Bernd Otten aus Badenermoor DM-Dritter im kontrollierten Natural Bodybuilding

„Nennen sie mich Stoffochse, ist das ein Kompliment“

Bernd Otten in Wettkampfpose: Ein Körper aus Muskeln und Sehnen. Fettgehalt in dieser Phase – um die drei Prozent.

Badenermoor - Von Frank von Staden. Mächtiger Hüne, muskelbepackt, weit über 100 Kilogramm schwer, vielleicht noch grimmiges Gesicht: So stellt sich „Ottonormalo“ einen echten Bodybuilder vor. Eben einen Terminator, einen Rocky Balboa. All diese Attribute aber weist Bernd Otten aus Badenermoor nicht auf. Er misst 171 Zentimeter, wiegt derzeit rund 75 Kilo, wirkt in seinen Klamotten keinesfalls wie ein Muskelberg und durch sein Gesicht zieht sich meistens ein sympathisches Lächeln. Und doch beansprucht der 33-Jährige seit kurzem nicht nur den Norddeutschen Titel im „Natural Bodybuilding“ für sich, sondern wurde bei der Deutschen Meisterschaft Ende Oktober auch noch Dritter in seiner Gewichtsklasse.

Otten legt großen Wert darauf, dass er das im Verband des GNBF geschafft hat: „Heißt, dass ich kein Stoffochse bin, also keine fördernden Mittelchen einwerfe oder spritze.“ Alle Athleten, die mit ihm auf dem Podium posen und ihren Astralkörper zur Schau stellen, werden vor jedem Wettkampf auf Herz und Nieren getestet, werden Haar-, Urin- und Blutproben entnommen, die auch kleinste Vergehen viele Monate zuvor aufdecken. „In den anderen Verbänden werden Hilfsmittel indes stillschweigend vorausgesetzt“, fügt Otten an.

Erst seit 2009 hat sich der Rotschopf, der seinem Körper vor jedem Wettkampf einen professionellen Teint im braungebrannten Miami-Look verpassen lässt, dem Bodybuilding verschrieben. „Zuvor hatte ich viele andere Sportarten ausprobiert. Zuletzt stand der Radsport hoch im Kurs, ehe mich ein Unfall zur Aufgabe zwang. Doch als ich eine gefühlte Ewigkeit auf dem Sofa lag, fühlte ich einfach, dass ich meinen Hintern wieder hochkriegen musste. Erst in einem Fitnessstudio in Achim, wo aber die Trainer eher unprofessionell waren. Doch wenn ich etwas anpacke, dann muss es volle Pulle sein. Anders geht es bei mir nicht“, erinnert sich Otten. Und auch daran, dass ihn in den ersten Wochen ein Senior mitleidig anschaut und spottet: „Du hast es echt nötig!“ Ab da gibt der Badenermoorer Vollgas, „doch Vollgas ist gerade in den Studios in Achim und umzu nicht immer gern gesehen“, hat Otten die Erfahrung gemacht. So sucht er sich eine „Muckibude“ in Bremen. „Eine, die noch nach Eisen riecht, wo es nicht einmal Kabelzüge gibt, sondern Gewichte noch an Ketten hängen. Wenn man reinkommt, riecht es leicht muffig – ich liebe es!“

2011 bestreitet der 33-Jährige dann seinen ersten Wettkampf. Zu diesem Zeitpunkt wiegt er etwas über 70 Kilo, drückt auf der Flachbank 130 Kilo, stemmt 180 kg per Kniebeuge mit der freien Hantel und bepackt die Langhantel beim Kreuzheben mal eben mit 240 Kilogramm Eisen. Und dennoch fällt das Urteil damals fast vernichtend aus. Der Bodybuilder erinnert sich: „Ich landete im hinteren Drittel, man gab mir zu verstehen, dass ich es lieber lassen sollte mit Wettkämpfen.“ Doch das stachelt ihn erst so richtig an.

2012 geht er dann die Sache mit der notwendigen Ernsthaftigkeit an, die es braucht, um eine reelle Wettkampfchance zu haben. „Auch heute noch stehe ich sechsmal die Woche um drei Uhr morgens auf, jogge, fahre dann zur Arbeit und danach zum Muskeltraining. Meistens verlasse ich die Halle dann nicht vor 21.30 Uhr.“ Vor Wettkämpfen legt sich Otten dann quasi trocken, verfügt nur noch über gut drei Prozent Fettmasse. Das Gesicht sieht eingefallen aus, jeder Muskel, jede Sehne ist zu sehen. Lacht Otten: „Ein ausländischer Mitarbeiter hat einmal mit vorgehaltener Hand einen meiner Kollegen gefragt: ,Der Bernd schwer krank, der Bernd bald tot?’ Ja, viele erkennen mich kaum wieder.“

Der „Suchtsportler“ ist dann regelrecht stolz, wenn ihm in dieser Phase unterstellt wird, er könne solch ein Aussehen nur mit Hilfsmitteln aus der Pharmaindustrie erreicht haben: „Dann allerdings ist die Bezeichnung Stoffochse das größte Kompliment für mich. Denn ich weiß ja, dass ich das auf natürlichem Wege erreicht habe.“

Doch geißelt sich Otten in einer anderer Form. Er achtet strikt auf seine Ernährung, nimmt nur hochwertigste Nahrung zu sich und achtet genau auf die Kalorienzufuhr. „Mein Körper verzeiht keine Nachlässigkeiten. Zwar schaufel ich täglich um die 3000 Kalorien in mich rein, verbrauche aber gerade vor Wettkämpfen fast doppelt so viele.“ Legt Otten dann aber eine mehrmonatige Wettkampfpause ein, lässt er kulinarisch regelrecht die Puppen tanzen. „Einmal habe ich sofort danach Burger um Burger in mich reingestopft, abends dann auch noch ein ganzes Blech mit Backware bei meiner Mutter verdrückt. Knapp zwei Tage später hatte ich so satte zwölf Kilo mehr auf der Waage!“ Verständlich. Denn in den Wochen zuvor hat er seinen Körper, aber auch sein Gehirn an die Grenze getrieben.

Ottens nächstes Ziel heißt nun im kommenden Jahr die Weltmeisterschaft in den USA. Und dafür heißt es weiter tausende von Tonnen Eisen stemmen, bis die Schwarte kracht, weiter bestes Fleisch verzehren. „Und da sitze ich quasi an der optimalen Proteinquelle. Auch wenn das reiner Zufall ist“, versichert Otten. Und dabei fährt ein schelmisches Grinsen über seine Lippen. Denn Bernd Otten ist von Beruf Fleischer.

Bitte, also doch ein wenig Rocky Balboa!

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