleineren Studios so langsam die Luft ab. Einige mussten bereits Insolvenz anmelden.

Einhelliger Tenor fast aller Betreiber jetzt: Es ist nicht „5 vor 12“, es sind fünf Sekunden vor High-Noon!

Das Studio-Sterben hat längst begonnen

Schon im März prophezeiten Studiobesitzer wie der Achim-Badener Peter Berleth die drohende Pleite gerade für Neueinsteiger in diesem Bereich, Dr. Hartmut Klose vom Enjoy-Fitness in Oyten stieß damals in dasselbe Horn, orakelte: „Es wird ein Studio-Sterben geben. Denn im Lockdown werden viele Mitglieder kalte Füße bekommen und ihr Abo kündigen. Wir als Besitzer aber haben keine Chance, das aufzufangen, weil wir keine neuen Mitglieder werben können!“ Klose sollte recht behalten. Vor allem die kleinen Anbieter mussten die weiße Fahne hissen, einige der großen Fitnessketten ächzen derzeit ebenfalls schon. So standen und stehen sie auch gerade jetzt zu Jahresbeginn sofort Gewehr bei Fuß und sind schnell am „Tatort“, wenn einer ihrer Gilde Insolvenz anmelden muss.

Torsten Hass

Ein Mitbewerber zum Beispiel war recht zügig zur Stelle, als Ende 2020 einer bekannten Bremer Sauna- und Fitnesslandschaft im großen Einkaufspark der Hansestadt regelrecht das Wasser ausging und der Insolvenzverwalter schwer zu tun hatte. Die Verantwortlichen sollen dabei aus der Insolvenzmasse nicht etwa Fitnessgeräte aufgekauft haben. Nein, sie hatten es auf die Mitgliederliste abgesehen. Und sollen dafür beim Verwalter auch eine gewisse Summe hingeblättert haben. Der Wind wird rauer auf dem Fitnessmarkt.

Bei allen Studios steigen die Kündigungszahlen seit November, Dezember dramatisch. Und mit jeder Woche, die es in die Verlängerung geht, klettert das Fieberthermometer. Denn von den staatlichen Hilfen haben die meisten bisher noch gar nichts gesehen. Bei vielen ist noch kein Cent geflossen, obwohl die Anträge ordnungsgemäß gestellt wurden.

Torsten Hass, Geschäftsführer des Tamado in Achim-Bierden

Denn die Branche wartet ebenso wie viele andere Gewerbetreibenden bisher vergeblich auf die umfassenden Hilfsmaßnahmen der Regierung. Torsten Hass, Geschäftsführer des Tamado in Achim-Bierden, verdeutlicht: „Bei allen Studios steigen die Kündigungszahlen seit November, Dezember dramatisch. Und mit jeder Woche, die es in die Verlängerung geht, klettert das Fieberthermometer. Denn von den staatlichen Hilfen haben die meisten bisher noch gar nichts gesehen. Bei vielen ist noch kein Cent geflossen, obwohl die Anträge ordnungsgemäß gestellt wurden.“ Und sein Oytener Pendant Norman Heller vom Enjoy fügt eine wichtige Tatsache an: „Lange Zeit waren diese Anträge zudem nicht einmal verfügbar, lagen irgendwo auf Halde. Und was noch viel schlimmer ist – es wird ab Januar gar keine Hilfen mehr geben! Für keine Branche mehr. Und das trotz Lockdownverschärfung. Da fühlt man sich im Stich gelassen. Überall herrscht derzeit Panik pur!“

Ab Januar gibt es gar keine Hilfen mehr

Dass die beiden Geschäftsführer für eine große Mehrheit sprechen, verdeutlicht Hass, der sagt: „Ich bin ganz nahe am Puls der Zeit, tausche mich virtuell regelmäßig mit Steuerberatern, Rechtsanwälten und rund 440 Studioverantwortlichen deutschlandweit aus. Also hantiere ich sicherlich nicht mit gefährlichem Halbwissen. Natürlich versuchen alle, ihren Mitgliedern auch online viel zu bieten. Das ist gut, am Ende aber wird das auch nicht das Abspringen der Mitglieder verhindern können!“

Norman Heller

Deshalb haben sich die Anbieter zusammengeschlossen, um sich zu beschweren. In einem offenen Brief hat sich der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) an die zuständigen Bundes- und Landesministerien gewandt. In dem Schreiben, aufgesetzt von Präsidentin Birgit Schwarze, heißt es: „Aufgrund der erneuten Schließung der Fitness- und Gesundheitsanlagen im vergangenen November sind unsere Betriebe nun mehr als fünf Monate ohne echten Umsatz. Eine Aussicht auf Wiedereröffnung wurde bis dato nicht gestellt.“ Besonders die aktuelle Schließung der Studios würde schmerzen. Der Januar und Februar seien die „umsatzstärksten Monate“.

Der Verband fühlt sich finanziell im Stich gelassen

Der Verband fühlt sich finanziell im Stich gelassen. „Die von den Bundesministern Altmaier und Scholz schnell und unbürokratisch zugesicherten Gelder der November- und Dezemberhilfe sind bis dato gar nicht oder aber nur in geringen Maßen als Abschlagszahlung an die Unternehmen geflossen. Dies hat immense Auswirkungen, denn die Liquidität der meisten Betriebe ist nun aufgebraucht“, so die Klage.

Von Frank Von Staden

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