Covid-19: NFV Kreis Verden sensibilisiert seine Vereine / Schiedsrichter zeigen sich selbst an

„Das Ding droht aus dem Ruder zu laufen“

Schaffen es Corona und die Unvernunft, erneut die Luft aus dem Amateurfußball herauszulassen?
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Schaffen es Corona und die Unvernunft, erneut die Luft aus dem Amateurfußball herauszulassen?

Verden – Die Spielabsagen auf Kreis- und Bezirksebene im Fußball steigen von Woche zu Woche, die Fallzahlen in der Corona-Krise übersteigen in vielen Gebieten wieder den Höchstwert – der NFV Kreis Oldenburg/Delmenhorst sagte jetzt für dieses Wochenende als erster Kreis alle Fußballspiele ab. Grund genug für den Verdener Fußball-Boss Kurt Thies, um seine Vereine noch einmal eindringlich zu sensibilisieren. Denn der 66-Jährige befürchtet den Worst Case: „Das Ding droht uns aus dem Ruder zu laufen!“

Deshalb bat er Vereinsverantwortliche aus allen Vereinen des Kreises Verden am Donnerstag zu einer Besprechung, um sie noch einmal eindringlich zu impfen und um an ihre Verantwortung zu appellieren. Dabei erinnerte Thies nicht nur an die Pflichten eines Vorstandes, sondern zudem daran, „dass ein 1. Vorsitzender auch für die Sicherheit der Schiedsrichter und der Zuschauer auf dem Vereinsgelände haftbar gemacht werden kann. Und dass sie das Hausrecht genießen. „Ich habe von Fällen gehört, wo einige Wenige nicht den Hygieneregeln folgen wollten. Da muss klare Kante gezeigt und der oder die Zuschauer des Platzes verwiesen werden!“

Dabei war es dem Kreisvorsitzenden ein Anliegen, „dass wir vom NFV-Vorstand keine Kritik üben wollen. Denn wir sehen ja, dass die Vereine alles in ihrer Macht Stehende tun. Dass es letztlich nicht zu verhindern ist, dass sich einige – vor allem junge Leute – dann doch mal in den Arm nehmen, wissen wir. Der Fußball ist nun einmal in all seinen Facetten ein Spiegelbild der Gesellschaft. Aber wir dürfen gerade jetzt, wo die Zahlen wieder nach oben schnellen und der Fußball gefährdet ist, nicht nachlässig werden. “

Dass überhaupt noch gespielt werden dürfe, dafür sollten alle Fußballbegeisterte dankbar sein, führte der Langwedeler weiter aus. Deshalb forderte er ein, „dass alle Vereine jetzt noch mehr zusammenrücken. Und sollte es in irgend einer Form Probleme geben, dann möchten wir vom NFV informiert sein. Dasselbe gilt für die Schiedsrichter, sollten sie massive Verstöße feststellen. Erst den Verein aufmerksam machen. Wenn das nicht fruchtet, dann uns kontaktieren. Denn wir wollen mit allen Mitteln verhindern, dass das Schlimmste eintritt.“

Thies nannte „das Schlimmste“ dabei nicht beim Namen, doch klar ist, dass bei der momentanen Lage ein erneuter Saisonabbruch nicht mehr ausgeschlossen scheint. Deshalb verschlug es dem Funktionär auch kürzlich nur noch die Sprache, „als ich von einem Zuschauer maulend zur Rede gestellt wurde, warum er eine Maske am Kasseneingang und in anderen Teilen der Sportanlage zu tragen habe. Unglaublich!“

Den Gerüchten, dass es bereits Anzeigen gegen Verstöße auf dem Sportplatz gegeben haben soll, entzog er jeglichen Wahrheitsgehalt. „Allerdings ist es so, dass es eine behördliche Meldung zweier unserer Schiedsrichter gegen ihre eigene Gilde gegeben hat, die bei einem Lehrabend Verstöße gegen die Corona-Regeln wahrgenommen haben wollen. Das gilt es nun erst einmal aufzuarbeiten. Die Behörde hat uns daraufhin mitgeteilt, dass es zukünftig Kontrollen bei Sportveranstaltungen geben soll. Doch auch sie wissen natürlich, dass die Klubs irgendwann an ihre Grenzen stoßen, stehen dem Fußball, den Vereinen, dem Sport insgesamt noch sehr wohlgesonnen gegenüber“, so Thies. Dabei versuchte er das Wort „noch“ nicht übermäßig zu betonen. Doch Fakt ist: Der Amateurfußball rast gerade mit Vollgas zum nächsten Lockdown!

Dazu ein Kommentar

Gibt der Klügere nach, regiert der Dumme

Von Frank von Staden

Opposition ist in einer Gesellschaft immer ganz wichtig, Rebellen haben ihr in vielen Fällen auch ganz gut getan. Doch in der Corona-Pandemie häufen sich die Besserwisser, die Uneinsichtigen und vor allem die Verschwörungstheoretiker.

Auch auf den Sportplätzen haben die Verantwortlichen immer mehr leidige Diskussionen über Maskenpflicht und Abstandshaltung zu führen, reagieren sichtbar immer öfter nur noch genervt. Bei meinem letzten Besuch eines Fußballplatzes bekam ich folgenden Dialog mit, als ein Zuschauer die ganzen Hygieneregel mit scheinbar auswendig gelernten Phrasen infrage stellte und der Kassierer letztlich zu seinem um Fassung ringenden maskierten Vereinsmitstreiter raunte: „Komm, macht keinen Sinn. Lass’ ihn durch. Der Klügere gibt schließlich nach.“

Nein, nein und nochmals nein!

Denn wenn der Klügere immer nachgibt, haben irgendwann nur noch die Dummen das Sagen. Und gerade in der jetzigen Zeit wäre ein Nachgeben und Wegschauen fatal. Vor allem für unseren so geliebten Freizeitsport, für den die Uhr sowieso schon eine Minute vor zwölf geschlagen hat!

Dazu letzte Meldung

Verdens Co-Trainer Dressler bestätigt: Nun elf Spieler positiv getestet

Erst waren es drei, dann sechs und seit gestern steht fest: Elf Spieler des Fußball-Landesligisten FC Verden 04 sind definitiv positiv auf Covid-19 von den Gesundheitsämtern aus ihrer Region getestet worden. Das bestätigte gestern Verdens Co-Trainer Andreas Dressler auf Nachfrage. Das komplette Team von Coach Frank Neubarth befindet sich derzeit in Quarantäne – und das noch bis einschließlich 16. Oktober. „Wir haben noch gehofft, dass wir das Derby gegen den TSV Etelsen bestreiten könnten, doch jetzt glaube ich nicht mehr daran. Das wird einfach zu knapp“, so Dressler, der aber in Sachen Starkerkrankung Entwarnung geben konnte. „Die üblichen Symptome weisen alle elf auf, doch richtig hart getroffen hat es zum Glück keinen der Jungs. Der Sport hat ihnen wahrscheinlich ein gutes Immunsystem verliehen“, erklärte Neubarths Co. Und fügt dann noch an: „Ich bin ungemein froh, dass wir vor dem Uelzen-Spiel sofort die Reißleine gezogen haben!“  vst

Von Frank Von Staden

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