WAS MACHT EIGENTLICH . . .? Kinder und Kochen stehen bei Aljoscha Schmidt an erster Stelle

Das Kapitel Handball ist geschlossen

Nach dem Ende der Karriere als Handballprofi nehmen seine Kinder Joshua, Isabella und Carla (von links) den größten Teil der Zeit im Leben des ehemaligen Achim/Badener Linksaußen Aljoscha Schmidt ein.
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Nach dem Ende der Karriere als Handballprofi nehmen seine Kinder Joshua, Isabella und Carla (von links) den größten Teil der Zeit im Leben des ehemaligen Achim/Badener Linksaußen Aljoscha Schmidt ein.

Bei der SG Achim/Baden reifte Aljoscha Schmidt zu einem gestandenen Bundesligaspieler. Acht Jahre spielte „Joschi“ als Profi für GWD Minden, ehe seine Karriere durch eine Schulterverletzung jäh beendet wurde. Mittlerweile ist der 36-Jährige in erster Linie Familienvater und hat das Kapitel Handball beendet.

Dutenhofen – Als Uwe Inderthal 2003 den 19-jährigen Aljoscha „Joschi“ Schmidt von der HSG D/M Wetzlar als Neuzugang bei der SG Achim/Baden präsentierte, war sich wohl keiner der Verantwortlichen bewusst, welch Juwel der SG damals ins Netz gegangen war. Der Youngster spielte sich nicht nur sofort in die Herzen der Fans, sondern entwickelte sich in Achim zu einem gestandenen Bundesligaspieler.

Im Trikot der SG Achim/Baden reifte „Joschi“ Schmidt zu einem Bundesligahandballer.

Als ich damals gekommen bin, war die Mannschaft im Grunde genommen eine Thekentruppe. Aber in ihr schlummerte extrem viel Potenzial. Da waren richtig gute Spieler dabei. Sonst hätten wir es ja nicht bis in die 2. Bundesliga geschafft.

Aljoscha Schmidt über seine Anfänge bei der SG Achim/Baden

Kein Wunder, dass die Augen des 36-Jährigen auch extrem leuchten, wenn er an seine Zeit in Achim zurückdenkt. „Auch wenn ich acht Jahre als Profi in Minden gespielt habe, war die Zeit bei der SG definitiv die schönste in meiner Karriere. Was ich da alles erlebt habe, das war einfach der Wahnsinn“, gerät „Joschi“ auch heute noch regelrecht ins Schwärmen. „Als ich damals gekommen bin, war die Mannschaft im Grunde genommen eine Thekentruppe. Aber in ihr schlummerte extrem viel Potenzial. Da waren richtig gute Spieler dabei. Sonst hätten wir es ja nicht bis in die 2. Bundesliga geschafft“, sagt Schmidt. Natürlich hat auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass er zum ersten Mal weg von zu Hause war. „Da musste ich irgendwie versuchen erwachsen zu werden. Das hat allerdings in Achim überhaupt nicht funktioniert“, lacht der dreifache Familienvater. Zu groß waren mitunter die Verlockungen. „Trotz der Partys haben wir aber dennoch Leistung gezeigt. Somit hat das schon gepasst.“

Für Aljoscha Schmidt war die Zeit in Achim die schönste in seiner Karriere

In der Saison 2006/2007 begann Schmidts Stern dann richtig zu leuchten. Obwohl die SG die Spielzeit in der 2. Bundesliga Nord „nur“ auf dem 14. Platz beendete, zählte „Joschi“ zu den Top-Spielern der Liga. Satte 246 Treffer erzielte der Linksaußen und landete damit in der Torschützenliste auf dem dritten Platz. Das blieb anderen Vereinen natürlich nicht verborgen. Zunächst zog es ihn im Alter von 24 Jahren zu Erstligaaufsteiger TUSEM Essen, ehe er nach der Insolvenz des damaligen Traditionsvereins ab November 2008 für GWD Minden spielte. Auch dort sorgte „Joschi“ Schmidt für Furore. Nicht von ungefähr wurde er 2013 auch ins All Star Team berufen. „Das war neben den beiden Aufstiegen mit der SG und Minden definitiv einer der Höhepunkte in meiner Karriere“, erinnert sich der 36-Jährige gerne an das Duell gegen die Deutsche Nationalmannschaft (35:37) vor knapp 8000 Zuschauern in Leipzig zurück.

Eine Etage höher als Alexandru Simicu vom Hamburger SV: Aljoscha Schmidt im Trikot von GWD Minden.

Schulterverletzung führt zum Ende der Karriere

Der Tiefpunkt – er sollte nur zwei Jahre später folgen. Im Training zog sich Schmidt in Minden eine folgenschwere Verletzung an der Schulter zu. „Da war wirklich alles zerfetzt. Insgesamt bin ich viermal operiert worden. In der Reha war ich zunächst noch optimistisch und hatte sogar einen Vertrag beim Zweitligisten TV Hüttenberg unterschrieben. Aber nach einem halben Jahr habe ich gemerkt, dass es doch nicht mehr geht und dann haben wir den Vertrag wieder aufgelöst“, war das gleichbedeutend mit dem Karriereende für den damals 30-Jährigen. Im Anschluss zog es „Joschi“ dann zum hessischen Landesligisten HSG Lollar/Ruttershausen. Allerdings als Trainer. Das war jedoch nicht von Dauer. „Ich bin einfach kein Trainer. Schon nach einem halben Jahr habe ich gemerkt, dass ich zu sehr der Kumpeltyp bin. Und das bekomme ich auch nicht raus. Daher habe ich es dann auch beendet“, spielte Schmidt gegenüber der HSG sofort mit offenen Karten. Danach folgten zwar noch ein paar Spiele für Landesligist TSG Friedberg, doch mittlerweile hat der 36-Jährige, auch wenn es noch die eine oder andere Anfrage gegeben hat, das Kapitel Handball geschlossen.

Nur eine kurze Stippvisite gab Aljoscha Schmidt noch als Spieler für Landesligist TSG Friedberg.

Das Kochen als Hobby entdeckt

Aber auch ohne die täglichen Trainingseinheiten hat Schmidt genug um die Ohren. „Allein der Job nimmt mich schon ziemlich in Anspruch“, erklärt der Senior Sales Manager einer Payment Firma. Darüber hinaus beanspruchen seine drei Kinder Carla (7), Joshua (5) und Isabella (2) jede Menge Zeit. „Da spiele ich schon ziemlich oft den Chauffeur. Und das zu koordinieren ist nicht immer einfach“, spricht Schmidt da mitunter schon von Freizeitstress bei den Kids. Und mit Tilda, dem Rhodesian Ridgeback der Schmidts, will zudem ein weiteres Familienmitglied ebenfalls auf seine Kosten kommen. Und als wäre das nicht schon genug, stand zudem der Umbau des Elternhauses auf der Agenda. „Das hat natürlich viel Zeit gekostet. Da hat mir Corona schon etwas in die Karten gespielt, da ich ja nur noch im Homeoffice bin. Aber auch wenn es nun fertig ist und ich extrem stolz darauf bin, bedeutet es ja nicht, dass wir damit nun keine Arbeit mehr haben“, verweist der dreifache Familienvater unter anderem auf das 3000 Quadratmeter große Grundstück. „Da muss auch viel gemacht werden.“ Für Sport bleibt somit wenig Zeit. „Wir gehen mit Tilda spazieren oder fahren viel Rad mit den Kids. Und wenn es passt, versuchen wir schon so oft es geht nach Ibiza zu kommen. Daher hoffe ich, dass wir die Corona-Pandemie auch bald in den Griff bekommen“, sehnt sich „Joschi“ nach Urlaubsfeeling.

Gekocht wird viel Pasta, da die italienische Küche zu einem Steckenpferd von mir geworden ist. Aber Fleisch geht natürlich auch immer.

Aljoscha Schmidt über sein neues Hobby

Doch zunächst heißt es weiterhin zu Hause zu bleiben. Und dort geht der 36-Jährige vermehrt einem weiteren Hobby nach – dem Kochen. „Das versuche ich mindestens einmal in der Woche. Gekocht wird viel Pasta, da die italienische Küche zu einem Steckenpferd von mir geworden ist. Aber Fleisch geht natürlich auch immer“, liebt „Joschi“ Grillabende mit guten Freunden im eigenen Garten. „Vermutlich sieht man das auch“, lacht der 36-Jährige. „Aber dafür, dass ich sechs Jahre keinen Sport gemacht habe, sind acht Kilo, die ich in der Zeit zugenommen habe, noch in Ordnung. Aber auch daran werde ich arbeiten. Allerdings nicht mit einem Sportprogramm, sondern eher mit einer Ernährungsumstellung.“

Ich über mich: Aljoscha Schmidt im Kurzportät

Alter: 36. Wohnort: Dutenhofen.

Familienstand: verheiratet, drei Kinder (Carla 7, Joshua 5 und Isabella 2).

Beruf: Senior Sales Manager.

Beruflicher Werdegang: Ausbildung zum Werbekaufmann, Handball Profi, Kundenmanager Werbeagentur, Senior Sales Manager payone GmbH.

Stationen als Spieler: HSG Wetzlar, SG Achim/Baden, TUSEM Essen, GWD Minden.

Größte sportliche Erfolge: Aufstieg mit der SG Achim/Baden in die 2. Bundesliga (2006), Aufstieg mit GWD Minden in die Bundesliga, Teilnahme All Star Game.

Diesen Sportler hätte ich gerne mal getroffen: Michael Jordan. Er ist nicht nur ein toller Athlet und ein sportliches Vorbild, sondern auch menschlich ein toller Typ. Er ist einer, der sich für wirklich wichtige Dinge einsetzt.

Hobbys: Kochen, Musik.

Diese Begabung hätte ich gern: Die Zeit würde ich gerne zurückdrehen können.

Meine persönlichen Schwächen: Wo soll ich anfangen und wo soll ich aufhören? Belassen wir es mal bei Schokolade...

Meine persönlichen Stärken: Ich bin zielstrebig und gebe niemals auf.

Diese Entscheidung habe ich im Leben bereut: Bereut eigentlich nichts. Aber vielleicht hätte ich das eine oder andere etwas anders gemacht.

Mein verrücktestes Erlebnis in Achim: Ich habe fast drei Monate mit Uwe Inderthal zusammen gewohnt. Auch der Wechsel von Ariel Panzer zur SG zählt definitiv dazu... und noch so viel mehr!!!

Ein perfekter Tag für mich ist: Familie und Freunde im Garten bei 28 Grad, Bier und gutem Fleisch (grins). Oder ein Tag in Cala Rajada mit dem Team der SG Achim/Baden inklusive Manager Jürgen Döhling und Jörg „Bodo“ Budelmann. Die beste Geschichte ever.

Mein Lebensmotto: Gewinner sind nicht diejenigen, die niemals fallen, sondern diejenigen, die niemals aufgeben!

Von Kai Caspers

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